Sonntag, 20. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche I

Unser erster Arbeitstag auf der neuen Farm lief ganz anders als geplant.

Von der Unterkunft bis zur Farm müssen wir 20km fahren.
Natürlich ist das Auto an der ersten Kreuzung [nach circa 7km] ausgegangen. Nico und ich haben uns verdutz angeschaut und geflucht. Das kann doch nicht wahr sein, dass es schon wieder losgeht. Da sich unsere „Motorhaube auf und warten“-Technik zuletzt recht gut bewährt hatte, haben wir diese direkt wieder versucht. Und siehe da, nach nur 1 Minute warten, sprang die gute Roose wieder an. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sind wir dann weitergefahren und haben es tatsächlich ohne weitere Zwischenstopps zum Farmgelände geschafft. Jetzt mussten wir nur noch die restlichen 7[?]km auf der Farm hinter uns bringen, aber das Auto hatte mal wieder andere Pläne.
Während der Fahrt geht der Motor einfach aus. Das gibt es doch gar nicht. Aber wir haben unseren fahrbaren Untersatz doch noch einmal (übrigens auch zum letzten Mal) zum Laufen gebracht. Keine 100 Meter später ging das Spektakel von vorne los. Motor aus und diesmal endgültig!
Da half kein gutes Zureden, fluchen, beten oder betteln, das Auto hatte beschlossen, nicht mehr anzugehen. Nach 5 Minuten versuchen haben wir es aufgegeben und erst einmal Jono [ihr erinnert euch, der Festangestellt der Farm] angerufen und alles erklärt. Er hat uns dann an unserem Auto abgeholt und zum eigentlichen Treffpunkt gefahren.
Yuhuu, so stellt man sich den Beginn des ersten Arbeitstages vor.

Wir haben eine schnelle Einweisung in die Bedienung des Radladers bekommen und dann ging es auch schon los das „Rock Picking“ (zu Deutsch: Steine aufsammeln oder wie es mein Opa so schön gesagt hat „Steene laasen“). 


Weil es ja immer sicherer ist, dass Mädchen zuerst mit einer neuen Maschine fahren zu lassen und sich selbst vorne in die Schaufel zu stellen, hatte ich die Ehre und durfte mich als erstes hinters Steuer setzten. Da saß ich nun, hatte 2 Leute vorne in der Schaufel, 1000 Knöpfe, Hebel und Schalter um mich herum. Und los ging der Spaß.
Wir müssen immer nur das Feld auf und ab fahren. Derjenige/Diejenigen vorne in der Schaufel muss/müssen nach Steinen oder Stöcken Ausschau halten, die bei der Ernte eventuell Schäden an den Maschinen anrichten können.
Derjenige am Steuer des Radladers muss aufpassen, dass er:
  1. Die Leute in der Schaufel nicht verliert
  2. Anhält, wenn die Leute vorne etwas entdeckt haben [und auch dabei wieder aufpassen, dass man die Personen nicht unfreiwillig absteigen lässt]
  3. Nicht allzu viele der Pflanzen auf dem Feld zerstört [die Felder sind schon besäht und die Pflanzen, Raps und Gerste, sind schon recht hoch]
Also sind wir bei sonnigem Wetter durch ein Gerstenfeld gefahren und haben nach nicht vorhandenen Steinen Ausschau gehalten. Zwischendurch haben wir uns mit dem Fahren immer abgewechselt. Im Moment ist die Arbeite nicht so schlimm und hat noch nicht allzu viel mit Steinen zu tun. Die einzigen Steine, die wir gefunden haben, waren ungefähr so groß wie ein Handball. Und wir waren tatsächlich etwas enttäuscht, dass kein wirklich Großer dabei war (das sollte sich in den nächsten Tagen aber auch noch ändern).


Um 5 hatten wir Schluss und wir konnten mit einem Auto von der Farm zu unserem Auto fahren. Wir haben erneut vergeblich versucht das Gefährt zu starten. Da wir ja selbst ernannte Mechaniker-Meister sind, haben wir kurzerhand geschlussfolgert, dass irgendwas mit der Benzinzufuhr nicht stimmen kann. Schlau wie wir sind, hatten wir schon in Perth einen neuen Benzinfilter gekauft. Den hat Nico jetzt eingebaut, aber auch mit neuem Benzinfilter hat sich an der Gesamtsituation nichts verändert. Jono hat heute auch schon bei einem Mechaniker im nächsten Ort angerufen und nachgefragt, ob er unser Auto abholen könnte. Ja könnte er, aber wahrscheinlich nur gegen Gebühr. Er hat uns dann die Nummer des Mechanikers in die Hand gedrückt und gemeint, dass wir bei ihm anrufen sollen.
Für die Fahrten zur und von der Unterkunft können wir erst einmal das Auto von der Farm nehmen. Der Firefighter (=Feuerkämpfer) ist ein etwas in die Jahre gekommener Toyota Landcruiser, bei dem alle unwichtigen Fahrzeugfunktionen nicht mehr funktionieren. Das heißt wir können fahren, wissen aber nicht wie schnell. Die vorderen Lichter funktionieren, nach hinten muss man ja eh nichts sehen. Aber immerhin springt das Auto an und fährt, das ist schon mal mehr als unsere Roose im Moment zu bieten hat.
Und weil die ganze Situation so noch nicht seltsam genug war, haben wir unterwegs auch noch einen fremden Mann mit einem riesigen Ford am Straßenrand aufgesammelt und angezogen.
Was wird er sich wohl gedacht haben, als wir auf seinen Satz „Ich bin mit meinem Auto liegengeblieben“ mit „Wir auch, dass hier ist nicht unser Auto“ geantwortet haben. Anscheinend war es ihm egal und er war einfach nur froh, als sein Auto endlich wieder angesprungen ist.
Er hat sich mit viel gehupe und lichthupen bedankt und ist davongebraust.
Spätestens jetzt wissen wir wieder, dass wir irgendwie doch in einer ziemlich verrückten Welt leben und sind zurück zur Unterkunft gefahren.

Nach unserem glorreichen Start am ersten Tag, hatten wir etwas Angst, was uns am 2. Tag wohl erwarten wird. Aber wieder erwarten sprang unser Ersatzwagen ohne Probleme an und hat uns einwandfrei zur Farm gebracht. Heute haben wir auch Unterstützung beim Rock Picking, Dave, ein Holländer, der schon seit 3 Monaten hier in der Region auf verschiedenen Farmen gearbeitet hat. Und die Unterstützung haben wir auch wirklich gebraucht. Auf dem neuen Feld liegen Steine, aber diesmal große und vor allem schwere Steine. Zu dritt ist das ganze aber auch machbar und die Arbeit macht trotzdem irgendwie Spaß. Den Großteil des Tages steht/sitz man vorne in der Schaufel und guckt. Und auch das Wetter macht wieder mit und so kommt es, dass über uns der strahlend blaue Himmel ist, unter uns das saftige Grün der neuen Pflanzen und wir zwischendrin, in Neon gelb [ein Hoch auf unsere Arbeitsjacken].
Um 5 ist der ganze Spaß dann zu Ende und wir kehren zum Ernst des Lebens zurück: unser Auto. Auch heute sind alle Versuche vergebens, so dass wir morgen den Mechaniker anrufen werden. Ob wir wollen oder nicht, das Auto muss noch einmal in die Werkstatt.

Voller Tatendrang haben wir beschlossen, auch am Samstag zu arbeiten. Dave hatte schon andere Pläne und so haben wir alleine gegen ein paar riesige Brocken gekämpft. Nico nennt die Stellen, an denen so viele Steine liegen immer „Nester“ in Wirklichkeit ist es nur ein Fels, der jedes Jahr in immer kleinere Brocken zerfällt. Wir kamen so einige male ins Schwitzen, als wir mal wieder auf eins der Stein-Nester gestoßen sind und recht gründlich alles vom Feld geschafft haben. Zwischendurch haben wir versucht den Mechaniker zu erreichen, aber anscheinend hat er keine neuen Aufträge nötig und muss samstags nicht ans Telefon gehen.
Kurz vor um 5 hieß es dann für uns Feierabend, denn eine riesige Wolkenwand schob sich unaufhaltsam immer näher auf uns zu und es war unübersehbar, dass sie einiges an Regen mit sich bringt. Also schnell zum Firefighter und zurück zur Unterkunft. Da morgen unser freier Tag ist, haben wir am Abend noch die Wäsche gewaschen, dass bis Montag alles schön trocknen kann.


Denn Sonntag haben wir dann ganz ausgiebig mit Nichts tun verbracht. Mehr war eh nicht möglich, da es den ganzen Tag geregnet hat. Wir haben versucht unser Problem  mit Roose mit Hilfe des Internets zu lösen. Nur irgendwie wird uns mit jeder Variante, was kaputt sein könnte noch viel mulmiger und wir beten, dass es nur eine kleine Lappalie ist.

Mal sehen, was die nächste Woche für uns bereithält.
[auf unserer Wunschliste steht natürlich an erster Stelle ein funktionierendes Auto, 
gefolgt von schönem Wetter und einfacher Arbeit]

Mittwoch, 16. Juli 2014

Zum Farmjob auf Umwegen

Am Samstagmorgen haben wir dann das Auto reisefertig gemacht und sind in Richtung Perth gestartet. Großeinkauf steht an. Die nächste Einkaufsmöglichkeit in der Nähe von Badgingarra [das ist der Ort wo wir als nächstes Arbeiten werden] ist 60 km entfernt und höchstwahrscheinlich klein und teuer. Also versuchen wir in Perth so viel wie möglich einzukaufen, um zumindest die ersten beiden Wochen ohne weitere Einkäufe zu überstehen.
Das Auto ist am Morgen ohne weitere Probleme angesprungen, also haben wir uns keine weiteren Gedanken über den kleinen Ausfall von gestern gemacht.
In Perth sind wir natürlich unserem geliebten Stadtteil Joondalup treu geblieben. Unser erster Weg führte uns zu dem Parkplatz eines großen Einkaufszentrums.
Nachdem der Motor aus war, wollte Nico nur noch einmal testen ob unsere Roose gleich wieder angeht. Einfach nur um uns selbst zu beruhigen.
Doch was dann folgte, hat uns keinesfalls beruhigt:
Der Motor dreht und dreht aber startet nicht. Bitte nicht! Das kann doch nicht wahr sein.
Ok, ruhig bleiben – dem Auto eine Pause gönnen und später noch einmal versuchen.
Die Technik funktionierte und wir sind direkt weitergefahren zu einem Autoteileladen. Auf der Liste stehen Zündkerzen und ein Benzinfilter. Wir vermuten, dass dort das Problem liegt.
Unsere restlichen Einkäufe haben wir auch noch hinter uns gebracht. Vor jedem Starten des Motors klopft uns das Herz bis zum Hals und dann ein erleichtertes aufatmen, wenn der Motor endlich zündet. Trotz allem haben wir beschlossen, wieder zurück zur Mandarinenfarm zu fahren und dort zu übernachten, um morgen weiter nach Badgingarra zu fahren. Dort können wir dann die Teile des Autos wechseln. 
Doch das Auto hat sich das alles anders gedacht.
Kurz vor der Mandarinenfarm wollten wir nur noch schnell tanken – mit abgeschalteten Motor versteht sich – riesengroßer Fehler. Natürlich springt unsere Roose nicht wieder an, warum auch, ist ja schon spät und das Auto anscheinend müde. Das deutliche Klopfen aus dem Motorraum hat die ganze Sache nicht besser gemacht.
Ok, warten hilft immer, also hieß es warten, dass der Motor abkühlt. Und tatsächlich, es war zwar ein harter Kampf, aber der Motor hat doch noch einmal für uns gestartet. 10 Meter weiter brachte uns dann die rot blinkende „check trans“-Leuchte endgültig zum Stehen. Transmission – oh nein, das kann nichts Gutes bedeuten und ein Blick ins Handbuch hat die ganze Vermutung bestätigt. Die Leuchte hat irgendetwas mit dem Getriebe zu tun.
Da das Auto nun endgültig aus eigener Kraft nicht mehr von der Stelle kommt, mussten wir neben der Tankstelle schlafen. So einige Leute haben angehalten und uns Hilfe angeboten, aber ohne laufenden Motor wollen wir das Auto nicht abschleppen. Die Gefahr, dass wir uns dabei den ganzen Motor zerstören ist einfach zu groß.

Am nächsten Morgen dann DIE ÜBERRASCHUNG: das Auto startet ohne Probleme.
Anstatt in Richtung der neuen Arbeitsstelle zu fahren, sind wir zurück nach Perth, um eine Werkstatt aufzusuchen. Einziges Problem: es ist Sonntag und damit alles geschlossen.
Wir standen schon auf dem Parkplatz der Werkstatt, als wir beschlossen haben, eine weitere Fahrt zum Strand zu riskieren. Einmal Duschen wird ja wohl noch drin sein. Und das war es tatsächlich, aber seit dieser Fahrt klappert es jetzt verdächtig im Motor. Also haben wir keine weiteren Fahrten gemacht und das Auto wieder vor einer Werkstatt abgestellt und gewartet.
Ein weiteres Problem musste auch noch gelöst werden. Eigentlich sollten wir heute bei der Farm ankommen. Also hieß es den Farmer anrufen und alles erklären. Er ist zum Glück verständnisvoll und will nur auf dem Laufenden gehalten werden. Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz vor der Werkstatt verbracht.
Endlich war es Morgen und die Werkstatt offen. Wir haben dem Mechaniker unser Problem erklärt und er hat sich die ganze Sache angesehen und –gehört. Er vermutet einen lockeren Zahnriemen, das wäre für uns auch die günstigste Variante, im schlimmsten Falle muss er das ganze Zahnriemen-Set wechseln. Mit dieser Nachricht hat er sich von uns verabschiedet und will uns anrufen wenn er fertig ist. Da wir nicht wussten wohin, haben wir den Tag in der Bibliothek verbracht. Halb fünf wurden wir schon etwas unruhig. Die Werkstatt hat bis um 5 auf und wir haben immer noch keine Nachricht von dem Mechaniker. Also sind wir zurückgegangen. Der Mechaniker meinte dann, dass das falsche Teil geliefert wurden ist und wir bis morgen warten müssen. Wir sollen uns eine Übernachtung suchen, denn in seiner Werkstatt dürfen wir nicht im Auto schlafen.

Hallo! Geht es noch?
Das sagt er uns abends um 5!!!

Und noch eine schlechte Nachricht, das ganze Zahnriemen-Set muss getauscht werden und allein das kostet schon 700$.
Wir haben uns das Nötigste aus dem Auto geschnappt uns sind los eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Aber wo sucht man da?
Verzweifelt haben wir in einer der Backpacker-Gruppen im Facebook einen Beitrag eingestellt. Und siehe da, wir haben einen Übernachtungsplatz gefunden, bei einer anderen Backpackerin, die noch ein freies Zimmer in ihrem Haus hat. Wir haben noch schnell 2 Sixpacks Bier geholt [glaubt mir, das ist hier keine billige Angelegenheit] und uns dann mit Bus und Bahn auf den Weg gemacht zu jemand vollkommen Fremden, aber das ist hier als Backpacker schon fast Alltag.
Es war schon dunkel, als wir an der Tür klopften. Wir wurden von Valeriane [eine Französin], ihrem australischen Freund Adam, Michael [ein weiterer Mitbewohner] und dem kleinen Welpen Luna herzlich empfangen. Nach einer kleinen Hausführung mussten wir unsere ganze Geschichte erzählen. Den Abend haben wir dann mit der lustigen Runde verbracht und nachdem wir uns mindestens tausendmal für die Rettung der Nacht bedankt haben sind wir ins Bett gefallen.
Am Dienstagmorgen haben wir dann erst einmal ausgeschlafen und sind dann wieder zur Bibliothek gereist um zu warten. Zumindest müssen wir uns diesmal keine Sorgen darum machen, dass wir einen Strafzettel für zu langes oder falsches Parken bekommen. Um 5 klingelte dann endlich das Telefon. Aber wieder hatte der Mechaniker nur schlechte Nachrichten für uns. Alle Teile sind gewechselt, aber Roose will weiterhin nicht anspringen. Also haben wir noch ein paar Sachen aus dem Auto geholt und haben noch einmal bei Val und Adam um Asyl gebeten. Sie waren so nett und haben uns auch noch einmal aufgenommen.
Da wir nicht wussten was wir machen sollen, haben wir die Gelegenheit genutzt und noch einmal ausgeschlafen. Nachdem wir uns von Val verabschiedet hatten sind wir zur nahegelegenen Bushaltestelle gelaufen. Unterwegs kam uns eine Dame entgegen und hat uns gefragt, ob wir ihren Hund gesehen haben, er ist beim Gassi gehen weggerannt. Wir konnten leider nicht helfen.
Als wir an der Haltestelle auf dem Bus gewartet haben, kam ein ziemlich großer und herrenloser Hund schwanzwedelnd auf uns zugelaufen. Nico hat ihn todesmutig am Halsband festgehalten und wir sind zurück in das Wohngebiet, wo wir die Frau getroffen hatten. Wir haben überall gefragt, ob jemand den Hund kennt oder die Frau gesehen hat. Aber diesmal konnte uns keiner helfen. Auf einmal hielt ein Auto neben uns und eine überglückliche Frau stieg aus und hat sich bedankt, dass wir ihren Hund gefunden haben. Seltsamerweise war das aber nicht die Frau, die wir vorher getroffen hatten. Verrückte Welt!
Jetzt hat das Karma aber war gut bei uns. Und tatsächlich, als wir im Bus saßen, rief der Mechaniker wieder an. Diesmal mit guten Nachrichten. Das Auto geht wieder – na endlich!
Also sind wir so schnell wie möglich zur Werkstatt.
1.300$ ärmer [700$ das Set, der Rest war Arbeitsleistung der Mechaniker hat sich mit !!!130$ die Stunde abgerechnet] konnten wir dann endlich losfahren nach Badgingarra. Jetzt brauchen wir den Job umso mehr, um unsere Konten wieder aufzufüllen.

Die ganzen 200 km bis zur Farm haben wir es uns nicht geraut das Auto auszumachen. Jono [wie sich rausstellte nicht der Farmchef, sondern ein Festangestellter] hat uns hier dann erleichtert in Empfang genommen und uns alles gezeigt. Auf circa 3200 ha werden hier Getreide angebaut und Schafe gehalten. Wir sind der Meinung, dass das riesig ist, aber für australische Verhältnisse ist das nur eine mittelgroße Farm.
Als nächstes hat Jono uns zur Unterkunft gebracht. Die ist leider 15km weit weg von der Farm. Darüber sind wir nicht wirklich erfreut, immerhin ist das zeit- und auch kostenaufwendig.

In der Unterkunft wohnen noch ein Holländer und ein Deutscher. Wir haben uns dort etwas eingerichtet und sind gespannt, was morgen auf uns wartet.

Freitag, 11. Juli 2014

3 vitaminreiche Wochen

Am Sonntag morgen ging es dann zur Mandarinenfarm. Der Manager hatte uns die Adresse gegeben, aber leider keine Hausnummer. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen 3 Mandarinenfarmen. Zum Schluss haben wir aber doch noch die Richtige erreicht.
Wir sind davon ausgegangen, dass wir uns erst einmal einrichten sollen und es am Montag mit der Arbeit losgeht. Weit gefehlt – kaum angekommen, wurden wir gefragt, ob es losgehen kann. Na klar! Also schnell in die Arbeitssachen geschlüpft und schon waren wir mittendrin in der Mandarinenernte.
Jeder hat eine Art Rucksack bekommen, den man unten öffnen kann, um die Mandarinen auszuladen. Man trägt den Sack vor dem Bauch und kann so relativ schnell ernten. Allerding ist das alles ziemlich schwer, wenn der Beutel langsam voller wird und geht ganz schön auf den Rücken [deshalb bevorzuge ich das Ernten mit einem Eimer]. Die Mandarinen müssen wir mit einer Schere vom Baum schneiden. Schwierigkeit dabei ist, dass man sich erst einmal zwischen all den Ästen und Blättern vorbeikämpfen muss.
Da es die Nacht zuvor geregnet hat, waren die Bäume dementsprechend nass, was die Arbeit nicht einfacher gemacht hat.


Wenn man dann seinen Beutel voll hat, lädt man alles in einen Bin (großer Korb, der ca. 400 kg Mandarinen fasst) aus. Wir haben an unserem ersten Tag 2 Bins geerntet und hoffen, dass wir noch schneller werden.
Das Auto können wir über Nacht in der Verarbeitungshalle (Shed) parken. Darin befindet sich auch die Unterkunft für die anderen Backpacker (4 Esten). Wir haben also ein Dach über dem Auto, Strom  und eine Dusche mit warmen, fließenden Wasser. Was braucht man mehr?
Das Wetter hat sich im Laufe der ersten Woche gut entwickelt und wir schwitzen inzwischen bei der Ernte, weil uns die Sonne auf den Rücken scheint. Unser „Pflück-Tempo“ können wir aber nicht wirklich wesentlich steigern und damit steht auch fest, dass wir hier nicht als reiche Leute vom Hof gehen werden. Aber Arbeit ist immer besser als keine Arbeit und unsere Gumtree-Anzeigen sind weiterhin aktiv, um uns unseren nächsten Job zu besorgen.
John (der Manager) hat uns inzwischen auch zugesagt, dass wir noch eine 2. Woche hier bleiben können. Das steigert unsere Laune deutlich. Mit den anderen Backpackern haben wir nicht wirklich viel zu tun. Da wir in unserem Auto schlafen trennen sich unsere Wege nach dem Pflücken. Und auch während der Arbeit hört jeder Musik oder unterhält sich in seiner eigenen Sprache.
Diese Woche hatten wir auch einmal die Chance, Orangen zu pflücken. Das wird zwar schlechter bezahlt, aber man kann einen Bin viel schneller füllen und so im Endeffekt sogar mehr verdienen, als bei der Mandarinenernte. Orangen müssen auch nicht geschnitten werden. Man kann sie einfach so vom Baum Pflücken. Die meisten sind eh schon so reif, dass sie bei der ersten Berührung runterfallen. Außerdem durfte ich auch bei der Sortierung und Verpackung der Orangen/Mandarinen mithelfen. Eine Maschine sortiert die Früchte automatisch nach Größe, man muss dann nur noch nach den unterschiedlichen Qualitäten sortieren.


Einige der Nächte waren ziemlich kalt und so wurden wir am Morgen von Reif und Kälte begrüßt. Da macht das Aufstehen noch viel weniger Spaß.
In der 2. Woche wurde das Wetter dann wieder etwas schlechter. Am Mittwoch hat es den ganzen Tag geregnet, so dass wir unfreiwillig einen Tag frei hatten. Viel machen konnten wir da aber auch nicht. Im Shed haben die Anderen weiter gearbeitet und so konnten wir nicht unter das schützende Dach fahren. Also waren wir im Auto gefangen und haben Filme und Serien geschaut.
Die nächsten Tage konnten wir morgens fast regenfrei pflücken und am Nachmittag hieß es dann für uns beide Arbeiten im Shed. Dabei werden wir im Übrigen per Stunde bezahlt und verdienen somit am meisten. Da wir in der 2. Woche so gut wie alle Mandarinen geerntet haben, ist unser Job hier eigentlich zu Ende. John hat aber auch noch eine private Plantage mit Orangenbäumen und so kommt es, dass wir auch noch eine 3. Woche hier verbringen werden.
Ab Woche 3 hieß es also Orangen.

Die Bäume von John´s Plantage tragen riesige Orangen und die Bins füllen sich sehr schnell. Allerdings sind wir nicht schnell genug, unser Stundenlohn liegt im Durchschnitt bei 15 $. Wenn man sich den ganzen Tag durch Orangenbäume wühlt, trifft man so einige seltsame Tiere.
Den 1. Platz im Ranking der „Am häufigsten im Baum gesichteten Tieren“ hat sich die Kakerlake in allen Größenvarianten erkämpft. Dicht gefolgt von Spinnen in jeglichen Formen, Farben und Größen auf Platz 2. Vereinzelt haben wir dann noch Vögel, Ameisen, eine Art Gottesanbeter [??] und andere undefinierbare Krabbeltierchen gesichtet.
Am Donnerstagabend haben wir dann eine E-Mail mit einem Jobangebot bekommen. Eine Farm ca. 100km weiter nördlich. Dort müssten wir – Achtung Trommelwirbel – Steine aufsammeln. Das kann sich ja zum Stöcke einsammeln nicht so unterscheiden – hoffentlich.
Am Freitag haben wir dann alles Dingfest gemacht - am Sonntag können wir zu unseren neuen Arbeitgeber fahren. Also hieß es auch: das letzte Mal Orangen pflücken.
Am Abend hatten wir dann einen Besucher im Shed. Ein Franzose, der vor einigen Jahren bei John gearbeitet hat. Er war von unserem Auto sehr begeistert und wir haben natürlich wahrheitsgemäß berichtet, dass wir noch nie Probleme mit unserer Roose hatten. Als wir dann das Auto ins Shed fahren wollten, ist es einfach ausgegangen und wollte auch partout nicht wieder angehen. Typischer Vorführeffekt. Da lobt man das Auto vor jemand Fremden und das Auto meint, dass es sich jetzt beweisen muss. Nach 5 Minuten Pause ging es dann auch wieder ohne Probleme an. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht.


 In unseren 3 Wochen Mandarinenfarm haben wir:
 definitiv jeden Tag genug Vitamine zu uns genommen.
Wir wissen, dass frisch vom Baum gepflückte Mandarinen viel besser als die aus dem Supermarkt schmecken.
Wir haben den verrücktesten Hund der Welt kennengelernt. Jackson hat keine Ruhe und ist nur am Rennen. Sobald er einen Vogel am Himmel sieht hält ihn nichts mehr und er saust einfach hinterher. Wir haben das erste Mal in Australien jemanden Scheiben kratzen sehen.
Wir wissen jetzt auch, dass nur weil der Traktor aussieht, als ob er keinen Zentimeter mehr fährt, das noch lange nicht so ist.


3 schöne Wochen gehen zu Ende und wir sind gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Samstag, 21. Juni 2014

Auf nach Bindoon

Da uns nichts weiter in Perth hält, haben wir beschlossen schon heute nach Bindoon zu fahren. Achso, Bindoon ist der Ort, wo die Mandarinenfarm ist.

Die Strecke war schnell gefahren und wir haben uns einen Überblick von dem kleinen Dorf gemacht. Viel gibt es hier nicht: eine vollkommen überteuerte Tankstelle, einen kleinen, ebenfalls vollkommen überteuerten Supermarkt, eine Hauptstraße, viele kleinen Häuschen und dann, naja nichts weiter.
Alle 5 Minuten kommen Oversize [Überlänge oder Überbreite] Trucks gefahren, die mit riesigen Maschinenteile, Container, Fahrzeuge und und und beladen sind. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, dass irgendwo ein neues Dorf errichtet wird; oder eine geheime Raketenbasis – kleiner Scherz.

Die Nacht werden wir auf einen kleinen kostenlosen Rastplatz in der Nähe verbringen, um dann morgen früh frisch und munter bei der Farm einzurücken.

Der Regen prasselt mal wieder auf das Dach und wir sind gespannt, was uns erwartet.
Eins ist sicher: Mandarinen.

Gute Nacht.

Freitag, 20. Juni 2014

Wir stehen wieder am Anfang.

Für unser Skype-Interview sind wir in die Bibliothek von Joondalup eingerückt. Ich glaube die Mitarbeiter halten uns spätestens jetzt für verrückt. Erst kommen wir 1 ½ Monate beinahe täglich, dann ist mal ein paar Wochen Ruhe und ZACK auf einmal sind DIE wieder da.

Pünktlich um 10 haben wir dann via Skype bei AussiJobs angerufen. Unser Gegenüber war aber gerade in ein Telefongespräch und meinte sie würde uns gleich zurückrufen. Also haben wir gewartet und gewartet und gewartet. Nach 15 Minuten haben wir es ein Zweites mal versucht, aber wieder war sie in einem Gespräch. Also hieß es weiter warten. Nico wollte gerade das Auto umparken [man darf nur eine Stunde parken] als AussiJobs zurückrief. Also hat er doch nicht umgeparkt, was wir später bitter bereuten. Das Interview begann direkt mit der ersten schlechten Nachricht. Die Agentur hat keinen Job für uns parat, sie wollen sich nur einen persönlichen Eindruck von uns machen. Als wir dann meinten, dass wir einen anderen Station-Job nörlich von Perth in Aussicht haben wurde die Dame hellhörig. Als sie dann noch den Name John hörte klingelten bei ihr alle Alarmglocken im Kopf. Oh oh!!! Sie hat dann jemanden angerufen, der dort schon einmal gearbeitet hat und er hat uns abgeraten, dort anzufangen. Auch die Dame von der Agentur meinte, dass sie den Manager nicht positiv in Erinnerung hat.

Na klasse, was sollen wir denn jetzt machen?
Unseren Pruning-Job in Margaret River, der am Montag beginnen sollte, haben wir gestern abgesagt.

Nico ist dann das Auto umparken gegangen um kam wütend und mit einem Strafzettel in der Hand wieder zu mir zurück. Wir haben mal wieder eine 60 $ Strafe bekommen, weil wir länger als eine Stunde standen.
Meine Güte läuft das mal wieder alles perfekt!

Also hieß es ab in die Stadtverwaltung Widerspruch einlegen. Immerhin haben wir ja einen berechtigten Grund für´s Parken über der Zeit und Absicht war es definitiv auch nicht. Mal sehen, wie das ausgeht. Den Job auf der Station haben wir auch abgesagt.


Demotiviert ging es dann in unseren Vogelpark.
Wir stehen wieder am Anfang.
Keinen Job, dafür ein Knöllchen.
 Wieder heißt es: Jobsuche.

Auf der Seite einer anderen Jobagentur haben wir uns dann für einen Job beworben und direkt einen Rückruf bekommen. Wir können ab Sonntag für eine Woche Mandarinen pflücken.
Wir haben keine Ahnung, worauf wir uns da einlassen, aber wir haben keine Wahl.
Nach einem kurzen Telefonat mit dem Manager [er heißt übrigens auch John – was ein Zufall] war alles geklärt. Wir werden per Bin [Korb] bezahlt, wer schnell ist, der verdient auch viel.

Na mal sehen, wie das wird.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Das Abenteuer ruft

Nach einer erfrischenden Dusche am Morgen haben wir beschlossen, unsere Zeit nicht in Margaret River abzusitzen. Wir haben uns Cape Naturaliste angeschaut. Dort gibt es einen kleinen Rundweg, der zu einem Punkt führt, wo man Wale beobachten kann. Leider konnten wir keinen erspähen. Der Wanderweg führte uns weiter zu einer Stelle, die „the other side oft he moon“ [die andere Seite vom Mond] genannt wird. Hier hat der raue Meereswind der Landschaft ganz schön zugesetzt und alles wirkt karg und unfreundlich. Das Wetter hat diesen Eindruck noch verstärkt [es sieht auf den Bildern zwar schön aus, aber es ging eine deftige Briese und meistens war es bewölkt], aber immerhin regnet es  nicht.


Die Nacht haben wir auf einem Rastplatz zwischen Busselton und Bunbury verbracht.
Am Donnerstagmorgen wurden wir dann von einer Email überrascht. Mal wieder ein Jobangebot, dieses mal von jemanden, der uns vor 2 Wochen schon einmal angeschrieben hatte, uns aber nie geantwortet hat. Wir sollen doch bitte anrufen, wenn wir noch suchen. Weil wir die alten Mails mit der Nummer schon gelöscht hatten, haben wir per Email geantwortet und um einen Rückruf gebeten.
Mit neuer Hoffnung sind wir weiter Richtung Bunbury gefahren. Dort gab es am Strand ein leckeres Mittagessen. Und dann kam der Anruf von John. Er hat einen Job für uns 700 km über Perth im Nirgendwo auf einer Station (=riesengroße Farm). Das klingt doch mal gut. Wir haben dann noch ein paar Details besprochen und ausgemacht, dass wir bald dort anfangen werden. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie die 700 km hinter uns bringen.

Aber was soll`s – das Abenteuer ruft und so sind wir weitergefahren in Richtung Perth.
[dort wurden wir herzlich mit einem schönen Stau und Regen empfangen]


Nach 3 Wochen Fast Food Abstinenz haben wir ausgiebig bei Bürger King und McDonald diniert. Und 3-mal dürft ihr raten, wo wir geschlafen haben, natürlich wieder auf einem noch unbebauten Grundstück im Wohngebiet.
Achja, wir hatten heute noch eine 2. Überraschung. Die Jobagentur „AussiJobs“, von der ich euch schon öfters berichtet habe, möchte morgen mit uns ein Skype-Interview führen.
Wir sind gespannt, was wir dort noch für ein Angebot bekommen und werden uns dann für das hoffentlich bessere entscheiden.

Dienstag, 17. Juni 2014

Jetzt müssen wir nur noch irgendwie die Zeit bis Montag abbummeln.

Den Montagmorgen haben wir mit einem gemütlichen Frühstück am Fluss begonnen. 

Danach war unser erstes Ziel die Arbeitsvermittlungsfirma in Margaret River. Immerhin stehen wir hier auch noch auf der Warteliste für die kommende „Pruning-Saison“ (pruning = Weinstöcke zurechtschneiden). Aber auch dort wurden wir nur vertröstet. Den Rest des Tages haben wir irgendwie vergammelt und im Internet nach Jobs gesucht. Aber es ist mal wieder wie verhext – nichts will so wirklich passen oder klappen. Bei einem Jobangebot warten wir noch auf eine Rückmeldung. Am Abend haben wir dann einen kostenlosen Schlafplatz gesucht und uns für eine kleine Lichtung im Wald direkt an der Straße entschieden. Die Bäume geben genug Schutz, so dass vorbeifahrende Autos uns nicht gleich sehen können. Nico hatte zum Glück soweit gedacht und unsere Wasserkanister aufgefüllt, so dass wir nach einer schönen warmen dusche ins Bett gehen konnten.
Am Dienstag wurden wir von Blitz und Donner geweckt. Der Regen wollte einfach nicht aufhören und so mussten wir mal wieder unsere „Schlecht-Wetter-Akrobatik“ im Auto vollführen. 

Im Klartext: 
Im Liegen anziehen, das Auto so umräumen, dass die Sitze frei sind und man fahren kann und irgendwie auf die Sitze gelangen. 
Klingt in der Theorie ziemlich simpel, aber die Umsetzung hat es in sich. 

Bei strömenden Regen sind wir nach Margaret River gefahren. Den ganzen Morgen hat es durchgeregnet und alle Straßen standen unter Wasser. Nun waren wir doch froh, dass wir unsere Gummistiefel nicht zurückgebracht haben [das wollten wir gestern eigentlich machen]. Gegen Mittag hat der Regen dann endlich nachgelassen und wir konnten das Auto verlassen und unsere Beine ausstrecken. Als dann mein Telefon klingelte, haben wir uns ziemlich verdutzt angeschaut, eigentlich hat keiner meine Nummer, wir geben Nicos Nummer immer an. Am anderen Ende war eine der Arbeitsvermittlungen und hat uns für nächste Woche Montag einen Pruning-Job angeboten. Na das nehmen wir doch gerne an. Bei dem Jobangebot, wo wir noch auf Rückmeldung gewartet haben wurde uns abgesagt und so passt uns die neue Chance super in den Plan.

Jetzt müssen wir nur noch irgendwie die Zeit bis Montag abbummeln.

Sonntag, 15. Juni 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche 3

Woche 3 sollte eigentlich mich einem freien Tag beginnen, da aber am Sonntagabend der Wetterbericht kein Regen meldete, durften wir auch am Montag wieder aufs Feld. Der Wetterbericht lag natürlich komplett daneben und am Morgen sind wir im strömenden Regen losgefahren. Auf dem Feld haben wir dann eine dreiviertel Stunde gewartet, bis der Regen aufgehört hat. Dann hieß es wieder Stöcke aufsammeln. Pünktlich zu Beginn der Mittagspause hat dann auch der kleine grüne Truck seinen Dienst verweigert. Wahrscheinlich ist das Getriebe im Eimer. Am Nachmittag gab es wieder „schöne“ Aufgaben für uns. Nico hat das Holz fertig bearbeitet, ich hab mit dem Quad Pflanzengift versprüht. Gio und Sean haben mit Steve den Truck nach Margaret River gebracht und dort noch fröhlich eingekauft – es kam natürlich keiner auf die Idee, zu fragen, ob wir auch etwas brauchen. Sehr nett!
Dienstag hatten wir dann endlich unseren freien Tag. Den haben wir genutzt und haben noch einmal in der Umgebung nach Arbeit gefragt. Aber wieder gibt es nichts Positives zu vermelden. In Augusta haben wir dann noch eine kleine Dichtung erstanden und so stand dem Ölwechsel am Nachmittag nichts mehr im Wege. Steve war so freundlich und hat uns seine Werkstatt angeboten. Beim Ölwechsel stand Luis wieder ganz fleißig im Weg. 

Danach gab es noch ein kleines Schönheitsprogramm für Roose. Endlich konnte ich einen lang gehegten Traum in die Tat umsetzten: 
Das Auto mit einem Staubsauger aussaugen.
Mittwoch hieß es natürlich wieder Stöcke aufsammeln. Da der grüne Truck außer Gefecht ist, war Steve so kreativ und hat die Schaufel des großen Radladers an den kleinen Radlader befestigt, mit einer Kette - sehr sicher. Aber aus unerklärlichen Gründen hat diese wahnsinnige Konstruktion sogar gehalten.


Am Nachmittag habe ich bei Steves Mama im Garten Unkraut gezupft und den Vorgarten auf Vordermann gebracht. Gio und Nico haben an die Tanks auf der Farm Rohre zum betanken angebracht und Sean durfte Zaun bauen.
Der Donnerstag war wie Mittwoch, nichts Aufregendes zu vermelden.
Da Gio am Freitag ein Vorstellungsgespräch hatte, haben alle den Tag frei bekommen. Wir hatten am Abend zuvor ein Jobangebot von einer Milchfarm bekommen und den Tag genutzt, um den Manager zu treffen. Auf der riesigen Anlage mit einer rotierenden Melkstation werden händeringend neue Mitarbeiter gesucht. Da der Manager an dem Tag aber auch noch andere Leute eingeladen hatte, haben wir uns keine großen Hoffnungen gemacht. Umso mehr haben wir uns dann gefreut, als wir am Nachmittag die Zusage hatten. Wir können so schnell wie möglich anfangen. Also ging es ab nach Margaret River einkaufen – Gummistiefel (gar nicht so einfach, die in meiner Größe zu finden), wasserfeste Hosen (definitiv nicht hübsch, aber hoffentlich funktional), Essen … Am Abend haben wir dann schon begonnen das Auto einzuräumen und mit Steve gesprochen. Am Sonntagnachmittag können wir auf der anderen Farm beginnen.
Am Samstag haben wir dann die letzten Reihen von Stöcken befreit und haben feierlich den letzten Stock in die Schaufel des Radladers geworfen. Zeit für ein paar Späßchen war natürlich auch und so entstanden einige witzige Fotos (rechts).

Ich hab habe am Nachmittag die Weide fertig gesprüht und bei Steves Mama den Vorgarten fertig gemacht. Nico musste noch die fertig gesäuberten Reihen mit Dünger bestreuen.
Da für uns alle die Zeit hier langsam zu Ende geht hat Steve uns abends zum BBQ eingeladen. Wir haben unsere Tage unterschrieben bekommen und anschließend ging es wieder gemeinsam zum Jagen. Als erstes musste ein Fuchs dran glauben. Das erste Mal, dass ich so ein Tier aus absoluter Nähe in freier Wildbahn gesehen habe. Ich finde Füchse wunderschön (eine Mischung aus Hund und Katze) und auch das Fell ist super weich und flauschig. Steve allerdings findet sie einfach nur lästig und freut sich immer wieder wenn er einen erwischt. Nach zwei weiteren Kängurus ging es dann wieder zurück zur Unterkunft.

Am Sonntag hieß es dann Sachen packen und Auto einräumen. Als endlich alles irgendwie ins Auto gepresst war, sind wir in Richtung Milchfarm gestartet. Dort sollen wir am Nachmittag mit dem Arbeiten beginnen. Wir wollten vorher noch in die neue Unterkunft einziehen und uns etwas einrichten. Als wir in die neue Bleibe eingetreten sind, hat es uns fast umgehauen. Nein, definitiv nicht vor Begeisterung. Wir wussten, dass nicht jede Backpacker-Unterkunft so schön ist wie bei Steve, aber sowas hätten wir wirklich nicht erwartet. Das ganze Gebäude war heruntergekommen. Durch die Bodendielen konnte man das Gras unter dem Haus sehen. Alles war undicht und zugig. Die Dusche sah nicht danach aus, als ob ich sie je benutzen könnte, ohne mir irgendeine Krankheit einzufangen. Alles war alt und heruntergekommen. Das Bettgestell war kaputt und von der Matratze will ich gar nicht erst anfangen. 
[leider haben wir keine Beweisbilder gemacht]
Diesen Schock mussten wir erst einmal verdauen. Hier können wir doch nicht die nächsten 2 Monate wohnen. Wir sind dann ins Auto gestiegen und haben über Alternativen nachgedacht.
Kurz entschlossen sind wir wieder zurück gefahren und haben bei dem Weingut in der Nähe von Steves Farm angehalten. Mal wieder war keiner anzutreffen, aber wir haben eine Gumtree-Anzeige gefunden, dass genau dieses Weingut ein Pärchen sucht, dass die Weinstöcke zurechtschneiden soll. Wir haben dann den Chef angerufen und ein Treffen ausgemacht. Gleich danach haben wir unseren sicheren Job bei der Milchfarm abgesagt. Haltet uns für verrückt, aber in diese Unterkunft wollen wir nicht einen Fuß mehr setzen.
Das Treffen mit dem Chef lief gut, allerdings hat er auch noch viele andere Bewerber und will uns bescheid geben. Also sind wir zu einem kleinen Campingplatz in der Nähe gefahren und haben den Abend am Feuer ausklingen lassen. Es war eine Kunst, das Feuer mit nassem Holz in Gang zu bringen, aber irgendwie haben wir es doch geschafft.
Als wir uns gerade ins Bett gekuschelt hatten, klingelte Nicos Handy. Die Nachricht von dem Weingut – wir haben den Job nicht.


Was nun?!

Sonntag, 8. Juni 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche 2

Montag war ein Feiertag, keiner konnte uns so wirklich sagen, was für einer, aber das ist ja auch egal. Steve war so nett und hat uns den Vormittag frei gegeben.
Es war beinahe ein ruhiger Morgen – beinahe – wären da nicht die Neffen mit ihren verrückten Ideen.
Wir waren alle gerade fertig mit frühstücken, als sie in die Küche kamen und lachten.
Aufgepasst: 
Regel Nummer 1 – sicheren Platz in der Umgebung suchen!
Sie haben eine Herdplatte angemacht, irgendwas in einen Topf getan und sich dann alle die Ohren zugehalten. 
Ok, Regel Nummer 2 – es ihnen gleich tun! Also Finger in die Ohren.
Nico kam nichts ahnend aus unserem Zimmer in die Küche und stand vorm Herd. Ich hab ihn schnell am Rücken gepackt und ihm angedeutet, dass er Abstand halten und sich die Ohren zuhalten soll. Eine ganze Weile passierte nichts. Irgendwann wurden die Jungs unruhig. Keiner hat sich getraut zum Herd zu gehen. Doch auf einmal ein Knall und noch einer und noch einer. Alle fingen an in Deckung zu gehen. Also haben wir uns auch einen sicheren Platz gesucht.
Auf dem Herd krachte und knallte es immer noch. Irgendwann wurde es still und auf einmal fingen die Jungs wieder zu lachen an.
Nun wurden wir aufgeklärt. Es war mal wieder eine Hand voll Zündkapseln, die im Topf gelandet ist.
Die ganze Aktion hat einige Spuren in der Küche hinterlassen. Der Topfdeckel hat eine Beule, die Abzugshaube hat 3 Einschusslöcher und auch in der Decke ist ein Loch. Im Großen und Ganzen war es aber doch irgendwie ziemlich witzig.
Der Nachmittag war nicht so aufregend: es hieß wieder Stöcke einsammeln.

Am Dienstag mussten wir nur am Vormittag arbeiten; ja mal wieder Stöcke einsammeln. Nach dem Mittag ist Steve mit uns nach Margaret River gefahren. Wir haben die Agenturen abgeklappert, die Arbeiter für die Weingüter bereitstellen, und uns überall auf die Wartelisten für die kommende Saison (die sollte Mitte Juni beginnen) eingetragen. Danach haben wir noch ein Eis spendiert bekommen und sind dann wieder zurück zur Farm gefahren. Weil es erst um 4 war, mussten wir doch noch eine Stunde Arbeiten. Sean und Gio mussten Zäune bauen. Nico und ich durften diesmal an der Kreissäge arbeiten und Bretter auf Maß schneiden. Das haben wir zwar noch nie gemacht, aber Steve hat uns das zugetraut und uns einfach mit allem allein gelassen. Also haben wir das erste 4 Meter Brett mit einem wunderschönen Wellenschnitt versehen. Aber mit jedem Brett wurde es besser.

Inzwischen haben wir schon so etwas wie eine Routine. Jeden Morgen werden Stöcke aufgesammelt und am Nachmittag werden dann schöne Aufgaben gemacht. Wir durften heute Nachmittag weiter die Bretter zurechtsägen. Langsam haben wir den Dreh raus und es wird relativ gerade.

Heute haben wir wieder nur am Vormittag gearbeitet, denn am Nachmittag sind Sean und Gio zu einer Walbeobachtungstour gegangen. Uns war das zu teuer und so hatten wir den Nachmittag frei. Das Wetter ist diese Woche super und wir haben den Nachmittag am Fluss verbracht, geangelt, Nico war baden, ich hab fotografiert und zum Schluss haben uns Sam und Ben zum spielen entführt. Die beiden Jungs sind so klasse. Ben übt mit mir Vokabeln, indem er immer auf alles in der Umgebung zeigt und mich nach dem Namen fragt. Wenn ich etwas nicht weis, sagt er es mir. Wenn ich etwas falsch ausspreche, spricht er es mir richtig vor. Wenn ich es wieder falsch betone, dann sagt er, dass das in Ordnung ist, das ist mein Akzent.

Am Freitagmorgen ging es wie immer mit Stöcken einsammeln los. Und am Nachmittag kam dann wieder die schöne Aufgabe. Die Bretter, die wir am Mittwoch fertig geschnitten hatten mussten im nächsten Schritt auf die richtige Dicke zurechtgehobelt werden. Steve hat eine super Maschine, wo die Dicke eingestellt wird. Man schiebt die Bretter dann durch und alles was zu viel ist wird automatisch abgehobelt. So hobeln wir jetzt Millimeter für Millimeter von den Brettern ab. Eine recht eintönige Arbeit, aber immerhin besser als Stöcke aufsammeln. Zwischendurch hatten wir auch einen Besucher – Louis. Das ist der Hund von Steves Bruder. Er sieht ziemlich gefährlich aus, ist er aber nicht. Er ist ein riesiger verschmuster Knuddel-Sabber-Hund.

Diesen Samstag haben wir den ganzen Tag gearbeitet, dafür können wir Montag frei haben. Am Montag soll es regnen und deswegen hat Steve uns diesen Tausch angeboten. Also hieß es am Morgen wieder Stöcke aufsammeln und am Nachmittag ging es an die schönen Aufgaben. Nico und Gio durften Traktor fahren. Sean macht an den Zäunen weiter. Ich bin mit einem Quad durch eine der Weiden gefahren und hab wieder Unkrautgift versprüht.
Am Nachmittag hatten wir wieder 2 Jobangebote von Farmen bekommen. Eines davon ist leider 1700 km weit weg und kommt daher nicht in Frage. Auf eine Antwort des anderen Farmers warten wir noch.

Sonntag hieß es dann wieder ausschlafen. Also fast. Das Kälbchen will ja auch gefüttert werden. Da es noch nicht geregnet hat, konnten Gio und Nico mit den Traktoren weiterarbeiten und die bereits gesäuberten Reihen düngen, auflockern und zum Schluss den Samen aussähen.
Am Nachmittag ging es für uns alle dann nach Margaret River einkaufen, denn die Reserven neigen sich langsam dem Ende.

Das Kälbchen hat diese Woche auch viele Fortschritte gemacht [das klingt als würde ich von unserem Kind erzählen :-D]. Es hat gelernt, wie man aus einem Eimer trinkt. Das klingt erst einmal einfach, war es aber nicht. Ich glaube, dass das kleine Ding nicht wirklich sehr schlau ist und das macht alles nicht wirklich einfacher. Aber nach 4 Tagen hat es sich daran gewöhnt, seinen Dickschädel in den Eimer zu stecken, um zu trinken. Aus dem Trog will es immer noch nicht alleine trinken aber das bekommen wir auch noch hin. Wenn es aus dem Trog trinken soll, muss immer einer von uns den kleinen Calvin (so haben wir das Kälbchen getauft) mit seinen Fingern etwas Starthilfe geben. Da er aber langsam Zähne bekommt, werden wir das nicht mehr so lange machen können. Ach ja, Calvin ist jetzt auch aus dem dunklen Stall ausgezogen und wohnt jetzt auf einer kleinen Weide unter freiem Himmel.

Sonntag, 1. Juni 2014

Was macht man eigentlich im Nichts an einem freien Tag?

Nachtrag zu letzter Woche: Wir haben es doch noch geschafft eine Anzeige bei Gumtree zu schalten und haben tatsächlich am Samstag ein Jobangebot von einer Diary-Farm (Milchfarm) erhalten. Gleich hier um die Ecke.
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Sonntag – unser erster freier Tag.
Aber was macht man eigentlich im Nichts an einem freien Tag?

Steve ist mit den anderen beiden Jungs in die Stadt gefahren – einkaufen und Squash spielen.
Wir haben abgelehnt und lieber der Farm einen Besuch abgestattet. Der Farmer ist auch wirklich nett. Wir müssten beim Melken der Kühe und rund um die Farm helfen. Allerdings kann er uns nur 30 Stunden anbieten. Das wären 15 Stunden pro Kopf in der Woche. Da müssen wir noch einmal drüber schlafen, ob das Sinn macht.

Wieder zurück auf der Farm, haben wir uns Steves Neffen angeschlossen. Die haben, auf dem Feld, wo wir die Stöcke aufsammeln, ein kleines Feuer gemacht. Das ist nicht weiter schlimm, denn Steve hatte zum Ende der Woche die Häufen der eingesammelten Stöcke angebrannt und die Jungs haben die Glut einfach wieder aufflammen lassen. Allerding fand Chris [er hat definitiv IMMER die dümmsten Ideen] es lustig die kleinen Zündkapseln, mit denen man selber Munition herstellen kann, ins Feuer zu werfen. Es dauerte nicht lange und es fing an zu knallen. Das war ihm aber nicht genug, also hat er kurzerhand eine ganze Hand voll von den Dingern lachend ins Feuer geworfen.
Als die Erste Hülse an uns allen vorbeischoss, fingen wir alle an zu rennen und in Deckung zu gehen. Die Jungs sind so verrückt und es ist wirklich ein Wunder, dass noch keiner von ihnen ernsthaft verletzt wurde.

Nach diesem Nachmittag haben wir auch 2 wichtige Regeln, 
die wir immer befolgen, sobald die Jungs in der Nähe sind:

Überlebensregel Nummer 1:
Wenn die Jungs lachen, bevor sie etwas tun, sollte man misstrauisch werden und sich schon einmal nach einem sicheren Ort umschauen.

Überlebensregel Nummer 2:
Wenn die Jungs sich die Ohren zuhalten, wegrennen oder in Deckung gehen, dann mach es ihnen nach.

Aber die wilde Bande bringt auch ein paar Vorteile mit sich. Einer von ihnen ist gelernter Mechaniker und wir haben die Chance genutzt und ihn einmal Roose durchchecken lassen. Unsere Bremsen sind, anders als erwartet, noch gut. Da haben wir die neuen Bremsbeläge wohl für um sonst gekauft. Aber man weis ja nie, wann man die brauch. Und auch so konnte er nichts Negatives an unserem Auto feststellen.

- die gute Roose lässt uns bisher nicht im Stich -

Da lässt es sich gleich viel beruhigter schlafen.