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Freitag, 22. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche VI

Die letzte Woche entpuppte sich als echte Farmwoche. 


Am Montag durfte ich mit John Zaun bauen, also eigentlich stand ich daneben während John Zaun gebaut hat. In der Zwischenzeit hat Nico eine Gruppe alte Schafböcke zur Weide getrieben. Da diese doch schon recht träge waren, hat das einiges an Zeit in Anspruch genommen. Anschließend haben wir in Johns Garten einen neuen Graben für die Bewässerungsanlage gegraben und durften, weil wir so schnell waren eher gehen. 
Wir haben auch erfahren, dass Mittwoch unser letzter Tag ist. Und irgendwie freuen wir uns ziemlich darüber, denn das heißt, wir können endlich wieder reisen.


Am Dienstag wurde es dann ernst. John hat uns 1.200 Schafe eintreiben lassen, einzige Hilfsmittel waren ein Quad und ein Motorrad. Also Helm auf und rein ins Vergnügen. 

Ziel war es, die Schafe bis um 1 in ein Gatter zu bringen, wo diese dann von einem Mann begutachtet werden sollten, der die Tiere kaufen will. John wollte es uns etwas einfacher machen und hat uns vorgeschlagen die Schafe zuerst auf eine Weide zu treiben und dann in das kleinere Gatter. 

Also haben wir zuerst auf einer riesigen Weide alle Schafe zu einer großen Gruppe zusammengetrieben und diese dann bis zur kleineren Weide geschafft. Die ganze Aktion lief wider erwarten recht reibungslos ab. Danach hieß es die Herde in das kleine Gatter zu treiben, aber die Schafe hatten keine Lust, von der großen offenen grünen Fläche in das kleine unbewachsene enge Gatter zu gehen. Irgendwann haben wir es geschafft eine kleinere Gruppe in das Gatter zu pferchen, aber das hat den Rest der Herde nicht wirklich interessiert. Kurz vor um 1 kam John uns dann mit Fly (das ist ein Hund) zu Hilfe und siehe da, der kleine haarige Vierbeiner hat den weißen Wollknäulen doch Angst eingejagt und kurze Zeit später konnten wir die Gattertore zu machen. 
Nachdem der Ankäufer da war, wurden die bereits geschorenen Schafe von John geimpft und mit einem Mittel gegen Flöhe und Läuse eingesprüht. Ich hatte dann das Vergnügen die circa 300 Schafe zu ihrer neuen Weide zu bringen. Da die Gruppe wahrscheinlich heilfroh war wieder aus dem Gatter rauszukommen, waren alle recht kooperativ und sind fast von alleine zur neuen Weide gelaufen.
Die ungeschorenen Schafe wurden ins Schärshed gebracht und mussten die Nacht dort verbringen.


Als wir am Mittwochmorgen am Shed ankamen, waren die Schärer schon voll im Gange. 4 kräftige Männer hatten jeder ein Schaf zwischen den Beinen klemmen und geschärt was das Zeug hielt. Alle 2 Minuten war eine neues Schaf nackig. 

Heute mussten wir uns um die bereits geschorenen Schafe kümmern. Nico hat das Ungezieferspray übernommen und ich konnte einen lang gehegten Kindheitstraum erfüllen und durfte mich einen Tag lang wie ein Tierarzt fühlen. Ich musste die Schafe impfen, ich weis zwar nicht gegen was, aber das war mir auch egal. Mit Spritze und Impfstoff bewaffnet hat John mich nach einer kurzen Einweisung auf die Schafe losgelassen. Was für mich die Erfüllung eines Traumes war, war für Nico der wahr gewordenen Alptraum. Seine Freundin springt neben ihm mit einer Spritze rum und injiziert ein Mittel auf dem dick und fett POISON (=Gift) steht. Er hat den ganzen Tag einen ziemlich großen Bogen um mich gemacht, wenn ich die Spritze in der Hand hatte. 


Ihr werdet euch sicher fragen, wie wir es bewerkstelligt haben die ganzen Schafe zu behandeln, ohne eins zu vergessen. 
Im Gatter gibt es einen kleinen Gang, der breit genug ist, dass sich ein Schaf darin umdrehen kann. In diesen Gang haben wir immer so viele Schafe wie möglich getrieben. So konnten wir kleine Gruppen erledigen und die Schafe konnten nicht wegrennen. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht versucht hätten und ab und zu hatten wir ein ziemlich unübersichtliches Knäuel aus Köpfen, Körpern und Beinen. 
Aber ich denke wir haben das ganze mit Bravour gemeistert und John war ziemlich zufrieden mit uns. Zum Abschluss des Tages mussten wir nur noch die Schafe wieder zurück zur alten Weide bringen. 
Achso, habe ich schon erwähnt, dass heute doch nicht unser letzter Tag ist?


Der Donnerstag war frei, weil viel regen angesagt war und John eine Geschaftstreffen in Perth hatte. Also haben wir die Zeit genutzt und das Auto sauber gemacht und die ersten Dinge aufzuräumen. Der angesagte Regen hat sich übrigens, bis auf einen kleinen Schauer am Morgen, nicht blicken lassen.

Und dann war auch schon endlich Freitag - der letzter Tag auf der Farm. 
Zum Abschluss durften wir mal wieder Schafe treiben. Diesmal mussten wir 1.100 Schafe einmal quer über die Farm bringen, inklusive  Hauptstraßenüberquerung [man muss allerdings dazu sagen, dass auf der Straße vielleicht ein Auto pro Stunde fährt]. Alles Leif prima, bis die Schafe die Wahl zwischen 3 Wegen hatten und anstatt wie gewünscht nach rechts zu laufen, sind einfach alle stehen geblieben. Nach vielen Gerufen und Geschreie, Heys, Hos und einigen Neandertal-ähnlichen Lauten konnten wir die Gruppe aber doch dazu bewegen den von uns gewünschten Weg zu nehmen. Wir waren heilfroh als die Gruppe endlich auf der neuen Weide war. 

Am Nachmittag durfte ich mich damit vergnügen, das Holz um Johns Pool mit einem Öl einzureiben und Nico hatte die Aufgabe mit dem Quad um die Felder Unkrautgift zu sprühen.

Kurz nach halb 4 waren wir fertig und John kam, um uns unsere Tage zu unterzeichnen. Außerdem hat er uns noch auf der Karte sehenswerte Orte gezeigt. Das hätten wir von dem doch recht konversationsunfähigen John gar nicht erwartet.

Dann hieß es von allen Abschied nehmen und als letzte Amtshandlung auf der Farm haben wir noch unsere Zündkerzen gewechselt. So eine gut ausgestattete Werkstatt werden wir wohl kostenlos nicht mehr so schnell zur Verfügung haben. Der Austausch lief ganz gut und die gute Roose ist hinterher ohne Probleme angesprungen und lief super. Also alles richtig gemacht.



Nach 6 ereignisreichen Wochen lassen wir das australische Farmleben hinter uns. 
Jedem dem sich die Chance bietet, dass einmal selbst zu erleben raten wir: tut es! 

Auch wenn nicht alles so war, wie wir es uns vorgestellt haben, war es doch mit eine der besten und erfahrungsreichsten Zeit hier in Australien.

Sonntag, 17. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche V

Wow, jetzt starten wir schon Woche 5. 
So lange haben wir noch nie irgendwo am Stück gearbeitet, aber irgendwie kann man das ja hier auch nicht als 5 Wochen am Stück bezeichnen, wenn man alle paar Tage auf eine andere Farm geschickt wird.
Aber egal, Hauptsache wir bekommen unsere 88 Tage voll – wir sind schon nah dran.

Der Montag begann für mich wie der Freitag aufgehört hat, mit Unkraut jäten. Die Fenster, die ich letzte Woche schon von außen geputzt hatte, waren jetzt von innen dran. Und ich durfte die Vorratskammer entstauben und aufräumen.
Nico hatte mehr Glück und durfte der eigentlichen Aufgabe nachgehen: Bäume pflanzen. Er ist mit dem anderen Mitarbeiter der Farm über ein freies Stück lang gelaufen und hat ungefähr alle 2 Meter einen kleinen Baum in die Erde gesetzt. Als Hilfsmittel hatten die Beiden Baumpflanzrohre (?? ich habe keine Ahnung wie ich es sonst bezeichnen soll). Das Rohr hatte unten so etwas wie einen kleinen Mund, der sich öffnen konnte, so hatte man ein kleines Loch im Boden. Oben am Rohr hat man den Setzling reingesteckt, der dann durch das Rohr in das bereits vorhandene Loch gefallen ist. So konnte man sich das Bücken und das Löscher graben sparen. Ich weiß, dass ich das jetzt nicht sonderlich gut erklärt habe, aber ich habe das Teil auch nicht benutz und schreibe nur nieder, was Nico mir gesagt hat und wie ich es mir vorstelle.


Ich wurde am Dienstag als Mädchen für Alles im Haus eingesetzt, während Nico wieder Bäume pflanzen durfte. Eigentlich muss man sagen Büsche pflanzen, denn, wie Nico in Erfahrung bringen konnte, wird der „Old Men Salt Bush“ (=alter Mann Salzbusch) gepflanzt.
Diesmal musste er aber nicht über das Feld laufen, sondern saß in einer Pflanzmaschine, die von einem Traktor gezogen wurde. Diese hat einfach nur eine Rinne in den Boden gegraben, in die auch wieder alle 2 Meter ein Setzling gesetzt werden musste und das war Nico´s Aufgabe. Hinterher mussten die Beiden kontrollieren, ob alle Pflanzen ordentlich und gerade im Boden waren. Das hieß alle Pflanzreihen entlanglaufen und schiefstehende Pflanzen begradigen und um jeden Setzling den Boden festtreten.
Wir haben heute auch erfahren, dass wir morgen zurück auf John´s Farm sollen.

Deshalb mussten wir am  Mittwoch auch nur einen halben Tag arbeiten. Diesmal durfte ich sogar mit Bäume pflanzen – yeehaa. Ich hatte die „hinter der Maschine herlaufen, alles gerade richten und festtrampeln“-Aufgabe gewählt. Nico saß wieder im Anhänger und der Angestellte der Farm ist den Traktor gefahren. Irgendwann war dann auch der letzte Setzling im Boden und wir konnten zu unserer Lieblingsaufgabe „Autoeinräumen“ übergehen. Am Nachmittag sind wir zurück zur alten Unterkunft gefahren und haben uns dort wieder eingerichtet. Die Anderen dort haben verwundert geguckt, als wir wieder da waren. Aber langsam sollten sie ja wissen, dass wir nicht so lange weg sind.

Den Donnerstag haben wir damit verbracht, die beiden Sheds, in denen der Dünger gelagert wurde zu reinigen.  Also gingen wir mit Besen, Schaufel, Hochdruckreiniger und Staubmasken bewaffnet ans Werk. Nach der Grundreinigung sollten wir noch die Stahlträger mit frischer Rostschutzfarbe bepinseln und dann hieß es Feierabend für uns. Diesen Tag konnten wir sogar als echte Farmarbeit abstempeln.


Das konnte man vom Freitag allerdings nicht behaupten. 
Am Vormittag haben wir der  monströsen Barbecue und Grill Station von John einen neuen Anstrich verpasst. Am Nachmittag haben wir uns mit am Aufbau einer Fleischsäge versucht. Ja, da steht wirklich Fleischsäge, ich habe mich nicht verschrieben. Aber erst noch ein paar Worte zum Aufbau. Auf dem Bild sah die ganze Gerätschaft recht ansprechend aus, aber schon nach den ersten zusammengeschraubten Teilen fiel uns auf, dass wir es ganz sicher  nicht mit einem qualitativ hochwertigen Produkt zu tun haben. Sämtliche Bilder der Aufbauanleitung zeigten andere Bauteile als wir tatsächlich aus dem Karton holten. Bei der Montage des Motors, haben wir 3-mal geschaut, wie und wo dieser zu befestigen ist, aber nachdem wir den ganzen Rest mühsam zusammengeschraubt hatten und den Keilriemen einsetzte wollten, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass der Motor doch anders, als in der Anleitung gezeigt, montiert werden muss. Also so gut wie alles wieder locker schrauben und das Ganze noch einmal umdrehen. John hält uns spätestens jetzt sicherlich für vollkommen unfähig etwas Aufzubauen.
Irgendwann standen wir dann aber vor der fertigen Fleischsäge und waren etwas skeptisch, ob sie den ersten Einsatz übersteht.
Wie es nun mal so ist, musste John sein neues Spielzeig direkt im Anschluss ausprobieren. Also wurde aus dem Kühlraum schnell ein, wahrscheinlich nur für diesen Moment, bereits geschlachtetes Schaf geholt und fachmännisch mit der Fleischsäge zersägt. Eine Sauerei vom feinsten.
1 ½ Stunden und 2 zersägte Schafe später konnten wir endlich nach Hause gehen.

Am Wochenende hieß es selbstverständlich Wäsche waschen und hoffen, dass der Schafgeruch dadurch verschwindet.
Mehr lag aber auch nicht an und wir haben einfach nur entspannt und die Sonne genossen.
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So langsam machen wir uns auch Gedanken über unser altes/neues Leben in Deutschland. Wie soll es dort weitergehen und vor allem wann. Wir durchstöbern fleißig Flugseiten und können uns nicht wirklich entscheiden, wann wir in die alte Heimat fliegen und ganz wichtig über welche Strecke.
Auch um unsere zukünftige Karriere machen wir uns einen Kopf. Weiter machen wie bisher? Im Moment irgendwie nicht vorstellbar, zu schön ist das freie Leben auf der australischen Farm. Ganz unbeschwert und sehen was der Tag so bereithält. Irgendwie können wir es uns nicht ausmalen, wie es ist, wieder in Deutschland zu sein, wo 100km schon weit weg sind und wir wahrscheinlich keine Abenteuer „on the road“ erleben werden [außer ein Wildschwein kreuzt mal wieder meinen Weg, aber das hoffe ich doch nicht!].
Alles ist in unserem Kopf noch so weit in der Ferne aber doch rückt es unaufhaltsam näher.

Sind wir nicht gestern erst gelandet.
Wo ist die Zeit hin? 

Sonntag, 10. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche IV

Unser Hoffen und Beten auf echte Farmarbeit war für umsonst. 

Am Montag durften wir die Rosen und alle anderen Büsche in John´s Garten beschneiden. Da wir das noch nie gemacht haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass hier so schnell keine Rosen mehr blühen werden. Ich hab radikal mit der Schere angesetzt und geschnitten wie ein Weltmeister. Jetzt sieht der ganze Garten ziemlich kahl aus, aber Emily [John´s Frau] ist begeistert von unserer Arbeit.

Auch der Dienstag hielt nichts Aufregendes für uns bereit. Nico musste um alle Scheunen Unkrautgift sprühen, die mögen hier kein Grünzeug um ihre Sheds. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, im Wohnzimmer das Regal sauber zu machen und alles zu entstauben. Danach bekam noch die Abstellkammer eine gründliche Reinigung. Aber irgendwann war auch dieser Tag vorbei und wir waren froh wieder in der Unterkunft zu sein.

Am Mittwoch durfte ich dann im Büro helfen. Nein, nichts Großes. Unter im Büro helfen verstand Emily alle Schubladen auswischen und alles ordentlich wieder einräumen. Anschließend durfte ich die aktuellen Rechnungen alphabetisch sortieren. Immerhin hat mir das Verbrennen der alten Unterlagen aus Vorjahren ziemlich Spaß gemacht. Dann kam zum Abschluss noch eine absolute Hass-Aufgabe. Ich durfte die gesamte Bettwäsche, die irgendwie in den Schrank gestopft war ordentlich zusammenlegen. Ich hasse es, Spannbettlaken zusammen zu legen. Aber was tut man nicht alles für Geld.
John mag Unkraut anscheinend wirklich nicht, denn Nico musste heute am Grundstückseingang und an anderen Stellen auf der Farm Unkrautgift sprühen – mal wieder. John hat auch so nebenbei erwähnt, dass wir demnächst auf die Farm seines Bruders Nick wechseln und dort Bäume pflanzen dürfen. Am Abend entpuppte sich das „demnächst“ dann als morgen. Ok, also mal wieder Auto einräumen. Wir haben mit John ausgemacht, dass wir um 10 bei ihm sind und er uns dann den Weg zur anderen Farm erklärt.

Den Donnerstagmorgen haben wir mit Auto einräumen verbracht und auf den Weg zur John´s Farm haben wir John doch tatsächlich getroffen. Er hat uns dann gleich die Adresse der anderen Farm gegeben und uns den Weg beschrieben. Einen Einkauf, einen neuen Tankdeckel [der inkompetente Mechaniker aus Badgingarra hat übrigens auch unseren Tankdeckel kaputt gemacht] und 80km später waren wir endlich am Ziel.
Nick ist ganz anders als sein Bruder, er erzählt viel mehr und scheint uns auch so viel aufgeschlossener zu sein. Er hat uns unser neues Zuhause für die nächsten Tage (? – keine Ahnung wie lang wir hier bleiben) gezeigt – ein älterer Caravan. Unsere Freude hält sich in Grenzen. Aber immerhin ist es besser, als im Auto zu schlafen.


Nach dem Mittag kam dann der Schock. Es war keine Rede vom Bäume pflanzen, nein, es hieß schon wieder Garten- und Hausarbeit. Nico hatte Glück und durfte mit dem Mitarbeiter der Farm Zäune bauen gehen und so blieb es an mir, die Fenster des Hauses zu putzen. Die Arbeit an sich wäre gar nicht so schlimm gewesen, wäre da nicht noch Nick´s Sohn. Seraphim (ich schätze ihn auf 4 oder 5) war der Meinung, dass er mir beim Fenster putzen helfen muss. Ok, dachte ich, wird bestimmt ganz witzig und nebenbei lernst du vielleicht noch ein paar neue Vokabeln. Alle 5 Minuten durfte ich mir nun anhören, dass wir denselben Fensterputzer haben und als er entdeckt hat, dass in meinem Putzwasser Blubber-Blasen sind, wollte er meins mit benutzen. Alles kein Problem, ich bin da ja nicht so. Irgendwann fing er an mich zu fragen, ob ich seinen Fensterputzer benutze – nein ich hab das Ding seither ja nicht aus der Hand gelegt, also ist es das, womit ich begonnen habe. Seraphim war das aber herzlich egal, er hat festgelegt, dass ich seins habe und wir tauschen müssen. Dieses Spiel ging dann so einige Male. Zwischendurch kamen immer mal seine Mama und Papa und haben gemeint, dass er mich nicht nerven soll. Ab und zu haben sie auch vergebens versucht, ihn ins Haus zu locken. Nach 2 Stunden „mein/dein Fensterputzer-Diskussion“ dann die Erlösung, Nick konnte Seraphim mit einem Dinosaurierfilm ins Haus locken und ich konnte endlich in Ruhe Fenster putzen. Der Frieden hielt eine Filmlänge lang an. Dann kam der Kleinen wieder raus und wollte natürlich „helfen“. Also hat er einfach mal die geputzten Fenster wieder nass gemacht – „Die waren noch dreckig!“, war seine Begründung. Irgendwann hat er mir dann die Zeitung weggenommen und weggebracht. „Die gehört meinen Papa, die kannst du nicht nehmen.“ Da half kein erklären und diskutieren, die Zeitung war weg. Ich könnte euch jetzt noch so einiges mehr erzählen, aber das würde eindeutig den Rahmen sprengen. Eins weiß ich jetzt, mit einem Kind auf Englisch diskutieren ist definitiv nicht meine Stärke.  
Um 5 war dann endlich Feierabend, ich konnte mich verabschieden und bin zu unserem Caravan gegangen. Dort gibt es immerhin Strom, solange man nicht den Warmwasser-Boiler anmacht, der ist irgendwie defekt und sobald weitere Geräte Strom ziehen fliegt die Sicherung raus und wir sitzen im Dunkeln. Also hieß es an diesem Abend alle 15 Minuten Sicherung wieder rein machen, bis das Wasser endlich warm genug ist um zu duschen. Immerhin haben wir eine Dusche direkt im Caravan, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Wieder etwas schlauer. Um die Chemietoilette haben wir uns bisher gedrückt, aber irgendwann kommt der  Moment, wo wir uns auch dieser Herausforderung stellen müssen.

Freitag – das Wochenende ist in Sicht. Und noch etwas positives, Seraphim und sein kleiner Bruder Gabriel sind heute im Kindergarten und das heißt für mich/uns: Ruhe und (fast) keine Diskussionen. Während Nico  den Rasen gemäht hat, habe ich die Fenster fertig geputzt und dann haben wir gemeinsam Unkraut gejätet. Kurz nach um 4 kamen dann die Kinder zurück aus dem Kindergarten und die Diskussionen konnten beginnen:

„Was machst du?“
„Unkraut zupfen.“
„Warum?“
„Weil deine Mama mir das gesagt hat.“
„Du reist aber unsere Möhren raus!“
„Nein! Das Unkraut sieht nur sehr ähnlich aus.“
„Das sag ich meiner Mama, dass du die Möhren rausreist.“ 
Seraphim Abgang.

Nico steht daneben und hält sich gekonnt raus. Danke!

Und wieder war ich ziemlich froh, als es endlich um 5 war und wir uns in den Caravan zurückziehen konnten. Und dort ging dann unser abendliches „Sicherung raus – Sicherung rein-Spiel“ los. Nico hat sogar noch einen Kuchen gebacken. Ohne Rezept und nur nach Gefühl, aber er war trotzdem super lecker.

Am Samstag haben wir dann den Nachbarort New Norcia besucht. Schon von weiten sieht man im spanischen Stil gehaltene Bauten, die nicht so Recht in den australischen Busch passen. Der Ort wurde einst gegründet, um Aborigines zu missionieren. Heute ist es ein eingeschlafener Ort an einem Highway, der nicht wirklich viel zu bieten hat, außer Übergröße-Transporte und Road Trains, die alle 5 Minuten durch die Stadt brettern. Wir sind dann eine Runde durch den Ort geschlendert (ja, man kann alles erlaufen, so groß ist der Ort nicht) und haben uns alles Sehenswerte [?] angeschaut.

[man beachte die australische Interpretation der Geburt Jesu]

Wir haben im Anschluss noch in Moora eingekauft und getankt.
Zurück am Caravan haben wir uns auf ein leckeres Stück Kuchen gefreut, aber die Ameisen fanden das Gebäck anscheinend genau so lecker wie ich und haben sich darüber hergemacht. Also konnten wir ¾ des Kuchens wegwerfen (das restliche Viertel hatte ich schon am Abend genascht bzw. zum Frühstück verputzt). Nach dieser Aktion sind wir dann in unseren üblichen „Wochenend-Nichts-Tu-Modus“ übergegangen.


Am Sonntag haben wir ausgiebig ausgeschlafen und dann einfach den freien Tag genossen.
Ich hab mal wieder etwas rumgeknipst. 

Sonntag, 3. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche III

Die neue Woche bringt Arbeitstechnisch nicht wirklich Abwechslung mit sich.
Es bleibt beim Stöcke und Steine einsammeln.

Am Montagmorgen hatten wir mit Clint (den Farmmanager) abgesprochen, dass 2 Freunde mit in der Unterkunft übernachten können. Und am Abend kamen dann Jelena und Andi mit ihrem kleinen weisen Flitzer vorbei und haben einiges an Geschichten mitgebracht.
Bis halb 12 haben wir mit den Beiden gequatscht, die nach 2 ½ Monaten auf der Kartoffelfarm das Handtuch geworfen haben und dann einmal quer durch Australien am Uluru [das ist der große berühmte Stein ;-)] vorbei bis nach Darwin gereist sind. Von dort aus ging es für die Beiden dann an der Westküste runter in Richtung Perth. Und jetzt haben sie bei uns einen kleinen Zwischenstopp eingelegt. Nach so vielen zurückgelegten Kilometern gibt es so einiges zu erzählen. Und auch das Einhorn, was wir Jelena damals in der Cosy Corner geschenkt haben, ist noch mit auf Tour. Es ist inzwischen eher grau als weiß, aber es ist und bleibt ein Hingucker.

Trotz unseres Besuchs mussten wir am Dienstag wieder früh aus den Federn. Da kam dann doch etwas Neid auf, dass die Beiden liegen bleiben konnten. So langsam kommt der Drang zum Weiterreisen wieder in uns durch [nicht nur wegen dem Ausschlafen].
Wir haben auch die Gelegenheit genutzt, um bei Clint nachzufragen, ob er nicht jemanden kennt, der den Zweien eine Arbeitsstelle anbieten kann. Er will sich umhören…
Nach 8 Stunden Steinen einsammeln ging es dann wieder zurück zur Unterkunft, wo eine Überraschung auf uns wartete. Jelena und Andi hatten das Holz fertig gehackt und fein aufgeschichtet und im Ofen brannte ein gemütliches Feuer. Da macht das „nach Hause“ kommen Spaß. Clint hat sich an diesem Tag nicht mehr blicken lassen und so haben die Beiden beschlossen noch eine Nacht hier zu verbringen. Ich glaube das fließende (warme) Wasser und ein festes Dach über dem Kopf hat diese Entscheidung für sie auch recht einfach gemacht.

Am Mittwoch kam Clint dann mit schlechten Nachrichten: keine Arbeit für Jelena und Andi. 
Also hieß es Abschied nehmen und dann ging es für uns zurück auf das Feld, die Steine rufen. Außerdem haben wir erfahren, dass wir morgen wieder auf John´s Farm arbeiten sollen. Das heißt für uns gibt es mal wieder einen straffen Zeitplan am Abend. Zum Glück waren wir mit den Stöcken und Steinen schneller fertig als gedacht und wir konnten etwas früher in den Feierabend gehen. Natürlich nicht, ohne uns vorher noch ein letztes mal so richtig festzufahren. Dave hat aber den Traktor aus dem Schlammloch gerettet und ich denke vor allem auf diesem letzten Feld haben wir doch einen recht bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn eins ist sicher, die Gerste dort richtet sich definitiv nicht wieder auf. 


Nun ging der Stress los. Es hieß schnell nach Jurien Bay fahren, einkaufen und zurück fahren bevor es dunkel wird. In der Dämmerung sind die Tiere immer recht aktiv und haben den Drang auch das öffentliche Verkehrsnetz zu nutzen. Natürlich sind wir pünktlich zu Dämmerungsbeginn zurückgefahren und haben unterwegs so einige Kängurus, Hasen, Eulen… gesehen. Wir waren froh, als wie endlich wieder bei der Unterkunft auf Clint´s Farm waren. Dort hieß es alles ins Auto räumen, dass wir zur anderen Unterkunft bei John´s Farm fahren können. Irgendwann gegen um 8 waren wir dann Abreisebereit und sind losgefahren in den dunklen Abend. Wir hatten leichte Orientierungsprobleme, denn als wir zur Farm gefahren sind, ist John vor uns gefahren und wir haben nur halbherzig auf Abbiegungen und Straßennamen geachtet. Noch dazu war es jetzt dunkel. Das Navigationsgerät hat seine Mitarbeit komplett verweigert und so sind wir immer der Nase nach quer über staubige Straßen in die hoffentlich richtige Richtung gefahren.
Wider Erwarten sind wir zum Schluss tatsächlich auf der richtigen Straße rausgekommen und konnten kurz nach um 9 alle unsere Sachen in die Unterkunft schleppen. Die 2 Mitbewohner dort waren etwas verwundert, dass wir wieder da sind, aber was soll´s.

Den gesamten Donnerstag haben wir im Garten um John´s Haus verbracht. Es hieß mal wieder Rasen mähen, Unkraut zupfen, Kehren und aufräumen. Na so haben wir uns die Farmarbeit nicht vorgestellt. Aber wir haben nicht wirklich eine Wahl. Wir brauchen das Geld und müssen unsere restlichen Tage erarbeiten. Also hieß es Augen zu und durch.

Auch den Freitag durften wir im Garten verbringen. Immerhin spielt das Wetter mit und wir können zwischendurch die Sonne genießen. Inzwischen haben wir auch noch eine recht einnehmende Hecke zurückgestutzt und alles geharkt und fein säuberlich gekehrt. Immerhin konnten wir am Nachmittag tatsächlich mal etwas Farmarbeit nachgehen. Ein Zaun musste entfernt werden. Also hieß es alle Pfeiler aus dem Boden ziehen und das Drahtgeflecht fein säuberlich zusammenrollen, denn der Draht soll noch einmal verwendet werden. Klingt recht einfach, wurde aber mit zunehmender Größe der Rolle immer schwieriger und unhandlicher. Aber irgendwie haben wir er dann doch geschafft, dass wilde Drahtmonster zu bändigen. Zum Schluss mussten wir noch einen alten Holzpfahl aus dem Boden ziehen. Jono (der Festangestellt der Farm) hatte uns erklärt, dass irgendwo am unteren Ende des Pfahls eine Disk [=Scheibe] ist, die der ganzen Konstruktion Stabilität gibt. Also haben wir mit dem Radlader gebuddelt so gut es ging. Aber keine Disk in Sicht. Nach weiteren erfolglosen Grabversuchen haben wir es dann aufgegeben und das Loch so gut es ging wieder zugeschoben. Falls es eine Disk gibt, dann hat sie sich sehr gut versteckt.


Und dann hieß es für uns endlich Wochenende. Das erste Mal 2 Tage nacheinander frei. 
Und was macht man da – natürlich nichts. 
Wir haben einfach mal ausgespannt, rum gegammelt und das immer besser werdende Wetter genossen.
Achso, wir haben doch etwas gemacht. 
Ganz Thüringer Art haben wir natürlich auf dem Holzkohlegrill Würstchen gebraten. Zu gerne würde ich an dieser Stelle Roster (Rostbratwurst/Bratwurst) schreiben, aber die australischen Würstchen kommen nicht ansatzweise an das geliebte Original aus der Heimat ran. Und auch die Holzkohle lässt zu Wünschen übrig.

An dieser Stelle, wollen wir uns noch einmal bei Markus und Gesa bedanken, die uns den guten Jamie (so heißt der Grill) damals in Mt. Barker (SA) überlassen haben.
[ich hoffe Ihr Zwei lest das - Danke!]

Nach 3 Wochen, haben wir auf John´s und Clint´s Farm so gut wie alle Felder von Steinen befreit.

Allerdings hat John nicht wirklich richtige Aufgaben für uns und beschäftigt uns nur in seinem Garten. Das geht uns ganz gewaltig gegen den Strich und wir hoffen, dass nächste Woche richtige Aufgaben auf uns warten. 

Sonntag, 20. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche I

Unser erster Arbeitstag auf der neuen Farm lief ganz anders als geplant.

Von der Unterkunft bis zur Farm müssen wir 20km fahren.
Natürlich ist das Auto an der ersten Kreuzung [nach circa 7km] ausgegangen. Nico und ich haben uns verdutz angeschaut und geflucht. Das kann doch nicht wahr sein, dass es schon wieder losgeht. Da sich unsere „Motorhaube auf und warten“-Technik zuletzt recht gut bewährt hatte, haben wir diese direkt wieder versucht. Und siehe da, nach nur 1 Minute warten, sprang die gute Roose wieder an. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sind wir dann weitergefahren und haben es tatsächlich ohne weitere Zwischenstopps zum Farmgelände geschafft. Jetzt mussten wir nur noch die restlichen 7[?]km auf der Farm hinter uns bringen, aber das Auto hatte mal wieder andere Pläne.
Während der Fahrt geht der Motor einfach aus. Das gibt es doch gar nicht. Aber wir haben unseren fahrbaren Untersatz doch noch einmal (übrigens auch zum letzten Mal) zum Laufen gebracht. Keine 100 Meter später ging das Spektakel von vorne los. Motor aus und diesmal endgültig!
Da half kein gutes Zureden, fluchen, beten oder betteln, das Auto hatte beschlossen, nicht mehr anzugehen. Nach 5 Minuten versuchen haben wir es aufgegeben und erst einmal Jono [ihr erinnert euch, der Festangestellt der Farm] angerufen und alles erklärt. Er hat uns dann an unserem Auto abgeholt und zum eigentlichen Treffpunkt gefahren.
Yuhuu, so stellt man sich den Beginn des ersten Arbeitstages vor.

Wir haben eine schnelle Einweisung in die Bedienung des Radladers bekommen und dann ging es auch schon los das „Rock Picking“ (zu Deutsch: Steine aufsammeln oder wie es mein Opa so schön gesagt hat „Steene laasen“). 


Weil es ja immer sicherer ist, dass Mädchen zuerst mit einer neuen Maschine fahren zu lassen und sich selbst vorne in die Schaufel zu stellen, hatte ich die Ehre und durfte mich als erstes hinters Steuer setzten. Da saß ich nun, hatte 2 Leute vorne in der Schaufel, 1000 Knöpfe, Hebel und Schalter um mich herum. Und los ging der Spaß.
Wir müssen immer nur das Feld auf und ab fahren. Derjenige/Diejenigen vorne in der Schaufel muss/müssen nach Steinen oder Stöcken Ausschau halten, die bei der Ernte eventuell Schäden an den Maschinen anrichten können.
Derjenige am Steuer des Radladers muss aufpassen, dass er:
  1. Die Leute in der Schaufel nicht verliert
  2. Anhält, wenn die Leute vorne etwas entdeckt haben [und auch dabei wieder aufpassen, dass man die Personen nicht unfreiwillig absteigen lässt]
  3. Nicht allzu viele der Pflanzen auf dem Feld zerstört [die Felder sind schon besäht und die Pflanzen, Raps und Gerste, sind schon recht hoch]
Also sind wir bei sonnigem Wetter durch ein Gerstenfeld gefahren und haben nach nicht vorhandenen Steinen Ausschau gehalten. Zwischendurch haben wir uns mit dem Fahren immer abgewechselt. Im Moment ist die Arbeite nicht so schlimm und hat noch nicht allzu viel mit Steinen zu tun. Die einzigen Steine, die wir gefunden haben, waren ungefähr so groß wie ein Handball. Und wir waren tatsächlich etwas enttäuscht, dass kein wirklich Großer dabei war (das sollte sich in den nächsten Tagen aber auch noch ändern).


Um 5 hatten wir Schluss und wir konnten mit einem Auto von der Farm zu unserem Auto fahren. Wir haben erneut vergeblich versucht das Gefährt zu starten. Da wir ja selbst ernannte Mechaniker-Meister sind, haben wir kurzerhand geschlussfolgert, dass irgendwas mit der Benzinzufuhr nicht stimmen kann. Schlau wie wir sind, hatten wir schon in Perth einen neuen Benzinfilter gekauft. Den hat Nico jetzt eingebaut, aber auch mit neuem Benzinfilter hat sich an der Gesamtsituation nichts verändert. Jono hat heute auch schon bei einem Mechaniker im nächsten Ort angerufen und nachgefragt, ob er unser Auto abholen könnte. Ja könnte er, aber wahrscheinlich nur gegen Gebühr. Er hat uns dann die Nummer des Mechanikers in die Hand gedrückt und gemeint, dass wir bei ihm anrufen sollen.
Für die Fahrten zur und von der Unterkunft können wir erst einmal das Auto von der Farm nehmen. Der Firefighter (=Feuerkämpfer) ist ein etwas in die Jahre gekommener Toyota Landcruiser, bei dem alle unwichtigen Fahrzeugfunktionen nicht mehr funktionieren. Das heißt wir können fahren, wissen aber nicht wie schnell. Die vorderen Lichter funktionieren, nach hinten muss man ja eh nichts sehen. Aber immerhin springt das Auto an und fährt, das ist schon mal mehr als unsere Roose im Moment zu bieten hat.
Und weil die ganze Situation so noch nicht seltsam genug war, haben wir unterwegs auch noch einen fremden Mann mit einem riesigen Ford am Straßenrand aufgesammelt und angezogen.
Was wird er sich wohl gedacht haben, als wir auf seinen Satz „Ich bin mit meinem Auto liegengeblieben“ mit „Wir auch, dass hier ist nicht unser Auto“ geantwortet haben. Anscheinend war es ihm egal und er war einfach nur froh, als sein Auto endlich wieder angesprungen ist.
Er hat sich mit viel gehupe und lichthupen bedankt und ist davongebraust.
Spätestens jetzt wissen wir wieder, dass wir irgendwie doch in einer ziemlich verrückten Welt leben und sind zurück zur Unterkunft gefahren.

Nach unserem glorreichen Start am ersten Tag, hatten wir etwas Angst, was uns am 2. Tag wohl erwarten wird. Aber wieder erwarten sprang unser Ersatzwagen ohne Probleme an und hat uns einwandfrei zur Farm gebracht. Heute haben wir auch Unterstützung beim Rock Picking, Dave, ein Holländer, der schon seit 3 Monaten hier in der Region auf verschiedenen Farmen gearbeitet hat. Und die Unterstützung haben wir auch wirklich gebraucht. Auf dem neuen Feld liegen Steine, aber diesmal große und vor allem schwere Steine. Zu dritt ist das ganze aber auch machbar und die Arbeit macht trotzdem irgendwie Spaß. Den Großteil des Tages steht/sitz man vorne in der Schaufel und guckt. Und auch das Wetter macht wieder mit und so kommt es, dass über uns der strahlend blaue Himmel ist, unter uns das saftige Grün der neuen Pflanzen und wir zwischendrin, in Neon gelb [ein Hoch auf unsere Arbeitsjacken].
Um 5 ist der ganze Spaß dann zu Ende und wir kehren zum Ernst des Lebens zurück: unser Auto. Auch heute sind alle Versuche vergebens, so dass wir morgen den Mechaniker anrufen werden. Ob wir wollen oder nicht, das Auto muss noch einmal in die Werkstatt.

Voller Tatendrang haben wir beschlossen, auch am Samstag zu arbeiten. Dave hatte schon andere Pläne und so haben wir alleine gegen ein paar riesige Brocken gekämpft. Nico nennt die Stellen, an denen so viele Steine liegen immer „Nester“ in Wirklichkeit ist es nur ein Fels, der jedes Jahr in immer kleinere Brocken zerfällt. Wir kamen so einige male ins Schwitzen, als wir mal wieder auf eins der Stein-Nester gestoßen sind und recht gründlich alles vom Feld geschafft haben. Zwischendurch haben wir versucht den Mechaniker zu erreichen, aber anscheinend hat er keine neuen Aufträge nötig und muss samstags nicht ans Telefon gehen.
Kurz vor um 5 hieß es dann für uns Feierabend, denn eine riesige Wolkenwand schob sich unaufhaltsam immer näher auf uns zu und es war unübersehbar, dass sie einiges an Regen mit sich bringt. Also schnell zum Firefighter und zurück zur Unterkunft. Da morgen unser freier Tag ist, haben wir am Abend noch die Wäsche gewaschen, dass bis Montag alles schön trocknen kann.


Denn Sonntag haben wir dann ganz ausgiebig mit Nichts tun verbracht. Mehr war eh nicht möglich, da es den ganzen Tag geregnet hat. Wir haben versucht unser Problem  mit Roose mit Hilfe des Internets zu lösen. Nur irgendwie wird uns mit jeder Variante, was kaputt sein könnte noch viel mulmiger und wir beten, dass es nur eine kleine Lappalie ist.

Mal sehen, was die nächste Woche für uns bereithält.
[auf unserer Wunschliste steht natürlich an erster Stelle ein funktionierendes Auto, 
gefolgt von schönem Wetter und einfacher Arbeit]

Mittwoch, 16. Juli 2014

Zum Farmjob auf Umwegen

Am Samstagmorgen haben wir dann das Auto reisefertig gemacht und sind in Richtung Perth gestartet. Großeinkauf steht an. Die nächste Einkaufsmöglichkeit in der Nähe von Badgingarra [das ist der Ort wo wir als nächstes Arbeiten werden] ist 60 km entfernt und höchstwahrscheinlich klein und teuer. Also versuchen wir in Perth so viel wie möglich einzukaufen, um zumindest die ersten beiden Wochen ohne weitere Einkäufe zu überstehen.
Das Auto ist am Morgen ohne weitere Probleme angesprungen, also haben wir uns keine weiteren Gedanken über den kleinen Ausfall von gestern gemacht.
In Perth sind wir natürlich unserem geliebten Stadtteil Joondalup treu geblieben. Unser erster Weg führte uns zu dem Parkplatz eines großen Einkaufszentrums.
Nachdem der Motor aus war, wollte Nico nur noch einmal testen ob unsere Roose gleich wieder angeht. Einfach nur um uns selbst zu beruhigen.
Doch was dann folgte, hat uns keinesfalls beruhigt:
Der Motor dreht und dreht aber startet nicht. Bitte nicht! Das kann doch nicht wahr sein.
Ok, ruhig bleiben – dem Auto eine Pause gönnen und später noch einmal versuchen.
Die Technik funktionierte und wir sind direkt weitergefahren zu einem Autoteileladen. Auf der Liste stehen Zündkerzen und ein Benzinfilter. Wir vermuten, dass dort das Problem liegt.
Unsere restlichen Einkäufe haben wir auch noch hinter uns gebracht. Vor jedem Starten des Motors klopft uns das Herz bis zum Hals und dann ein erleichtertes aufatmen, wenn der Motor endlich zündet. Trotz allem haben wir beschlossen, wieder zurück zur Mandarinenfarm zu fahren und dort zu übernachten, um morgen weiter nach Badgingarra zu fahren. Dort können wir dann die Teile des Autos wechseln. 
Doch das Auto hat sich das alles anders gedacht.
Kurz vor der Mandarinenfarm wollten wir nur noch schnell tanken – mit abgeschalteten Motor versteht sich – riesengroßer Fehler. Natürlich springt unsere Roose nicht wieder an, warum auch, ist ja schon spät und das Auto anscheinend müde. Das deutliche Klopfen aus dem Motorraum hat die ganze Sache nicht besser gemacht.
Ok, warten hilft immer, also hieß es warten, dass der Motor abkühlt. Und tatsächlich, es war zwar ein harter Kampf, aber der Motor hat doch noch einmal für uns gestartet. 10 Meter weiter brachte uns dann die rot blinkende „check trans“-Leuchte endgültig zum Stehen. Transmission – oh nein, das kann nichts Gutes bedeuten und ein Blick ins Handbuch hat die ganze Vermutung bestätigt. Die Leuchte hat irgendetwas mit dem Getriebe zu tun.
Da das Auto nun endgültig aus eigener Kraft nicht mehr von der Stelle kommt, mussten wir neben der Tankstelle schlafen. So einige Leute haben angehalten und uns Hilfe angeboten, aber ohne laufenden Motor wollen wir das Auto nicht abschleppen. Die Gefahr, dass wir uns dabei den ganzen Motor zerstören ist einfach zu groß.

Am nächsten Morgen dann DIE ÜBERRASCHUNG: das Auto startet ohne Probleme.
Anstatt in Richtung der neuen Arbeitsstelle zu fahren, sind wir zurück nach Perth, um eine Werkstatt aufzusuchen. Einziges Problem: es ist Sonntag und damit alles geschlossen.
Wir standen schon auf dem Parkplatz der Werkstatt, als wir beschlossen haben, eine weitere Fahrt zum Strand zu riskieren. Einmal Duschen wird ja wohl noch drin sein. Und das war es tatsächlich, aber seit dieser Fahrt klappert es jetzt verdächtig im Motor. Also haben wir keine weiteren Fahrten gemacht und das Auto wieder vor einer Werkstatt abgestellt und gewartet.
Ein weiteres Problem musste auch noch gelöst werden. Eigentlich sollten wir heute bei der Farm ankommen. Also hieß es den Farmer anrufen und alles erklären. Er ist zum Glück verständnisvoll und will nur auf dem Laufenden gehalten werden. Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz vor der Werkstatt verbracht.
Endlich war es Morgen und die Werkstatt offen. Wir haben dem Mechaniker unser Problem erklärt und er hat sich die ganze Sache angesehen und –gehört. Er vermutet einen lockeren Zahnriemen, das wäre für uns auch die günstigste Variante, im schlimmsten Falle muss er das ganze Zahnriemen-Set wechseln. Mit dieser Nachricht hat er sich von uns verabschiedet und will uns anrufen wenn er fertig ist. Da wir nicht wussten wohin, haben wir den Tag in der Bibliothek verbracht. Halb fünf wurden wir schon etwas unruhig. Die Werkstatt hat bis um 5 auf und wir haben immer noch keine Nachricht von dem Mechaniker. Also sind wir zurückgegangen. Der Mechaniker meinte dann, dass das falsche Teil geliefert wurden ist und wir bis morgen warten müssen. Wir sollen uns eine Übernachtung suchen, denn in seiner Werkstatt dürfen wir nicht im Auto schlafen.

Hallo! Geht es noch?
Das sagt er uns abends um 5!!!

Und noch eine schlechte Nachricht, das ganze Zahnriemen-Set muss getauscht werden und allein das kostet schon 700$.
Wir haben uns das Nötigste aus dem Auto geschnappt uns sind los eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Aber wo sucht man da?
Verzweifelt haben wir in einer der Backpacker-Gruppen im Facebook einen Beitrag eingestellt. Und siehe da, wir haben einen Übernachtungsplatz gefunden, bei einer anderen Backpackerin, die noch ein freies Zimmer in ihrem Haus hat. Wir haben noch schnell 2 Sixpacks Bier geholt [glaubt mir, das ist hier keine billige Angelegenheit] und uns dann mit Bus und Bahn auf den Weg gemacht zu jemand vollkommen Fremden, aber das ist hier als Backpacker schon fast Alltag.
Es war schon dunkel, als wir an der Tür klopften. Wir wurden von Valeriane [eine Französin], ihrem australischen Freund Adam, Michael [ein weiterer Mitbewohner] und dem kleinen Welpen Luna herzlich empfangen. Nach einer kleinen Hausführung mussten wir unsere ganze Geschichte erzählen. Den Abend haben wir dann mit der lustigen Runde verbracht und nachdem wir uns mindestens tausendmal für die Rettung der Nacht bedankt haben sind wir ins Bett gefallen.
Am Dienstagmorgen haben wir dann erst einmal ausgeschlafen und sind dann wieder zur Bibliothek gereist um zu warten. Zumindest müssen wir uns diesmal keine Sorgen darum machen, dass wir einen Strafzettel für zu langes oder falsches Parken bekommen. Um 5 klingelte dann endlich das Telefon. Aber wieder hatte der Mechaniker nur schlechte Nachrichten für uns. Alle Teile sind gewechselt, aber Roose will weiterhin nicht anspringen. Also haben wir noch ein paar Sachen aus dem Auto geholt und haben noch einmal bei Val und Adam um Asyl gebeten. Sie waren so nett und haben uns auch noch einmal aufgenommen.
Da wir nicht wussten was wir machen sollen, haben wir die Gelegenheit genutzt und noch einmal ausgeschlafen. Nachdem wir uns von Val verabschiedet hatten sind wir zur nahegelegenen Bushaltestelle gelaufen. Unterwegs kam uns eine Dame entgegen und hat uns gefragt, ob wir ihren Hund gesehen haben, er ist beim Gassi gehen weggerannt. Wir konnten leider nicht helfen.
Als wir an der Haltestelle auf dem Bus gewartet haben, kam ein ziemlich großer und herrenloser Hund schwanzwedelnd auf uns zugelaufen. Nico hat ihn todesmutig am Halsband festgehalten und wir sind zurück in das Wohngebiet, wo wir die Frau getroffen hatten. Wir haben überall gefragt, ob jemand den Hund kennt oder die Frau gesehen hat. Aber diesmal konnte uns keiner helfen. Auf einmal hielt ein Auto neben uns und eine überglückliche Frau stieg aus und hat sich bedankt, dass wir ihren Hund gefunden haben. Seltsamerweise war das aber nicht die Frau, die wir vorher getroffen hatten. Verrückte Welt!
Jetzt hat das Karma aber war gut bei uns. Und tatsächlich, als wir im Bus saßen, rief der Mechaniker wieder an. Diesmal mit guten Nachrichten. Das Auto geht wieder – na endlich!
Also sind wir so schnell wie möglich zur Werkstatt.
1.300$ ärmer [700$ das Set, der Rest war Arbeitsleistung der Mechaniker hat sich mit !!!130$ die Stunde abgerechnet] konnten wir dann endlich losfahren nach Badgingarra. Jetzt brauchen wir den Job umso mehr, um unsere Konten wieder aufzufüllen.

Die ganzen 200 km bis zur Farm haben wir es uns nicht geraut das Auto auszumachen. Jono [wie sich rausstellte nicht der Farmchef, sondern ein Festangestellter] hat uns hier dann erleichtert in Empfang genommen und uns alles gezeigt. Auf circa 3200 ha werden hier Getreide angebaut und Schafe gehalten. Wir sind der Meinung, dass das riesig ist, aber für australische Verhältnisse ist das nur eine mittelgroße Farm.
Als nächstes hat Jono uns zur Unterkunft gebracht. Die ist leider 15km weit weg von der Farm. Darüber sind wir nicht wirklich erfreut, immerhin ist das zeit- und auch kostenaufwendig.

In der Unterkunft wohnen noch ein Holländer und ein Deutscher. Wir haben uns dort etwas eingerichtet und sind gespannt, was morgen auf uns wartet.

Freitag, 11. Juli 2014

3 vitaminreiche Wochen

Am Sonntag morgen ging es dann zur Mandarinenfarm. Der Manager hatte uns die Adresse gegeben, aber leider keine Hausnummer. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen 3 Mandarinenfarmen. Zum Schluss haben wir aber doch noch die Richtige erreicht.
Wir sind davon ausgegangen, dass wir uns erst einmal einrichten sollen und es am Montag mit der Arbeit losgeht. Weit gefehlt – kaum angekommen, wurden wir gefragt, ob es losgehen kann. Na klar! Also schnell in die Arbeitssachen geschlüpft und schon waren wir mittendrin in der Mandarinenernte.
Jeder hat eine Art Rucksack bekommen, den man unten öffnen kann, um die Mandarinen auszuladen. Man trägt den Sack vor dem Bauch und kann so relativ schnell ernten. Allerding ist das alles ziemlich schwer, wenn der Beutel langsam voller wird und geht ganz schön auf den Rücken [deshalb bevorzuge ich das Ernten mit einem Eimer]. Die Mandarinen müssen wir mit einer Schere vom Baum schneiden. Schwierigkeit dabei ist, dass man sich erst einmal zwischen all den Ästen und Blättern vorbeikämpfen muss.
Da es die Nacht zuvor geregnet hat, waren die Bäume dementsprechend nass, was die Arbeit nicht einfacher gemacht hat.


Wenn man dann seinen Beutel voll hat, lädt man alles in einen Bin (großer Korb, der ca. 400 kg Mandarinen fasst) aus. Wir haben an unserem ersten Tag 2 Bins geerntet und hoffen, dass wir noch schneller werden.
Das Auto können wir über Nacht in der Verarbeitungshalle (Shed) parken. Darin befindet sich auch die Unterkunft für die anderen Backpacker (4 Esten). Wir haben also ein Dach über dem Auto, Strom  und eine Dusche mit warmen, fließenden Wasser. Was braucht man mehr?
Das Wetter hat sich im Laufe der ersten Woche gut entwickelt und wir schwitzen inzwischen bei der Ernte, weil uns die Sonne auf den Rücken scheint. Unser „Pflück-Tempo“ können wir aber nicht wirklich wesentlich steigern und damit steht auch fest, dass wir hier nicht als reiche Leute vom Hof gehen werden. Aber Arbeit ist immer besser als keine Arbeit und unsere Gumtree-Anzeigen sind weiterhin aktiv, um uns unseren nächsten Job zu besorgen.
John (der Manager) hat uns inzwischen auch zugesagt, dass wir noch eine 2. Woche hier bleiben können. Das steigert unsere Laune deutlich. Mit den anderen Backpackern haben wir nicht wirklich viel zu tun. Da wir in unserem Auto schlafen trennen sich unsere Wege nach dem Pflücken. Und auch während der Arbeit hört jeder Musik oder unterhält sich in seiner eigenen Sprache.
Diese Woche hatten wir auch einmal die Chance, Orangen zu pflücken. Das wird zwar schlechter bezahlt, aber man kann einen Bin viel schneller füllen und so im Endeffekt sogar mehr verdienen, als bei der Mandarinenernte. Orangen müssen auch nicht geschnitten werden. Man kann sie einfach so vom Baum Pflücken. Die meisten sind eh schon so reif, dass sie bei der ersten Berührung runterfallen. Außerdem durfte ich auch bei der Sortierung und Verpackung der Orangen/Mandarinen mithelfen. Eine Maschine sortiert die Früchte automatisch nach Größe, man muss dann nur noch nach den unterschiedlichen Qualitäten sortieren.


Einige der Nächte waren ziemlich kalt und so wurden wir am Morgen von Reif und Kälte begrüßt. Da macht das Aufstehen noch viel weniger Spaß.
In der 2. Woche wurde das Wetter dann wieder etwas schlechter. Am Mittwoch hat es den ganzen Tag geregnet, so dass wir unfreiwillig einen Tag frei hatten. Viel machen konnten wir da aber auch nicht. Im Shed haben die Anderen weiter gearbeitet und so konnten wir nicht unter das schützende Dach fahren. Also waren wir im Auto gefangen und haben Filme und Serien geschaut.
Die nächsten Tage konnten wir morgens fast regenfrei pflücken und am Nachmittag hieß es dann für uns beide Arbeiten im Shed. Dabei werden wir im Übrigen per Stunde bezahlt und verdienen somit am meisten. Da wir in der 2. Woche so gut wie alle Mandarinen geerntet haben, ist unser Job hier eigentlich zu Ende. John hat aber auch noch eine private Plantage mit Orangenbäumen und so kommt es, dass wir auch noch eine 3. Woche hier verbringen werden.
Ab Woche 3 hieß es also Orangen.

Die Bäume von John´s Plantage tragen riesige Orangen und die Bins füllen sich sehr schnell. Allerdings sind wir nicht schnell genug, unser Stundenlohn liegt im Durchschnitt bei 15 $. Wenn man sich den ganzen Tag durch Orangenbäume wühlt, trifft man so einige seltsame Tiere.
Den 1. Platz im Ranking der „Am häufigsten im Baum gesichteten Tieren“ hat sich die Kakerlake in allen Größenvarianten erkämpft. Dicht gefolgt von Spinnen in jeglichen Formen, Farben und Größen auf Platz 2. Vereinzelt haben wir dann noch Vögel, Ameisen, eine Art Gottesanbeter [??] und andere undefinierbare Krabbeltierchen gesichtet.
Am Donnerstagabend haben wir dann eine E-Mail mit einem Jobangebot bekommen. Eine Farm ca. 100km weiter nördlich. Dort müssten wir – Achtung Trommelwirbel – Steine aufsammeln. Das kann sich ja zum Stöcke einsammeln nicht so unterscheiden – hoffentlich.
Am Freitag haben wir dann alles Dingfest gemacht - am Sonntag können wir zu unseren neuen Arbeitgeber fahren. Also hieß es auch: das letzte Mal Orangen pflücken.
Am Abend hatten wir dann einen Besucher im Shed. Ein Franzose, der vor einigen Jahren bei John gearbeitet hat. Er war von unserem Auto sehr begeistert und wir haben natürlich wahrheitsgemäß berichtet, dass wir noch nie Probleme mit unserer Roose hatten. Als wir dann das Auto ins Shed fahren wollten, ist es einfach ausgegangen und wollte auch partout nicht wieder angehen. Typischer Vorführeffekt. Da lobt man das Auto vor jemand Fremden und das Auto meint, dass es sich jetzt beweisen muss. Nach 5 Minuten Pause ging es dann auch wieder ohne Probleme an. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht.


 In unseren 3 Wochen Mandarinenfarm haben wir:
 definitiv jeden Tag genug Vitamine zu uns genommen.
Wir wissen, dass frisch vom Baum gepflückte Mandarinen viel besser als die aus dem Supermarkt schmecken.
Wir haben den verrücktesten Hund der Welt kennengelernt. Jackson hat keine Ruhe und ist nur am Rennen. Sobald er einen Vogel am Himmel sieht hält ihn nichts mehr und er saust einfach hinterher. Wir haben das erste Mal in Australien jemanden Scheiben kratzen sehen.
Wir wissen jetzt auch, dass nur weil der Traktor aussieht, als ob er keinen Zentimeter mehr fährt, das noch lange nicht so ist.


3 schöne Wochen gehen zu Ende und wir sind gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Samstag, 21. Juni 2014

Auf nach Bindoon

Da uns nichts weiter in Perth hält, haben wir beschlossen schon heute nach Bindoon zu fahren. Achso, Bindoon ist der Ort, wo die Mandarinenfarm ist.

Die Strecke war schnell gefahren und wir haben uns einen Überblick von dem kleinen Dorf gemacht. Viel gibt es hier nicht: eine vollkommen überteuerte Tankstelle, einen kleinen, ebenfalls vollkommen überteuerten Supermarkt, eine Hauptstraße, viele kleinen Häuschen und dann, naja nichts weiter.
Alle 5 Minuten kommen Oversize [Überlänge oder Überbreite] Trucks gefahren, die mit riesigen Maschinenteile, Container, Fahrzeuge und und und beladen sind. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, dass irgendwo ein neues Dorf errichtet wird; oder eine geheime Raketenbasis – kleiner Scherz.

Die Nacht werden wir auf einen kleinen kostenlosen Rastplatz in der Nähe verbringen, um dann morgen früh frisch und munter bei der Farm einzurücken.

Der Regen prasselt mal wieder auf das Dach und wir sind gespannt, was uns erwartet.
Eins ist sicher: Mandarinen.

Gute Nacht.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Das Abenteuer ruft

Nach einer erfrischenden Dusche am Morgen haben wir beschlossen, unsere Zeit nicht in Margaret River abzusitzen. Wir haben uns Cape Naturaliste angeschaut. Dort gibt es einen kleinen Rundweg, der zu einem Punkt führt, wo man Wale beobachten kann. Leider konnten wir keinen erspähen. Der Wanderweg führte uns weiter zu einer Stelle, die „the other side oft he moon“ [die andere Seite vom Mond] genannt wird. Hier hat der raue Meereswind der Landschaft ganz schön zugesetzt und alles wirkt karg und unfreundlich. Das Wetter hat diesen Eindruck noch verstärkt [es sieht auf den Bildern zwar schön aus, aber es ging eine deftige Briese und meistens war es bewölkt], aber immerhin regnet es  nicht.


Die Nacht haben wir auf einem Rastplatz zwischen Busselton und Bunbury verbracht.
Am Donnerstagmorgen wurden wir dann von einer Email überrascht. Mal wieder ein Jobangebot, dieses mal von jemanden, der uns vor 2 Wochen schon einmal angeschrieben hatte, uns aber nie geantwortet hat. Wir sollen doch bitte anrufen, wenn wir noch suchen. Weil wir die alten Mails mit der Nummer schon gelöscht hatten, haben wir per Email geantwortet und um einen Rückruf gebeten.
Mit neuer Hoffnung sind wir weiter Richtung Bunbury gefahren. Dort gab es am Strand ein leckeres Mittagessen. Und dann kam der Anruf von John. Er hat einen Job für uns 700 km über Perth im Nirgendwo auf einer Station (=riesengroße Farm). Das klingt doch mal gut. Wir haben dann noch ein paar Details besprochen und ausgemacht, dass wir bald dort anfangen werden. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie die 700 km hinter uns bringen.

Aber was soll`s – das Abenteuer ruft und so sind wir weitergefahren in Richtung Perth.
[dort wurden wir herzlich mit einem schönen Stau und Regen empfangen]


Nach 3 Wochen Fast Food Abstinenz haben wir ausgiebig bei Bürger King und McDonald diniert. Und 3-mal dürft ihr raten, wo wir geschlafen haben, natürlich wieder auf einem noch unbebauten Grundstück im Wohngebiet.
Achja, wir hatten heute noch eine 2. Überraschung. Die Jobagentur „AussiJobs“, von der ich euch schon öfters berichtet habe, möchte morgen mit uns ein Skype-Interview führen.
Wir sind gespannt, was wir dort noch für ein Angebot bekommen und werden uns dann für das hoffentlich bessere entscheiden.

Sonntag, 8. Juni 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche 2

Montag war ein Feiertag, keiner konnte uns so wirklich sagen, was für einer, aber das ist ja auch egal. Steve war so nett und hat uns den Vormittag frei gegeben.
Es war beinahe ein ruhiger Morgen – beinahe – wären da nicht die Neffen mit ihren verrückten Ideen.
Wir waren alle gerade fertig mit frühstücken, als sie in die Küche kamen und lachten.
Aufgepasst: 
Regel Nummer 1 – sicheren Platz in der Umgebung suchen!
Sie haben eine Herdplatte angemacht, irgendwas in einen Topf getan und sich dann alle die Ohren zugehalten. 
Ok, Regel Nummer 2 – es ihnen gleich tun! Also Finger in die Ohren.
Nico kam nichts ahnend aus unserem Zimmer in die Küche und stand vorm Herd. Ich hab ihn schnell am Rücken gepackt und ihm angedeutet, dass er Abstand halten und sich die Ohren zuhalten soll. Eine ganze Weile passierte nichts. Irgendwann wurden die Jungs unruhig. Keiner hat sich getraut zum Herd zu gehen. Doch auf einmal ein Knall und noch einer und noch einer. Alle fingen an in Deckung zu gehen. Also haben wir uns auch einen sicheren Platz gesucht.
Auf dem Herd krachte und knallte es immer noch. Irgendwann wurde es still und auf einmal fingen die Jungs wieder zu lachen an.
Nun wurden wir aufgeklärt. Es war mal wieder eine Hand voll Zündkapseln, die im Topf gelandet ist.
Die ganze Aktion hat einige Spuren in der Küche hinterlassen. Der Topfdeckel hat eine Beule, die Abzugshaube hat 3 Einschusslöcher und auch in der Decke ist ein Loch. Im Großen und Ganzen war es aber doch irgendwie ziemlich witzig.
Der Nachmittag war nicht so aufregend: es hieß wieder Stöcke einsammeln.

Am Dienstag mussten wir nur am Vormittag arbeiten; ja mal wieder Stöcke einsammeln. Nach dem Mittag ist Steve mit uns nach Margaret River gefahren. Wir haben die Agenturen abgeklappert, die Arbeiter für die Weingüter bereitstellen, und uns überall auf die Wartelisten für die kommende Saison (die sollte Mitte Juni beginnen) eingetragen. Danach haben wir noch ein Eis spendiert bekommen und sind dann wieder zurück zur Farm gefahren. Weil es erst um 4 war, mussten wir doch noch eine Stunde Arbeiten. Sean und Gio mussten Zäune bauen. Nico und ich durften diesmal an der Kreissäge arbeiten und Bretter auf Maß schneiden. Das haben wir zwar noch nie gemacht, aber Steve hat uns das zugetraut und uns einfach mit allem allein gelassen. Also haben wir das erste 4 Meter Brett mit einem wunderschönen Wellenschnitt versehen. Aber mit jedem Brett wurde es besser.

Inzwischen haben wir schon so etwas wie eine Routine. Jeden Morgen werden Stöcke aufgesammelt und am Nachmittag werden dann schöne Aufgaben gemacht. Wir durften heute Nachmittag weiter die Bretter zurechtsägen. Langsam haben wir den Dreh raus und es wird relativ gerade.

Heute haben wir wieder nur am Vormittag gearbeitet, denn am Nachmittag sind Sean und Gio zu einer Walbeobachtungstour gegangen. Uns war das zu teuer und so hatten wir den Nachmittag frei. Das Wetter ist diese Woche super und wir haben den Nachmittag am Fluss verbracht, geangelt, Nico war baden, ich hab fotografiert und zum Schluss haben uns Sam und Ben zum spielen entführt. Die beiden Jungs sind so klasse. Ben übt mit mir Vokabeln, indem er immer auf alles in der Umgebung zeigt und mich nach dem Namen fragt. Wenn ich etwas nicht weis, sagt er es mir. Wenn ich etwas falsch ausspreche, spricht er es mir richtig vor. Wenn ich es wieder falsch betone, dann sagt er, dass das in Ordnung ist, das ist mein Akzent.

Am Freitagmorgen ging es wie immer mit Stöcken einsammeln los. Und am Nachmittag kam dann wieder die schöne Aufgabe. Die Bretter, die wir am Mittwoch fertig geschnitten hatten mussten im nächsten Schritt auf die richtige Dicke zurechtgehobelt werden. Steve hat eine super Maschine, wo die Dicke eingestellt wird. Man schiebt die Bretter dann durch und alles was zu viel ist wird automatisch abgehobelt. So hobeln wir jetzt Millimeter für Millimeter von den Brettern ab. Eine recht eintönige Arbeit, aber immerhin besser als Stöcke aufsammeln. Zwischendurch hatten wir auch einen Besucher – Louis. Das ist der Hund von Steves Bruder. Er sieht ziemlich gefährlich aus, ist er aber nicht. Er ist ein riesiger verschmuster Knuddel-Sabber-Hund.

Diesen Samstag haben wir den ganzen Tag gearbeitet, dafür können wir Montag frei haben. Am Montag soll es regnen und deswegen hat Steve uns diesen Tausch angeboten. Also hieß es am Morgen wieder Stöcke aufsammeln und am Nachmittag ging es an die schönen Aufgaben. Nico und Gio durften Traktor fahren. Sean macht an den Zäunen weiter. Ich bin mit einem Quad durch eine der Weiden gefahren und hab wieder Unkrautgift versprüht.
Am Nachmittag hatten wir wieder 2 Jobangebote von Farmen bekommen. Eines davon ist leider 1700 km weit weg und kommt daher nicht in Frage. Auf eine Antwort des anderen Farmers warten wir noch.

Sonntag hieß es dann wieder ausschlafen. Also fast. Das Kälbchen will ja auch gefüttert werden. Da es noch nicht geregnet hat, konnten Gio und Nico mit den Traktoren weiterarbeiten und die bereits gesäuberten Reihen düngen, auflockern und zum Schluss den Samen aussähen.
Am Nachmittag ging es für uns alle dann nach Margaret River einkaufen, denn die Reserven neigen sich langsam dem Ende.

Das Kälbchen hat diese Woche auch viele Fortschritte gemacht [das klingt als würde ich von unserem Kind erzählen :-D]. Es hat gelernt, wie man aus einem Eimer trinkt. Das klingt erst einmal einfach, war es aber nicht. Ich glaube, dass das kleine Ding nicht wirklich sehr schlau ist und das macht alles nicht wirklich einfacher. Aber nach 4 Tagen hat es sich daran gewöhnt, seinen Dickschädel in den Eimer zu stecken, um zu trinken. Aus dem Trog will es immer noch nicht alleine trinken aber das bekommen wir auch noch hin. Wenn es aus dem Trog trinken soll, muss immer einer von uns den kleinen Calvin (so haben wir das Kälbchen getauft) mit seinen Fingern etwas Starthilfe geben. Da er aber langsam Zähne bekommt, werden wir das nicht mehr so lange machen können. Ach ja, Calvin ist jetzt auch aus dem dunklen Stall ausgezogen und wohnt jetzt auf einer kleinen Weide unter freiem Himmel.