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Samstag, 22. November 2014

Arbeit, arbeit, arbeit...

Heute musste ich mit erschrecken feststellen, dass ich meinen Blogbeitrag über die erste Arbeitswoche noch gar nicht online gestellt habe. Das wollte ich eigentlich schon vor 7 Wochen machen – uups.

Aber ich hab eine sehr gute Ausrede: wir waren beschäftigt, sehr beschäftigt.
Wir haben in den letzten Wochen den Australiern auf Arbeit mal gezeigt, was die Deutschen so können.

Unsere eigentliche Aufgabe, das Streichen der Kranteile haben wir genau 9 Tage lang gemacht. Dann hieß es, dass wir ein „paar“ Tage dabei helfen sollen, ein Fundament für eine neue Fertigungshalle vorzubereiten. Aus ein „paar Tagen“ wurden letztendlich 45 Tage und aus „einem Fundament“ wurde alle Arbeiten und Aufgaben rund um den kompletten Neubau der Halle.

Dabei haben wir so einiges gelernt, reichlich geflucht, deutsche Ingenieurskunst bewiesen und insbesondere ich habe allen männlichen Mitarbeitern gezeigt, wo der Hammer hängt.
Nach 9 Wochen „Bauarbeiter-Leben“ können wir auf unserer Erfahrungsliste wieder so einiges Abhaken. Wir durften beide Bobcat fahren, wissen wie man ein Fundament in jeglichen Formen, Größen und Dicken vorbereitet und gießt, ich habe gelernt mit einen dieser abgefahrenen Laser-Messgeräten zu arbeiten und direkt mal die Punkte für die neuen Hallenwände vermessen dürfen und mein absolutes Oberhighlight der letzten 9 Wochen: Linda durfte Bagger fahren.
Das Wetter hat sich auch schon langsam auf den kommenden Sommer eingestimmt und an so manchen Tagen haben wir bei 35°C geschwitzt und vergeblich nach einem kleinen Wölkchen am Himmel gesucht.
Ich könnte jetzt noch weiter über die Arbeit ausschweifen, aber das würde jeglichen Rahmen sprengen. 



Unsere alte Unterkunft haben wir vor 3 Wochen endlich gewechselt und leben jetzt in einem schicken Haus ganz in der Nähe unserer Arbeitsstelle. Unser Mitbewohner/Vermieter ist ein etwas seltsamer Typ, aber das stört uns nicht weiter.  Wir sind einfach nur froh, die Bruchbude, in der wir es erstaunlicherweise fast 2 Monate ausgehalten haben, hinter uns lassen zu können.
Jetzt haben wir sogar unser eigenes Bad, eine für Perth unglaublich günstige Miete und am Wochenende verwöhnt uns unser Mitbewohner mit leckerem Essen.
Hallo Glück, hier bist du ja endlich wieder.

Ihr fragt euch sicher alle, was ist mit der guten „Roose“?
Eine lange Geschichte – hier die Kurzfassung für euch:
Während der ganzen letzten Wochen haben wir weiterhin versucht, das gute Stück irgendwie an den Mann zu bekommen – vergeblich. Dann kam mir der rettende Einfall. Als wir von Port Hedland zurück nach Perth gefahren sind hatten wir einen Interessenten, der das Auto auf Grund des Preises nicht wollte. Da wir inzwischen den Preis auf 1000$ gesenkt hatten, haben wir ihn einfach noch einmal angeschrieben und siehe da, innerhalb von nur einen Tag hatten wir unseren fahrbaren Untersatz los. Und so kam es, dass wir die letzte Woche auf Arbeit geradelt sind. Die Fahrräder hatten wir bereits 2 Wochen vorher günstig auf einen Wochenend-Trödelmarkt ergattert.

Heute war unser letzter Arbeitstag. Da Samstag nicht alle unserer Kollegen[inzwischen Freunde] arbeiten, haben wir bereits gestern eine Abschiedsrunde geschmissen.
Jetzt müssen wir nur noch die letzten Vorbereitungen treffen, für unsere kommende Reise.  Und am Dienstag den 25.11.2014 geht es für uns als echte „Backpacker“ mit Rucksack weiter in das nächste Abenteuer – Bali.

Bis dahin heißt es aber noch so einiges an Zeug aussortieren und wegschmeißen, den Rucksack packen und abwiegen.

So, ich hoffe, dass das erst einmal Update genug war und ich lasse bald wieder von uns hören – versprochen.

Sonntag, 28. September 2014

1. Arbeitswoche

Pünktlich 7:30 stehen wir an unserem ersten Tag im Büro und warten auf unseren Supervisor. Nach einer kurzen Einweisung und Belehrung, die sogenannte "site induction" [Baustellen Einweisung] geht es auch schon los - oder auch nicht. 
Unser Supervisor bringt uns einmal quer über das Gelände. Irgendwann findet er dann diejenige Person, die er sucht. Lorenzo, ein Backpacker aus Belgien, mit dem wir in Zukunft gemeinsam arbeiten werden. 


Vor uns stehen riesige Teile der gelben Baukräne, die wir in den kommenden Wochen rosa/lila malen sollen. Die Teile müssen allerdings noch bewegt werden, da wir sie in der aktuellen Position nicht streichen können. 


Und so starten wir in eine für australische Baustellen typische Aktivität: warten. Die Kunst dabei ist es, beschäftigt auszusehen. Also zeigt uns Lorenzo schon einmal wo wir das ganze Malerequipmemt finden können. 
Nach einer Stunde werden wir endlich beschäftigt. Auf dem neuen Parkplatz müssen die Begrenzungslinien der Parkbuchten gezogen werden. Mit Hilfe einer riesigen Schablone legen wir los, sitzen auf dem warmen Betonboden und malen gelbe Linien.

In der Frühstückspause lernen wir viele neue Personen kennen und wir sind nicht einmal ansatzweise in der Lage uns alle Namen, geschweige denn die Herkunftsländer und Geschichten von jedem zu merken.

Nachdem wir uns den ganzen Vormittag mit den gelben Linien für die Parkplätze beschäftigt haben, gehen wir nach dem Mittag endlich zu unserer eigentlichen Aufgabe über.
Also stehen wir da zu Dritt an einem Kranteil und schmirgeln fröhlich mit Sandpapier die Rostflecken weg - per Hand wohl gemerkt, so wird das ewig dauern, aber das ist uns ja egal, wir sind über jede Woche froh, die wir arbeiten können.
Nachdem wir uns die Finger wund gerieben haben, mussten wir auf die betroffenen Stellen noch Rostschutzfarbe auftragen und dann war der erste Tag auch schon wieder um. 
Am Abend haben wir nur noch schnell das Essen für den nächsten Tag vorbereitet und sind dann ins Bett gefallen.


Die nächsten Tage der Woche liefen genau so ab. Um 6 [unser neuer Arbeitsbeginn] stehen wir am Teil und schleifen und pinseln, was das Zeug hält. 9:30 geht es in die erste Pause und wir können uns auch nach einer Woche noch nicht alle Namen merken. Pünktlich 13:30 gehen wir dann zur Mittagspause und danach arbeiten wir weiter bis um 6.
Inzwischen haben wir auch noch Verstärkung in unserem Team bekommen, ein Franzose namens Damien, der sich die ganze Zeit mit dem Belgier nur auf französisch unterhält.
Auch das lästige schleifen mit dem Sandpapier haben wir inzwischen durch das Abschleifen mit einem Winkelschleifer ersetzt und sind damit wesentlich schneller und effektiver.


Die Kranteile werden immer von 2 Seiten gleichzeitig bearbeitet und wenn diese dann rosa/lila sind, wird das Teil gedreht und wir können die anderen Seiten malen. Das Drehen der Teile ist jedes Mal ein Highlight. Ein einäugige Gabelstaplerfahrer kommt in einem riesigen Gabelstapler und geht ans Werk. 

Am Samstag durften wir dann in aller Eile ein Sonderteil für eines der Gebäude streichen, das gerade gebaut wird. Die Schweißer kamen ganz schön ins Schwitzen, als wir am einen Ende schon anfingen zu malen, während das andere Ende noch fertig geschweißt werden musste. Aber am Ende des (für uns nur halben) Tages war das Teil fertig und am Montag werden wir noch die 2 Schicht Farbe auftragen. Wir waren auch froh, dass wir den Samstag streichend in der großen Fertigungshalle verbringen durften, denn draußen hat es geschüttet wie aus Eimern.
Die Tage zuvor hatten wir wunderschönsten Sonnenschein und traumhaft klaren Himmel.

Am Samstag habe ich dann auch endlich meinen Brief mit der White Card bekommen. Der lag bei Phill und war natürlich schon geöffnet. Er hatte die Ausrede, dass er den Name nicht kannte und schauen wollte, ob es etwas wichtiges ist. 
Mir egal -  endlich hab ich das kleine weise Stück Plastik, mit dem auch ich jetzt offiziell auf australischen Baustellen arbeiten darf.
Am Samstagnachmittag haben wir uns noch ein paar Arbeitssachen besorgt, so dass wir nicht die ganze Woche in nur einem Shirt rumlaufen müssen. 

Fertig von der Woche sind wir abends einfach ins Bett gefallen und eingeschlafen [sicherheitshalber mit Ohropax im Ohr, denn das Haus ist leider Gottes recht hellhörig].

Der Sonntagmorgen begrüßt uns wieder mit Regen und wir beschließen unsere Shoppingtour von gestern fortzusetzen. Auf der Wunschliste steht eine selbstaufblasende Matratze. 

Nächste Woche kommt der erste Gehaltscheck und wir sind schon gespannt, was darauf steht.

Zur Info:

Wir arbeiten auf dem Firmengelände einer Baufirma, die in Perth neue Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet. Die Betondecken und -wände für die Gebäude werden hier auf dem Gelände in einer riesigen Halle gefertigt. Auch alle anderen für die Baustelle nötigen Materialien, wie Gerüste, Bagger, Kräne etc., werden hier gelagert.

Sonntag, 21. September 2014

Was bisher geschah ... Rückblick vom 12. September – 21. September

In den letzten Tagen hat sich so einiges getan. 

Viele der Sachen aus dem Auto haben wir inzwischen verkauft und so langsam lichtet sich das Chaos in und um unser Zimmer. 

Der Interessent für Roose hat eine Probefahrt unternommen, aber einen Tag später leider abgesagt. Also sind wir weiterhin auf der Suche nach einem Käufer. Ein Autoteileverwerter hat sich das Auto auch einmal angeschaut und eine Probefahrt gemacht. Er ist der Meinung, dass das Auto viel zu gut ist, um es zu verschrotten. Roose ist und bleibt unser Sorgenkind im Moment. 

Inzwischen sind auch unsere Rucksäcke wieder gepackt. Wir haben natürlich noch viel zu viel und bevor es weitergeht müssen wir noch einmal aussortieren, aber das Gröbste ist erledigt und wir freunden uns langsam wieder mit dem Gedanken an, ohne fahrbaren Untersatz zu Reisen.
In Vorbereitung darauf haben wir Schlafsäcke und selbst aufblasende Matratzen gekauft.

Einwas schieben wir weiterhin vor uns her: die Steuererklärung. 
Wir waren zwar in der Behörde und haben uns die Vordrucke geholt, aber so richtig können wir uns noch nicht überwinden, das Ganze anzugehen. Zu viele Fragen sind noch ungeklärt und immerhin geht es um einiges an Geld, was wir im Idealfall zurückerstattet bekommen und im schlimmsten Falle nachzahlen müssten. Aber wir haben noch bis Ende Oktober Zeit das zu erledigen. 

Wir haben uns auch weiter nach Arbeit umgefragt und dabei stoßen wir immer wieder auf die selbe Firma: "Construct". Das ist die Arbeitsvermittlung, die uns auch schon Andi empfohlen hatte. Also habe ich noch meine "White Card" gemacht, dass ich berechtigt bin, auf einer Baustelle zu arbeiten und im Anschluss haben wir uns dort beworben. 
Endlich spielt das Glück mal für uns und direkt am selben Tag erhalten wir noch einen Anruf. 
Es wird tatsächlich gerade nach einem Pärchen gesucht. 
Am Freitagmorgen trafen wir unseren Betreuer zu einem Vorstellungsgespräch. Wir haben alle Formulare ausgefüllt und einige Fragen beantwortet und schon am nächsten Montag können wir starten. Wir wissen nur, dass wir irgendetwas streichen müssen. Das klingt nach einer schönen und vor allem einfachen Aufgabe. 

Also heißt es am Wochenende "Shopping". Arbeitsschuhe müssen her, nach Möglichkeit günstig und vor allem in meiner Größe. Es gibt nur einen Laden, der diese Kriterien erfüllt und Stahlkappenschuhe [die sind bei unseren neuen Arbeit Pflicht] in der passenden Größe und Preislage anbietet. Nebenbei schoppen wir noch ein paar andere Klamotten, dass obwohl die Rucksäcke eigentlich schon übervoll sind. Besser haben als brauchen - da ist es wieder. 

Natürlich haben wir auch versucht in der Nähe der neuen Stelle eine Unterkunft zu finden, aber das scheint irgendwie unmöglich. Wir haben so gut wie alle Anzeigen im Umkreis von 5 Kilometern in der Region angeschrieben. Aber nicht mal ¼ der Angeschriebenen antwortet. Diejenigen, die antworten wollen meistens nicht an Pärchen vermieten oder sind eindeutig über unserem Preislimit. 
Also beschließen wir vorerst in unserer billigen, wenn auch nicht schönen Unterkunft zu bleiben. 
Da das Auto noch fährt ist das im Moment kein Problem.  
Wir halten aber weiter die Augen offen, da wir Roose auf jeden Fall verkaufen wollen.

Morgen ist unser erster Arbeitstag und wir sind gespannt, was uns diesmal erwartet.

Leider habe ich diesmal keine Bilder für euch.
Im Moment gibt es aber nicht wirklich etwas, was es wert wäre fotografiert zu werden. 
Mal sehen, ob ich das nächste mal was für euch habe.

Freitag, 22. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche VI

Die letzte Woche entpuppte sich als echte Farmwoche. 


Am Montag durfte ich mit John Zaun bauen, also eigentlich stand ich daneben während John Zaun gebaut hat. In der Zwischenzeit hat Nico eine Gruppe alte Schafböcke zur Weide getrieben. Da diese doch schon recht träge waren, hat das einiges an Zeit in Anspruch genommen. Anschließend haben wir in Johns Garten einen neuen Graben für die Bewässerungsanlage gegraben und durften, weil wir so schnell waren eher gehen. 
Wir haben auch erfahren, dass Mittwoch unser letzter Tag ist. Und irgendwie freuen wir uns ziemlich darüber, denn das heißt, wir können endlich wieder reisen.


Am Dienstag wurde es dann ernst. John hat uns 1.200 Schafe eintreiben lassen, einzige Hilfsmittel waren ein Quad und ein Motorrad. Also Helm auf und rein ins Vergnügen. 

Ziel war es, die Schafe bis um 1 in ein Gatter zu bringen, wo diese dann von einem Mann begutachtet werden sollten, der die Tiere kaufen will. John wollte es uns etwas einfacher machen und hat uns vorgeschlagen die Schafe zuerst auf eine Weide zu treiben und dann in das kleinere Gatter. 

Also haben wir zuerst auf einer riesigen Weide alle Schafe zu einer großen Gruppe zusammengetrieben und diese dann bis zur kleineren Weide geschafft. Die ganze Aktion lief wider erwarten recht reibungslos ab. Danach hieß es die Herde in das kleine Gatter zu treiben, aber die Schafe hatten keine Lust, von der großen offenen grünen Fläche in das kleine unbewachsene enge Gatter zu gehen. Irgendwann haben wir es geschafft eine kleinere Gruppe in das Gatter zu pferchen, aber das hat den Rest der Herde nicht wirklich interessiert. Kurz vor um 1 kam John uns dann mit Fly (das ist ein Hund) zu Hilfe und siehe da, der kleine haarige Vierbeiner hat den weißen Wollknäulen doch Angst eingejagt und kurze Zeit später konnten wir die Gattertore zu machen. 
Nachdem der Ankäufer da war, wurden die bereits geschorenen Schafe von John geimpft und mit einem Mittel gegen Flöhe und Läuse eingesprüht. Ich hatte dann das Vergnügen die circa 300 Schafe zu ihrer neuen Weide zu bringen. Da die Gruppe wahrscheinlich heilfroh war wieder aus dem Gatter rauszukommen, waren alle recht kooperativ und sind fast von alleine zur neuen Weide gelaufen.
Die ungeschorenen Schafe wurden ins Schärshed gebracht und mussten die Nacht dort verbringen.


Als wir am Mittwochmorgen am Shed ankamen, waren die Schärer schon voll im Gange. 4 kräftige Männer hatten jeder ein Schaf zwischen den Beinen klemmen und geschärt was das Zeug hielt. Alle 2 Minuten war eine neues Schaf nackig. 

Heute mussten wir uns um die bereits geschorenen Schafe kümmern. Nico hat das Ungezieferspray übernommen und ich konnte einen lang gehegten Kindheitstraum erfüllen und durfte mich einen Tag lang wie ein Tierarzt fühlen. Ich musste die Schafe impfen, ich weis zwar nicht gegen was, aber das war mir auch egal. Mit Spritze und Impfstoff bewaffnet hat John mich nach einer kurzen Einweisung auf die Schafe losgelassen. Was für mich die Erfüllung eines Traumes war, war für Nico der wahr gewordenen Alptraum. Seine Freundin springt neben ihm mit einer Spritze rum und injiziert ein Mittel auf dem dick und fett POISON (=Gift) steht. Er hat den ganzen Tag einen ziemlich großen Bogen um mich gemacht, wenn ich die Spritze in der Hand hatte. 


Ihr werdet euch sicher fragen, wie wir es bewerkstelligt haben die ganzen Schafe zu behandeln, ohne eins zu vergessen. 
Im Gatter gibt es einen kleinen Gang, der breit genug ist, dass sich ein Schaf darin umdrehen kann. In diesen Gang haben wir immer so viele Schafe wie möglich getrieben. So konnten wir kleine Gruppen erledigen und die Schafe konnten nicht wegrennen. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht versucht hätten und ab und zu hatten wir ein ziemlich unübersichtliches Knäuel aus Köpfen, Körpern und Beinen. 
Aber ich denke wir haben das ganze mit Bravour gemeistert und John war ziemlich zufrieden mit uns. Zum Abschluss des Tages mussten wir nur noch die Schafe wieder zurück zur alten Weide bringen. 
Achso, habe ich schon erwähnt, dass heute doch nicht unser letzter Tag ist?


Der Donnerstag war frei, weil viel regen angesagt war und John eine Geschaftstreffen in Perth hatte. Also haben wir die Zeit genutzt und das Auto sauber gemacht und die ersten Dinge aufzuräumen. Der angesagte Regen hat sich übrigens, bis auf einen kleinen Schauer am Morgen, nicht blicken lassen.

Und dann war auch schon endlich Freitag - der letzter Tag auf der Farm. 
Zum Abschluss durften wir mal wieder Schafe treiben. Diesmal mussten wir 1.100 Schafe einmal quer über die Farm bringen, inklusive  Hauptstraßenüberquerung [man muss allerdings dazu sagen, dass auf der Straße vielleicht ein Auto pro Stunde fährt]. Alles Leif prima, bis die Schafe die Wahl zwischen 3 Wegen hatten und anstatt wie gewünscht nach rechts zu laufen, sind einfach alle stehen geblieben. Nach vielen Gerufen und Geschreie, Heys, Hos und einigen Neandertal-ähnlichen Lauten konnten wir die Gruppe aber doch dazu bewegen den von uns gewünschten Weg zu nehmen. Wir waren heilfroh als die Gruppe endlich auf der neuen Weide war. 

Am Nachmittag durfte ich mich damit vergnügen, das Holz um Johns Pool mit einem Öl einzureiben und Nico hatte die Aufgabe mit dem Quad um die Felder Unkrautgift zu sprühen.

Kurz nach halb 4 waren wir fertig und John kam, um uns unsere Tage zu unterzeichnen. Außerdem hat er uns noch auf der Karte sehenswerte Orte gezeigt. Das hätten wir von dem doch recht konversationsunfähigen John gar nicht erwartet.

Dann hieß es von allen Abschied nehmen und als letzte Amtshandlung auf der Farm haben wir noch unsere Zündkerzen gewechselt. So eine gut ausgestattete Werkstatt werden wir wohl kostenlos nicht mehr so schnell zur Verfügung haben. Der Austausch lief ganz gut und die gute Roose ist hinterher ohne Probleme angesprungen und lief super. Also alles richtig gemacht.



Nach 6 ereignisreichen Wochen lassen wir das australische Farmleben hinter uns. 
Jedem dem sich die Chance bietet, dass einmal selbst zu erleben raten wir: tut es! 

Auch wenn nicht alles so war, wie wir es uns vorgestellt haben, war es doch mit eine der besten und erfahrungsreichsten Zeit hier in Australien.

Sonntag, 17. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche V

Wow, jetzt starten wir schon Woche 5. 
So lange haben wir noch nie irgendwo am Stück gearbeitet, aber irgendwie kann man das ja hier auch nicht als 5 Wochen am Stück bezeichnen, wenn man alle paar Tage auf eine andere Farm geschickt wird.
Aber egal, Hauptsache wir bekommen unsere 88 Tage voll – wir sind schon nah dran.

Der Montag begann für mich wie der Freitag aufgehört hat, mit Unkraut jäten. Die Fenster, die ich letzte Woche schon von außen geputzt hatte, waren jetzt von innen dran. Und ich durfte die Vorratskammer entstauben und aufräumen.
Nico hatte mehr Glück und durfte der eigentlichen Aufgabe nachgehen: Bäume pflanzen. Er ist mit dem anderen Mitarbeiter der Farm über ein freies Stück lang gelaufen und hat ungefähr alle 2 Meter einen kleinen Baum in die Erde gesetzt. Als Hilfsmittel hatten die Beiden Baumpflanzrohre (?? ich habe keine Ahnung wie ich es sonst bezeichnen soll). Das Rohr hatte unten so etwas wie einen kleinen Mund, der sich öffnen konnte, so hatte man ein kleines Loch im Boden. Oben am Rohr hat man den Setzling reingesteckt, der dann durch das Rohr in das bereits vorhandene Loch gefallen ist. So konnte man sich das Bücken und das Löscher graben sparen. Ich weiß, dass ich das jetzt nicht sonderlich gut erklärt habe, aber ich habe das Teil auch nicht benutz und schreibe nur nieder, was Nico mir gesagt hat und wie ich es mir vorstelle.


Ich wurde am Dienstag als Mädchen für Alles im Haus eingesetzt, während Nico wieder Bäume pflanzen durfte. Eigentlich muss man sagen Büsche pflanzen, denn, wie Nico in Erfahrung bringen konnte, wird der „Old Men Salt Bush“ (=alter Mann Salzbusch) gepflanzt.
Diesmal musste er aber nicht über das Feld laufen, sondern saß in einer Pflanzmaschine, die von einem Traktor gezogen wurde. Diese hat einfach nur eine Rinne in den Boden gegraben, in die auch wieder alle 2 Meter ein Setzling gesetzt werden musste und das war Nico´s Aufgabe. Hinterher mussten die Beiden kontrollieren, ob alle Pflanzen ordentlich und gerade im Boden waren. Das hieß alle Pflanzreihen entlanglaufen und schiefstehende Pflanzen begradigen und um jeden Setzling den Boden festtreten.
Wir haben heute auch erfahren, dass wir morgen zurück auf John´s Farm sollen.

Deshalb mussten wir am  Mittwoch auch nur einen halben Tag arbeiten. Diesmal durfte ich sogar mit Bäume pflanzen – yeehaa. Ich hatte die „hinter der Maschine herlaufen, alles gerade richten und festtrampeln“-Aufgabe gewählt. Nico saß wieder im Anhänger und der Angestellte der Farm ist den Traktor gefahren. Irgendwann war dann auch der letzte Setzling im Boden und wir konnten zu unserer Lieblingsaufgabe „Autoeinräumen“ übergehen. Am Nachmittag sind wir zurück zur alten Unterkunft gefahren und haben uns dort wieder eingerichtet. Die Anderen dort haben verwundert geguckt, als wir wieder da waren. Aber langsam sollten sie ja wissen, dass wir nicht so lange weg sind.

Den Donnerstag haben wir damit verbracht, die beiden Sheds, in denen der Dünger gelagert wurde zu reinigen.  Also gingen wir mit Besen, Schaufel, Hochdruckreiniger und Staubmasken bewaffnet ans Werk. Nach der Grundreinigung sollten wir noch die Stahlträger mit frischer Rostschutzfarbe bepinseln und dann hieß es Feierabend für uns. Diesen Tag konnten wir sogar als echte Farmarbeit abstempeln.


Das konnte man vom Freitag allerdings nicht behaupten. 
Am Vormittag haben wir der  monströsen Barbecue und Grill Station von John einen neuen Anstrich verpasst. Am Nachmittag haben wir uns mit am Aufbau einer Fleischsäge versucht. Ja, da steht wirklich Fleischsäge, ich habe mich nicht verschrieben. Aber erst noch ein paar Worte zum Aufbau. Auf dem Bild sah die ganze Gerätschaft recht ansprechend aus, aber schon nach den ersten zusammengeschraubten Teilen fiel uns auf, dass wir es ganz sicher  nicht mit einem qualitativ hochwertigen Produkt zu tun haben. Sämtliche Bilder der Aufbauanleitung zeigten andere Bauteile als wir tatsächlich aus dem Karton holten. Bei der Montage des Motors, haben wir 3-mal geschaut, wie und wo dieser zu befestigen ist, aber nachdem wir den ganzen Rest mühsam zusammengeschraubt hatten und den Keilriemen einsetzte wollten, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass der Motor doch anders, als in der Anleitung gezeigt, montiert werden muss. Also so gut wie alles wieder locker schrauben und das Ganze noch einmal umdrehen. John hält uns spätestens jetzt sicherlich für vollkommen unfähig etwas Aufzubauen.
Irgendwann standen wir dann aber vor der fertigen Fleischsäge und waren etwas skeptisch, ob sie den ersten Einsatz übersteht.
Wie es nun mal so ist, musste John sein neues Spielzeig direkt im Anschluss ausprobieren. Also wurde aus dem Kühlraum schnell ein, wahrscheinlich nur für diesen Moment, bereits geschlachtetes Schaf geholt und fachmännisch mit der Fleischsäge zersägt. Eine Sauerei vom feinsten.
1 ½ Stunden und 2 zersägte Schafe später konnten wir endlich nach Hause gehen.

Am Wochenende hieß es selbstverständlich Wäsche waschen und hoffen, dass der Schafgeruch dadurch verschwindet.
Mehr lag aber auch nicht an und wir haben einfach nur entspannt und die Sonne genossen.
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So langsam machen wir uns auch Gedanken über unser altes/neues Leben in Deutschland. Wie soll es dort weitergehen und vor allem wann. Wir durchstöbern fleißig Flugseiten und können uns nicht wirklich entscheiden, wann wir in die alte Heimat fliegen und ganz wichtig über welche Strecke.
Auch um unsere zukünftige Karriere machen wir uns einen Kopf. Weiter machen wie bisher? Im Moment irgendwie nicht vorstellbar, zu schön ist das freie Leben auf der australischen Farm. Ganz unbeschwert und sehen was der Tag so bereithält. Irgendwie können wir es uns nicht ausmalen, wie es ist, wieder in Deutschland zu sein, wo 100km schon weit weg sind und wir wahrscheinlich keine Abenteuer „on the road“ erleben werden [außer ein Wildschwein kreuzt mal wieder meinen Weg, aber das hoffe ich doch nicht!].
Alles ist in unserem Kopf noch so weit in der Ferne aber doch rückt es unaufhaltsam näher.

Sind wir nicht gestern erst gelandet.
Wo ist die Zeit hin? 

Sonntag, 10. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche IV

Unser Hoffen und Beten auf echte Farmarbeit war für umsonst. 

Am Montag durften wir die Rosen und alle anderen Büsche in John´s Garten beschneiden. Da wir das noch nie gemacht haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass hier so schnell keine Rosen mehr blühen werden. Ich hab radikal mit der Schere angesetzt und geschnitten wie ein Weltmeister. Jetzt sieht der ganze Garten ziemlich kahl aus, aber Emily [John´s Frau] ist begeistert von unserer Arbeit.

Auch der Dienstag hielt nichts Aufregendes für uns bereit. Nico musste um alle Scheunen Unkrautgift sprühen, die mögen hier kein Grünzeug um ihre Sheds. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, im Wohnzimmer das Regal sauber zu machen und alles zu entstauben. Danach bekam noch die Abstellkammer eine gründliche Reinigung. Aber irgendwann war auch dieser Tag vorbei und wir waren froh wieder in der Unterkunft zu sein.

Am Mittwoch durfte ich dann im Büro helfen. Nein, nichts Großes. Unter im Büro helfen verstand Emily alle Schubladen auswischen und alles ordentlich wieder einräumen. Anschließend durfte ich die aktuellen Rechnungen alphabetisch sortieren. Immerhin hat mir das Verbrennen der alten Unterlagen aus Vorjahren ziemlich Spaß gemacht. Dann kam zum Abschluss noch eine absolute Hass-Aufgabe. Ich durfte die gesamte Bettwäsche, die irgendwie in den Schrank gestopft war ordentlich zusammenlegen. Ich hasse es, Spannbettlaken zusammen zu legen. Aber was tut man nicht alles für Geld.
John mag Unkraut anscheinend wirklich nicht, denn Nico musste heute am Grundstückseingang und an anderen Stellen auf der Farm Unkrautgift sprühen – mal wieder. John hat auch so nebenbei erwähnt, dass wir demnächst auf die Farm seines Bruders Nick wechseln und dort Bäume pflanzen dürfen. Am Abend entpuppte sich das „demnächst“ dann als morgen. Ok, also mal wieder Auto einräumen. Wir haben mit John ausgemacht, dass wir um 10 bei ihm sind und er uns dann den Weg zur anderen Farm erklärt.

Den Donnerstagmorgen haben wir mit Auto einräumen verbracht und auf den Weg zur John´s Farm haben wir John doch tatsächlich getroffen. Er hat uns dann gleich die Adresse der anderen Farm gegeben und uns den Weg beschrieben. Einen Einkauf, einen neuen Tankdeckel [der inkompetente Mechaniker aus Badgingarra hat übrigens auch unseren Tankdeckel kaputt gemacht] und 80km später waren wir endlich am Ziel.
Nick ist ganz anders als sein Bruder, er erzählt viel mehr und scheint uns auch so viel aufgeschlossener zu sein. Er hat uns unser neues Zuhause für die nächsten Tage (? – keine Ahnung wie lang wir hier bleiben) gezeigt – ein älterer Caravan. Unsere Freude hält sich in Grenzen. Aber immerhin ist es besser, als im Auto zu schlafen.


Nach dem Mittag kam dann der Schock. Es war keine Rede vom Bäume pflanzen, nein, es hieß schon wieder Garten- und Hausarbeit. Nico hatte Glück und durfte mit dem Mitarbeiter der Farm Zäune bauen gehen und so blieb es an mir, die Fenster des Hauses zu putzen. Die Arbeit an sich wäre gar nicht so schlimm gewesen, wäre da nicht noch Nick´s Sohn. Seraphim (ich schätze ihn auf 4 oder 5) war der Meinung, dass er mir beim Fenster putzen helfen muss. Ok, dachte ich, wird bestimmt ganz witzig und nebenbei lernst du vielleicht noch ein paar neue Vokabeln. Alle 5 Minuten durfte ich mir nun anhören, dass wir denselben Fensterputzer haben und als er entdeckt hat, dass in meinem Putzwasser Blubber-Blasen sind, wollte er meins mit benutzen. Alles kein Problem, ich bin da ja nicht so. Irgendwann fing er an mich zu fragen, ob ich seinen Fensterputzer benutze – nein ich hab das Ding seither ja nicht aus der Hand gelegt, also ist es das, womit ich begonnen habe. Seraphim war das aber herzlich egal, er hat festgelegt, dass ich seins habe und wir tauschen müssen. Dieses Spiel ging dann so einige Male. Zwischendurch kamen immer mal seine Mama und Papa und haben gemeint, dass er mich nicht nerven soll. Ab und zu haben sie auch vergebens versucht, ihn ins Haus zu locken. Nach 2 Stunden „mein/dein Fensterputzer-Diskussion“ dann die Erlösung, Nick konnte Seraphim mit einem Dinosaurierfilm ins Haus locken und ich konnte endlich in Ruhe Fenster putzen. Der Frieden hielt eine Filmlänge lang an. Dann kam der Kleinen wieder raus und wollte natürlich „helfen“. Also hat er einfach mal die geputzten Fenster wieder nass gemacht – „Die waren noch dreckig!“, war seine Begründung. Irgendwann hat er mir dann die Zeitung weggenommen und weggebracht. „Die gehört meinen Papa, die kannst du nicht nehmen.“ Da half kein erklären und diskutieren, die Zeitung war weg. Ich könnte euch jetzt noch so einiges mehr erzählen, aber das würde eindeutig den Rahmen sprengen. Eins weiß ich jetzt, mit einem Kind auf Englisch diskutieren ist definitiv nicht meine Stärke.  
Um 5 war dann endlich Feierabend, ich konnte mich verabschieden und bin zu unserem Caravan gegangen. Dort gibt es immerhin Strom, solange man nicht den Warmwasser-Boiler anmacht, der ist irgendwie defekt und sobald weitere Geräte Strom ziehen fliegt die Sicherung raus und wir sitzen im Dunkeln. Also hieß es an diesem Abend alle 15 Minuten Sicherung wieder rein machen, bis das Wasser endlich warm genug ist um zu duschen. Immerhin haben wir eine Dusche direkt im Caravan, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Wieder etwas schlauer. Um die Chemietoilette haben wir uns bisher gedrückt, aber irgendwann kommt der  Moment, wo wir uns auch dieser Herausforderung stellen müssen.

Freitag – das Wochenende ist in Sicht. Und noch etwas positives, Seraphim und sein kleiner Bruder Gabriel sind heute im Kindergarten und das heißt für mich/uns: Ruhe und (fast) keine Diskussionen. Während Nico  den Rasen gemäht hat, habe ich die Fenster fertig geputzt und dann haben wir gemeinsam Unkraut gejätet. Kurz nach um 4 kamen dann die Kinder zurück aus dem Kindergarten und die Diskussionen konnten beginnen:

„Was machst du?“
„Unkraut zupfen.“
„Warum?“
„Weil deine Mama mir das gesagt hat.“
„Du reist aber unsere Möhren raus!“
„Nein! Das Unkraut sieht nur sehr ähnlich aus.“
„Das sag ich meiner Mama, dass du die Möhren rausreist.“ 
Seraphim Abgang.

Nico steht daneben und hält sich gekonnt raus. Danke!

Und wieder war ich ziemlich froh, als es endlich um 5 war und wir uns in den Caravan zurückziehen konnten. Und dort ging dann unser abendliches „Sicherung raus – Sicherung rein-Spiel“ los. Nico hat sogar noch einen Kuchen gebacken. Ohne Rezept und nur nach Gefühl, aber er war trotzdem super lecker.

Am Samstag haben wir dann den Nachbarort New Norcia besucht. Schon von weiten sieht man im spanischen Stil gehaltene Bauten, die nicht so Recht in den australischen Busch passen. Der Ort wurde einst gegründet, um Aborigines zu missionieren. Heute ist es ein eingeschlafener Ort an einem Highway, der nicht wirklich viel zu bieten hat, außer Übergröße-Transporte und Road Trains, die alle 5 Minuten durch die Stadt brettern. Wir sind dann eine Runde durch den Ort geschlendert (ja, man kann alles erlaufen, so groß ist der Ort nicht) und haben uns alles Sehenswerte [?] angeschaut.

[man beachte die australische Interpretation der Geburt Jesu]

Wir haben im Anschluss noch in Moora eingekauft und getankt.
Zurück am Caravan haben wir uns auf ein leckeres Stück Kuchen gefreut, aber die Ameisen fanden das Gebäck anscheinend genau so lecker wie ich und haben sich darüber hergemacht. Also konnten wir ¾ des Kuchens wegwerfen (das restliche Viertel hatte ich schon am Abend genascht bzw. zum Frühstück verputzt). Nach dieser Aktion sind wir dann in unseren üblichen „Wochenend-Nichts-Tu-Modus“ übergegangen.


Am Sonntag haben wir ausgiebig ausgeschlafen und dann einfach den freien Tag genossen.
Ich hab mal wieder etwas rumgeknipst. 

Sonntag, 3. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche III

Die neue Woche bringt Arbeitstechnisch nicht wirklich Abwechslung mit sich.
Es bleibt beim Stöcke und Steine einsammeln.

Am Montagmorgen hatten wir mit Clint (den Farmmanager) abgesprochen, dass 2 Freunde mit in der Unterkunft übernachten können. Und am Abend kamen dann Jelena und Andi mit ihrem kleinen weisen Flitzer vorbei und haben einiges an Geschichten mitgebracht.
Bis halb 12 haben wir mit den Beiden gequatscht, die nach 2 ½ Monaten auf der Kartoffelfarm das Handtuch geworfen haben und dann einmal quer durch Australien am Uluru [das ist der große berühmte Stein ;-)] vorbei bis nach Darwin gereist sind. Von dort aus ging es für die Beiden dann an der Westküste runter in Richtung Perth. Und jetzt haben sie bei uns einen kleinen Zwischenstopp eingelegt. Nach so vielen zurückgelegten Kilometern gibt es so einiges zu erzählen. Und auch das Einhorn, was wir Jelena damals in der Cosy Corner geschenkt haben, ist noch mit auf Tour. Es ist inzwischen eher grau als weiß, aber es ist und bleibt ein Hingucker.

Trotz unseres Besuchs mussten wir am Dienstag wieder früh aus den Federn. Da kam dann doch etwas Neid auf, dass die Beiden liegen bleiben konnten. So langsam kommt der Drang zum Weiterreisen wieder in uns durch [nicht nur wegen dem Ausschlafen].
Wir haben auch die Gelegenheit genutzt, um bei Clint nachzufragen, ob er nicht jemanden kennt, der den Zweien eine Arbeitsstelle anbieten kann. Er will sich umhören…
Nach 8 Stunden Steinen einsammeln ging es dann wieder zurück zur Unterkunft, wo eine Überraschung auf uns wartete. Jelena und Andi hatten das Holz fertig gehackt und fein aufgeschichtet und im Ofen brannte ein gemütliches Feuer. Da macht das „nach Hause“ kommen Spaß. Clint hat sich an diesem Tag nicht mehr blicken lassen und so haben die Beiden beschlossen noch eine Nacht hier zu verbringen. Ich glaube das fließende (warme) Wasser und ein festes Dach über dem Kopf hat diese Entscheidung für sie auch recht einfach gemacht.

Am Mittwoch kam Clint dann mit schlechten Nachrichten: keine Arbeit für Jelena und Andi. 
Also hieß es Abschied nehmen und dann ging es für uns zurück auf das Feld, die Steine rufen. Außerdem haben wir erfahren, dass wir morgen wieder auf John´s Farm arbeiten sollen. Das heißt für uns gibt es mal wieder einen straffen Zeitplan am Abend. Zum Glück waren wir mit den Stöcken und Steinen schneller fertig als gedacht und wir konnten etwas früher in den Feierabend gehen. Natürlich nicht, ohne uns vorher noch ein letztes mal so richtig festzufahren. Dave hat aber den Traktor aus dem Schlammloch gerettet und ich denke vor allem auf diesem letzten Feld haben wir doch einen recht bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn eins ist sicher, die Gerste dort richtet sich definitiv nicht wieder auf. 


Nun ging der Stress los. Es hieß schnell nach Jurien Bay fahren, einkaufen und zurück fahren bevor es dunkel wird. In der Dämmerung sind die Tiere immer recht aktiv und haben den Drang auch das öffentliche Verkehrsnetz zu nutzen. Natürlich sind wir pünktlich zu Dämmerungsbeginn zurückgefahren und haben unterwegs so einige Kängurus, Hasen, Eulen… gesehen. Wir waren froh, als wie endlich wieder bei der Unterkunft auf Clint´s Farm waren. Dort hieß es alles ins Auto räumen, dass wir zur anderen Unterkunft bei John´s Farm fahren können. Irgendwann gegen um 8 waren wir dann Abreisebereit und sind losgefahren in den dunklen Abend. Wir hatten leichte Orientierungsprobleme, denn als wir zur Farm gefahren sind, ist John vor uns gefahren und wir haben nur halbherzig auf Abbiegungen und Straßennamen geachtet. Noch dazu war es jetzt dunkel. Das Navigationsgerät hat seine Mitarbeit komplett verweigert und so sind wir immer der Nase nach quer über staubige Straßen in die hoffentlich richtige Richtung gefahren.
Wider Erwarten sind wir zum Schluss tatsächlich auf der richtigen Straße rausgekommen und konnten kurz nach um 9 alle unsere Sachen in die Unterkunft schleppen. Die 2 Mitbewohner dort waren etwas verwundert, dass wir wieder da sind, aber was soll´s.

Den gesamten Donnerstag haben wir im Garten um John´s Haus verbracht. Es hieß mal wieder Rasen mähen, Unkraut zupfen, Kehren und aufräumen. Na so haben wir uns die Farmarbeit nicht vorgestellt. Aber wir haben nicht wirklich eine Wahl. Wir brauchen das Geld und müssen unsere restlichen Tage erarbeiten. Also hieß es Augen zu und durch.

Auch den Freitag durften wir im Garten verbringen. Immerhin spielt das Wetter mit und wir können zwischendurch die Sonne genießen. Inzwischen haben wir auch noch eine recht einnehmende Hecke zurückgestutzt und alles geharkt und fein säuberlich gekehrt. Immerhin konnten wir am Nachmittag tatsächlich mal etwas Farmarbeit nachgehen. Ein Zaun musste entfernt werden. Also hieß es alle Pfeiler aus dem Boden ziehen und das Drahtgeflecht fein säuberlich zusammenrollen, denn der Draht soll noch einmal verwendet werden. Klingt recht einfach, wurde aber mit zunehmender Größe der Rolle immer schwieriger und unhandlicher. Aber irgendwie haben wir er dann doch geschafft, dass wilde Drahtmonster zu bändigen. Zum Schluss mussten wir noch einen alten Holzpfahl aus dem Boden ziehen. Jono (der Festangestellt der Farm) hatte uns erklärt, dass irgendwo am unteren Ende des Pfahls eine Disk [=Scheibe] ist, die der ganzen Konstruktion Stabilität gibt. Also haben wir mit dem Radlader gebuddelt so gut es ging. Aber keine Disk in Sicht. Nach weiteren erfolglosen Grabversuchen haben wir es dann aufgegeben und das Loch so gut es ging wieder zugeschoben. Falls es eine Disk gibt, dann hat sie sich sehr gut versteckt.


Und dann hieß es für uns endlich Wochenende. Das erste Mal 2 Tage nacheinander frei. 
Und was macht man da – natürlich nichts. 
Wir haben einfach mal ausgespannt, rum gegammelt und das immer besser werdende Wetter genossen.
Achso, wir haben doch etwas gemacht. 
Ganz Thüringer Art haben wir natürlich auf dem Holzkohlegrill Würstchen gebraten. Zu gerne würde ich an dieser Stelle Roster (Rostbratwurst/Bratwurst) schreiben, aber die australischen Würstchen kommen nicht ansatzweise an das geliebte Original aus der Heimat ran. Und auch die Holzkohle lässt zu Wünschen übrig.

An dieser Stelle, wollen wir uns noch einmal bei Markus und Gesa bedanken, die uns den guten Jamie (so heißt der Grill) damals in Mt. Barker (SA) überlassen haben.
[ich hoffe Ihr Zwei lest das - Danke!]

Nach 3 Wochen, haben wir auf John´s und Clint´s Farm so gut wie alle Felder von Steinen befreit.

Allerdings hat John nicht wirklich richtige Aufgaben für uns und beschäftigt uns nur in seinem Garten. Das geht uns ganz gewaltig gegen den Strich und wir hoffen, dass nächste Woche richtige Aufgaben auf uns warten. 

Sonntag, 27. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche II

Neue Woche neues Glück

Am Montag haben wir das Feld mit den großen Steinnestern zu Ende gebracht. Dabei mussten wir schon mit dem Radlader ziemlich aufpassen, dass wir uns nicht auf dem Feld festfahren. Der Regen vom Wochenende hat die Felder teilweise in riesige Seenlandschaften verwandelt und es ist ein schmaler Grat zwischen: da wühlen wir uns durch und da wühlen wir uns ein. Um auf das nächste Feld zu kommen, mussten wir den Radlader und auch den Firefighter durch ein kleines Flüsschen fahren. Der Radlader hat es geschafft, das Auto nicht. Nico wollte eigentlich nicht in die Spuren des Laders fahren, aber das Auto ist einfach reingerutscht. Und so standen wir da und haben unser Werk betrachtet. Das Auto bis zur Hälfte der Räder im Schlamm versunken. Und auch wir sind mit unseren Gummistiefeln ziemlich weit eingesackt, wenn wir zum Auto gelaufen sind. Als hätte er es gerochen, kam in diesem Moment auch noch Jono angefahren. Wir haben es zum Schluss geschafft, das Auto mit Hilfe des Radladers aus dem Schlammloch zu ziehen. Natürlich haben wir zwischendurch auch noch den Radlader mit festgefahren, aber der kann sich dank des Armes ja selber wieder rausschieben. Im Nachhinein war’s ziemlich witzig und ich denke in nächster Zeit wird niemand mehr versuchen auf diesem Wege von Feld A zu Feld B zu fahren.
Der Rest des Tages verlief ziemlich beschissen (entschuldigt die Ausdrucksweise, aber das beschreibt es am besten). Es fing an zu regnen und da Dave keine Regensachen hat, hat er sich kurzerhand in den Radlader gesetzt und ist gefahren. Wir haben unsere Regensachen übergeworfen und sind trotzdem bis auf die Haut nass geworden. So macht das keinen Spaß und nach Steinen haben wir auch nicht wirklich mehr geschaut.
Aber immerhin haben wir den Mechaniker erreicht. Er holt das Auto (für umsonst) ab und vermutet, dass die Benzinpumpe defekt ist.

Am Dienstag wurden keine Steine aufgelesen. Wir durften um das Haus des Farmchefs John [ja, schon wieder ein John] Ordnung machen. Also hieß es Rasen mähen, Unkraut zupfen und und und…
Zwischendurch hat es immer wieder geregnet und wir haben uns ins Auto gerettet. Der Anruf vom Mechaniker hat uns dann hoffen lassen, Roose wird am Nachmittag fertig und wir können sie dann abholen. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben und so verflog unsere Euphorie nach einem weiteren Anruf des Mechanikers. Er hat die Benzinpumpe gewechselt, aber das Auto geht immer noch nicht.
Unsere Mitbewohner aus der Unterkunft verhalten sich inzwischen auch eher wie ein altes Ehepaar, als 2 junge zusammenlebende Männer. Jeden Abend wird lautstark über die Zubereitung des Abendessen diskutiert, dabei geht es vor allem um was und wer. Im Anschluss wird dann vorm Fernseher gegessen, wobei sich erneut um den Besitz der Fernbedienung gestritten wird. Ach ja und sie schlafen, wie es sich für ein altes Ehepaar gehört, in getrennten Zimmern.
(das ist natürlich alles nur ein Spaß und trifft nicht auf 100% der alten Ehepaare zu)

Am Mittwoch durften wir dann die Werkstatt aufräumen. Alles eher eine Beschäftigungstherapie anstatt Farmarbeit. Das ist uns aber egal, wir werden ja dafür bezahlt. So nebenbei haben wir auch erfahren, dass wir morgen auf eine andere Farm fahren sollen. Am Nachmittag haben wir noch einmal Steine eingesammelt und konnten dann um 5 endlich unser Auto von der Werkstatt abholen. Die Rechnung hat uns die Sprache verschlagen, nein, nicht weil sie gestalterisch so schön war, sondern weil uns der Mechaniker für 8.5 Stunden Arbeit knapp 730$ berechnet hat. Die Benzinpumpe für 115$ hat da nicht ins Gewicht geschlagen. Er hat das ganze dann so begründet, dass er die Tanks komplett ausbauen und wieder einbauen musste. Das dauert seine Zeit. Wenn man sich dann aber den Mechaniker mal genauer angeschaut hat, weiß man auch warum das so lange dauert. Als wir ankamen, lag er gerade unter dem hiesigen Schulbus und hat versucht eine Glühbirne zu wechseln. Wegen seinem etwas überhöhten Bauchumfang kam er aber nicht weit genug unter das Fahrzeug, um die Birne zu wechseln. Da kann ich mich schon vorstellen, wie er an unserem Auto gebastelt hat.
Außerdem hat er zuerst die Benzinpumpe gewechselt und alles wieder eingebaut, um dann festzustellen das es immer noch nicht geht, so dass er noch einmal alles ausgebaut hat um dann den eigentlichen Fehler an der Verkabelung der Pumpe zu finden. Die Drähte lagen irgendwo auf und haben sich aufgescheuert. Er hat also eine funktionierende Benzinpumpe gewechselt, na herzlichen Glückwunsch Herr Mechaniker. Ein kompetenter Fachmann hätte wahrscheinlich zuerst die Drähte gecheckt und dann die Pumpe.
Wir haben das dann so hingenommen und zähneknirschend bezahlt. Immerhin hatten wir heute noch einen straffen Zeitplan. Wir mussten das Auto noch einräumen, so dass wir morgen auf die andere Farm fahren können.

Am Donnerstagmorgen haben wir dann das letzte Feld von Steinen befreit. Nach dem Mittag haben wir mit John den Papierkram für die Bezahlung erledigt und sind zur neuen Farm aufgebrochen. Die andere Farm gehört John und seinem Bruder und dort dürfen wir auch Rock Picking machen. Yuhuu!
Die neue Unterkunft ist … speziell. Auf den ersten Blick wirkte alles wunderbar und schön. Aber wenn man dann mal genauer hinschaut wird es unschön. Das Haus hat ungefähr 8 Schlafräume, die aber mehr oder weniger als Abstellkammern genutzt werden. Wir haben uns dann 2 Matratzen zurechtgelegt und unsere eigene obendrauf gelegt. Licht musste man sich auch erst einmal beschaffen, denn in der Hälfte der Räume gab es keine Leuchtmittel. Also sind wir durch alle Räume gelaufen und haben Glühbirnen zusammengesammelt und dort verteilt, wo wir tatsächlich Licht benötigen. Im Wohnzimmer steht ein kleiner Holzofen, aber Holz gibt es nicht. Die Küche ist zwar riesengroß dafür aber auch super dreckig. Ich hab dann erst einmal rotiert und alle Oberflächen gereinigt, um sie nutzbar zu machen. Einen Kühlschrank haben wir im Moment auch nicht. Dafür einen Gasherd mit 6 Kochplatten, aber kein Gas. Aber da wird uns der Manager der Farm, Clint, hoffentlich helfen können. Die Dusche ist recht rustikal und verbreitet den Charm der öffentlichen Strandduschen, aber immerhin gibt es warmes Wasser. Das Klo ist für mich allerdings der wahr gewordene Alptraum. Hier kann man umgeben und beobachtet von einigen Spinnenarten sein Geschäft verrichten, oder auch nicht.


Wir haben den ganzen Nachmittag auf Clint gewartet, aber der ließ sich nicht blicken. Er kam dann, als wir gerade, unserem voll ausgestattetem Auto sei Dank, Abendessen gekocht haben.
Immerhin hat er einen kleinen Kühlschrank mitgebracht und morgen will er sich um Gas und einen anständigen Kühlschrank kümmern.

Da wir nicht wussten, wann wir anfangen sollten, waren wir am Freitagmorgen wie gewohnt um 8 fertig für die Arbeit. Clint meinte dann, dass hier für gewöhnlich halb 8 angefangen wird. Ok, das stört uns ja nicht. Wir müssen hier ja nicht noch eine halbe Stunde zur Arbeit fahren.
Uns wurde eine Karte in die Hand gedrückt und kurz gezeigt, auf welchen Feldern wir Steine einsammeln sollen. Es gab noch eine schnelle Einweisung in unser neues Arbeitsgerät, einen Traktor mit einer Schaufel vorne dran und schon ging es ab zum Feld. Hier sind die Steine noch viel größer und schwerer als auf der anderen Farm und wir müssen oft die Schaufel zum Aufheben nutzen. Inzwischen wissen wir auch, dass es bequeme und unbequeme Schaufeln gibt. Während man auf Johns Farm den ganzen Tag in der Schaufel sitzen konnte ohne Schmerzen im Pops zu haben, dauert es hier nur eine halbe Stunde bis es drückt und zwackt und man hin und her rutscht um eine bequemere Stelle zu finden. Das Wetter spielt wieder mit und die Sonne versüßt uns etwas den Tag.


Clint hat inzwischen auch Gas und einen großen Kühlschrank organisiert und so ist die Unterkunft langsam auch nutzbar. Holz haben wir auch geholt, das muss nur noch gehackt werden. Das können die Jungs machen, denn ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich nicht in der Lage bin eine Hacke zu benutzen ohne mich ernsthaft in Gefahr zu bringen. Versucht habe ich es natürlich trotzdem, ich bin aber schon kläglich am ersten Holzstück gescheitert.

Den Samstag haben wir frei gemacht. Dave wollte noch seine restlichen Sachen aus der alten Unterkunft holen und wir haben den Tag genutzt um einzukaufen. Im 20km entfernten Ort Jurien Bay wurden wir dann vom Regen herzlich empfangen. Eigentlich wollten wir uns auch den Strand dort anschauen, aber das haben wir dann kurzerhand auf „ein ander Mal“ verschoben.
Aber ein was Gutes hatte der Regen, wir konnten unseren Trinkwasservorrat wieder auffüllen. Dem Wasser aus der Leitung trauen wir nicht so wirklich. Also stand Nico mit einem Eimer unter der Dachrinne und hat das Wasser aufgefangen und anschließend in unsere Kanister umgefüllt.


Am Sonntag ging es zurück aufs Feld, immerhin ohne Regen. Da haben wir den freien Tag ja wieder perfekt abgepasst. Am Abend kam dann eine Nachricht von Jelena und Andi [das deutsche Pärchen, mit dem wir auf der Kartoffelfarm gearbeitet haben], sie sind gerade in der Gegend und wollen sich mit uns treffen. Da sagen wir doch nicht nein. Platz ist ja genug hier in der Unterkunft.

Unsere 2. Farmwoche ist vorbei und im Moment gefällt uns alles recht gut
(außer das KLO das ist und bleibt Horror, 
erst recht nachdem Nico eines morgens eine handteller-große Huntsman [Spinne] hinter der Tür entdeckt hat, die er mir zu liebe sogar extra weg gemacht hat;
ich trau dem Frieden trotzdem nicht)

Sonntag, 20. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche I

Unser erster Arbeitstag auf der neuen Farm lief ganz anders als geplant.

Von der Unterkunft bis zur Farm müssen wir 20km fahren.
Natürlich ist das Auto an der ersten Kreuzung [nach circa 7km] ausgegangen. Nico und ich haben uns verdutz angeschaut und geflucht. Das kann doch nicht wahr sein, dass es schon wieder losgeht. Da sich unsere „Motorhaube auf und warten“-Technik zuletzt recht gut bewährt hatte, haben wir diese direkt wieder versucht. Und siehe da, nach nur 1 Minute warten, sprang die gute Roose wieder an. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sind wir dann weitergefahren und haben es tatsächlich ohne weitere Zwischenstopps zum Farmgelände geschafft. Jetzt mussten wir nur noch die restlichen 7[?]km auf der Farm hinter uns bringen, aber das Auto hatte mal wieder andere Pläne.
Während der Fahrt geht der Motor einfach aus. Das gibt es doch gar nicht. Aber wir haben unseren fahrbaren Untersatz doch noch einmal (übrigens auch zum letzten Mal) zum Laufen gebracht. Keine 100 Meter später ging das Spektakel von vorne los. Motor aus und diesmal endgültig!
Da half kein gutes Zureden, fluchen, beten oder betteln, das Auto hatte beschlossen, nicht mehr anzugehen. Nach 5 Minuten versuchen haben wir es aufgegeben und erst einmal Jono [ihr erinnert euch, der Festangestellt der Farm] angerufen und alles erklärt. Er hat uns dann an unserem Auto abgeholt und zum eigentlichen Treffpunkt gefahren.
Yuhuu, so stellt man sich den Beginn des ersten Arbeitstages vor.

Wir haben eine schnelle Einweisung in die Bedienung des Radladers bekommen und dann ging es auch schon los das „Rock Picking“ (zu Deutsch: Steine aufsammeln oder wie es mein Opa so schön gesagt hat „Steene laasen“). 


Weil es ja immer sicherer ist, dass Mädchen zuerst mit einer neuen Maschine fahren zu lassen und sich selbst vorne in die Schaufel zu stellen, hatte ich die Ehre und durfte mich als erstes hinters Steuer setzten. Da saß ich nun, hatte 2 Leute vorne in der Schaufel, 1000 Knöpfe, Hebel und Schalter um mich herum. Und los ging der Spaß.
Wir müssen immer nur das Feld auf und ab fahren. Derjenige/Diejenigen vorne in der Schaufel muss/müssen nach Steinen oder Stöcken Ausschau halten, die bei der Ernte eventuell Schäden an den Maschinen anrichten können.
Derjenige am Steuer des Radladers muss aufpassen, dass er:
  1. Die Leute in der Schaufel nicht verliert
  2. Anhält, wenn die Leute vorne etwas entdeckt haben [und auch dabei wieder aufpassen, dass man die Personen nicht unfreiwillig absteigen lässt]
  3. Nicht allzu viele der Pflanzen auf dem Feld zerstört [die Felder sind schon besäht und die Pflanzen, Raps und Gerste, sind schon recht hoch]
Also sind wir bei sonnigem Wetter durch ein Gerstenfeld gefahren und haben nach nicht vorhandenen Steinen Ausschau gehalten. Zwischendurch haben wir uns mit dem Fahren immer abgewechselt. Im Moment ist die Arbeite nicht so schlimm und hat noch nicht allzu viel mit Steinen zu tun. Die einzigen Steine, die wir gefunden haben, waren ungefähr so groß wie ein Handball. Und wir waren tatsächlich etwas enttäuscht, dass kein wirklich Großer dabei war (das sollte sich in den nächsten Tagen aber auch noch ändern).


Um 5 hatten wir Schluss und wir konnten mit einem Auto von der Farm zu unserem Auto fahren. Wir haben erneut vergeblich versucht das Gefährt zu starten. Da wir ja selbst ernannte Mechaniker-Meister sind, haben wir kurzerhand geschlussfolgert, dass irgendwas mit der Benzinzufuhr nicht stimmen kann. Schlau wie wir sind, hatten wir schon in Perth einen neuen Benzinfilter gekauft. Den hat Nico jetzt eingebaut, aber auch mit neuem Benzinfilter hat sich an der Gesamtsituation nichts verändert. Jono hat heute auch schon bei einem Mechaniker im nächsten Ort angerufen und nachgefragt, ob er unser Auto abholen könnte. Ja könnte er, aber wahrscheinlich nur gegen Gebühr. Er hat uns dann die Nummer des Mechanikers in die Hand gedrückt und gemeint, dass wir bei ihm anrufen sollen.
Für die Fahrten zur und von der Unterkunft können wir erst einmal das Auto von der Farm nehmen. Der Firefighter (=Feuerkämpfer) ist ein etwas in die Jahre gekommener Toyota Landcruiser, bei dem alle unwichtigen Fahrzeugfunktionen nicht mehr funktionieren. Das heißt wir können fahren, wissen aber nicht wie schnell. Die vorderen Lichter funktionieren, nach hinten muss man ja eh nichts sehen. Aber immerhin springt das Auto an und fährt, das ist schon mal mehr als unsere Roose im Moment zu bieten hat.
Und weil die ganze Situation so noch nicht seltsam genug war, haben wir unterwegs auch noch einen fremden Mann mit einem riesigen Ford am Straßenrand aufgesammelt und angezogen.
Was wird er sich wohl gedacht haben, als wir auf seinen Satz „Ich bin mit meinem Auto liegengeblieben“ mit „Wir auch, dass hier ist nicht unser Auto“ geantwortet haben. Anscheinend war es ihm egal und er war einfach nur froh, als sein Auto endlich wieder angesprungen ist.
Er hat sich mit viel gehupe und lichthupen bedankt und ist davongebraust.
Spätestens jetzt wissen wir wieder, dass wir irgendwie doch in einer ziemlich verrückten Welt leben und sind zurück zur Unterkunft gefahren.

Nach unserem glorreichen Start am ersten Tag, hatten wir etwas Angst, was uns am 2. Tag wohl erwarten wird. Aber wieder erwarten sprang unser Ersatzwagen ohne Probleme an und hat uns einwandfrei zur Farm gebracht. Heute haben wir auch Unterstützung beim Rock Picking, Dave, ein Holländer, der schon seit 3 Monaten hier in der Region auf verschiedenen Farmen gearbeitet hat. Und die Unterstützung haben wir auch wirklich gebraucht. Auf dem neuen Feld liegen Steine, aber diesmal große und vor allem schwere Steine. Zu dritt ist das ganze aber auch machbar und die Arbeit macht trotzdem irgendwie Spaß. Den Großteil des Tages steht/sitz man vorne in der Schaufel und guckt. Und auch das Wetter macht wieder mit und so kommt es, dass über uns der strahlend blaue Himmel ist, unter uns das saftige Grün der neuen Pflanzen und wir zwischendrin, in Neon gelb [ein Hoch auf unsere Arbeitsjacken].
Um 5 ist der ganze Spaß dann zu Ende und wir kehren zum Ernst des Lebens zurück: unser Auto. Auch heute sind alle Versuche vergebens, so dass wir morgen den Mechaniker anrufen werden. Ob wir wollen oder nicht, das Auto muss noch einmal in die Werkstatt.

Voller Tatendrang haben wir beschlossen, auch am Samstag zu arbeiten. Dave hatte schon andere Pläne und so haben wir alleine gegen ein paar riesige Brocken gekämpft. Nico nennt die Stellen, an denen so viele Steine liegen immer „Nester“ in Wirklichkeit ist es nur ein Fels, der jedes Jahr in immer kleinere Brocken zerfällt. Wir kamen so einige male ins Schwitzen, als wir mal wieder auf eins der Stein-Nester gestoßen sind und recht gründlich alles vom Feld geschafft haben. Zwischendurch haben wir versucht den Mechaniker zu erreichen, aber anscheinend hat er keine neuen Aufträge nötig und muss samstags nicht ans Telefon gehen.
Kurz vor um 5 hieß es dann für uns Feierabend, denn eine riesige Wolkenwand schob sich unaufhaltsam immer näher auf uns zu und es war unübersehbar, dass sie einiges an Regen mit sich bringt. Also schnell zum Firefighter und zurück zur Unterkunft. Da morgen unser freier Tag ist, haben wir am Abend noch die Wäsche gewaschen, dass bis Montag alles schön trocknen kann.


Denn Sonntag haben wir dann ganz ausgiebig mit Nichts tun verbracht. Mehr war eh nicht möglich, da es den ganzen Tag geregnet hat. Wir haben versucht unser Problem  mit Roose mit Hilfe des Internets zu lösen. Nur irgendwie wird uns mit jeder Variante, was kaputt sein könnte noch viel mulmiger und wir beten, dass es nur eine kleine Lappalie ist.

Mal sehen, was die nächste Woche für uns bereithält.
[auf unserer Wunschliste steht natürlich an erster Stelle ein funktionierendes Auto, 
gefolgt von schönem Wetter und einfacher Arbeit]