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Sonntag, 17. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche V

Wow, jetzt starten wir schon Woche 5. 
So lange haben wir noch nie irgendwo am Stück gearbeitet, aber irgendwie kann man das ja hier auch nicht als 5 Wochen am Stück bezeichnen, wenn man alle paar Tage auf eine andere Farm geschickt wird.
Aber egal, Hauptsache wir bekommen unsere 88 Tage voll – wir sind schon nah dran.

Der Montag begann für mich wie der Freitag aufgehört hat, mit Unkraut jäten. Die Fenster, die ich letzte Woche schon von außen geputzt hatte, waren jetzt von innen dran. Und ich durfte die Vorratskammer entstauben und aufräumen.
Nico hatte mehr Glück und durfte der eigentlichen Aufgabe nachgehen: Bäume pflanzen. Er ist mit dem anderen Mitarbeiter der Farm über ein freies Stück lang gelaufen und hat ungefähr alle 2 Meter einen kleinen Baum in die Erde gesetzt. Als Hilfsmittel hatten die Beiden Baumpflanzrohre (?? ich habe keine Ahnung wie ich es sonst bezeichnen soll). Das Rohr hatte unten so etwas wie einen kleinen Mund, der sich öffnen konnte, so hatte man ein kleines Loch im Boden. Oben am Rohr hat man den Setzling reingesteckt, der dann durch das Rohr in das bereits vorhandene Loch gefallen ist. So konnte man sich das Bücken und das Löscher graben sparen. Ich weiß, dass ich das jetzt nicht sonderlich gut erklärt habe, aber ich habe das Teil auch nicht benutz und schreibe nur nieder, was Nico mir gesagt hat und wie ich es mir vorstelle.


Ich wurde am Dienstag als Mädchen für Alles im Haus eingesetzt, während Nico wieder Bäume pflanzen durfte. Eigentlich muss man sagen Büsche pflanzen, denn, wie Nico in Erfahrung bringen konnte, wird der „Old Men Salt Bush“ (=alter Mann Salzbusch) gepflanzt.
Diesmal musste er aber nicht über das Feld laufen, sondern saß in einer Pflanzmaschine, die von einem Traktor gezogen wurde. Diese hat einfach nur eine Rinne in den Boden gegraben, in die auch wieder alle 2 Meter ein Setzling gesetzt werden musste und das war Nico´s Aufgabe. Hinterher mussten die Beiden kontrollieren, ob alle Pflanzen ordentlich und gerade im Boden waren. Das hieß alle Pflanzreihen entlanglaufen und schiefstehende Pflanzen begradigen und um jeden Setzling den Boden festtreten.
Wir haben heute auch erfahren, dass wir morgen zurück auf John´s Farm sollen.

Deshalb mussten wir am  Mittwoch auch nur einen halben Tag arbeiten. Diesmal durfte ich sogar mit Bäume pflanzen – yeehaa. Ich hatte die „hinter der Maschine herlaufen, alles gerade richten und festtrampeln“-Aufgabe gewählt. Nico saß wieder im Anhänger und der Angestellte der Farm ist den Traktor gefahren. Irgendwann war dann auch der letzte Setzling im Boden und wir konnten zu unserer Lieblingsaufgabe „Autoeinräumen“ übergehen. Am Nachmittag sind wir zurück zur alten Unterkunft gefahren und haben uns dort wieder eingerichtet. Die Anderen dort haben verwundert geguckt, als wir wieder da waren. Aber langsam sollten sie ja wissen, dass wir nicht so lange weg sind.

Den Donnerstag haben wir damit verbracht, die beiden Sheds, in denen der Dünger gelagert wurde zu reinigen.  Also gingen wir mit Besen, Schaufel, Hochdruckreiniger und Staubmasken bewaffnet ans Werk. Nach der Grundreinigung sollten wir noch die Stahlträger mit frischer Rostschutzfarbe bepinseln und dann hieß es Feierabend für uns. Diesen Tag konnten wir sogar als echte Farmarbeit abstempeln.


Das konnte man vom Freitag allerdings nicht behaupten. 
Am Vormittag haben wir der  monströsen Barbecue und Grill Station von John einen neuen Anstrich verpasst. Am Nachmittag haben wir uns mit am Aufbau einer Fleischsäge versucht. Ja, da steht wirklich Fleischsäge, ich habe mich nicht verschrieben. Aber erst noch ein paar Worte zum Aufbau. Auf dem Bild sah die ganze Gerätschaft recht ansprechend aus, aber schon nach den ersten zusammengeschraubten Teilen fiel uns auf, dass wir es ganz sicher  nicht mit einem qualitativ hochwertigen Produkt zu tun haben. Sämtliche Bilder der Aufbauanleitung zeigten andere Bauteile als wir tatsächlich aus dem Karton holten. Bei der Montage des Motors, haben wir 3-mal geschaut, wie und wo dieser zu befestigen ist, aber nachdem wir den ganzen Rest mühsam zusammengeschraubt hatten und den Keilriemen einsetzte wollten, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass der Motor doch anders, als in der Anleitung gezeigt, montiert werden muss. Also so gut wie alles wieder locker schrauben und das Ganze noch einmal umdrehen. John hält uns spätestens jetzt sicherlich für vollkommen unfähig etwas Aufzubauen.
Irgendwann standen wir dann aber vor der fertigen Fleischsäge und waren etwas skeptisch, ob sie den ersten Einsatz übersteht.
Wie es nun mal so ist, musste John sein neues Spielzeig direkt im Anschluss ausprobieren. Also wurde aus dem Kühlraum schnell ein, wahrscheinlich nur für diesen Moment, bereits geschlachtetes Schaf geholt und fachmännisch mit der Fleischsäge zersägt. Eine Sauerei vom feinsten.
1 ½ Stunden und 2 zersägte Schafe später konnten wir endlich nach Hause gehen.

Am Wochenende hieß es selbstverständlich Wäsche waschen und hoffen, dass der Schafgeruch dadurch verschwindet.
Mehr lag aber auch nicht an und wir haben einfach nur entspannt und die Sonne genossen.
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So langsam machen wir uns auch Gedanken über unser altes/neues Leben in Deutschland. Wie soll es dort weitergehen und vor allem wann. Wir durchstöbern fleißig Flugseiten und können uns nicht wirklich entscheiden, wann wir in die alte Heimat fliegen und ganz wichtig über welche Strecke.
Auch um unsere zukünftige Karriere machen wir uns einen Kopf. Weiter machen wie bisher? Im Moment irgendwie nicht vorstellbar, zu schön ist das freie Leben auf der australischen Farm. Ganz unbeschwert und sehen was der Tag so bereithält. Irgendwie können wir es uns nicht ausmalen, wie es ist, wieder in Deutschland zu sein, wo 100km schon weit weg sind und wir wahrscheinlich keine Abenteuer „on the road“ erleben werden [außer ein Wildschwein kreuzt mal wieder meinen Weg, aber das hoffe ich doch nicht!].
Alles ist in unserem Kopf noch so weit in der Ferne aber doch rückt es unaufhaltsam näher.

Sind wir nicht gestern erst gelandet.
Wo ist die Zeit hin? 

Sonntag, 10. August 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche IV

Unser Hoffen und Beten auf echte Farmarbeit war für umsonst. 

Am Montag durften wir die Rosen und alle anderen Büsche in John´s Garten beschneiden. Da wir das noch nie gemacht haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass hier so schnell keine Rosen mehr blühen werden. Ich hab radikal mit der Schere angesetzt und geschnitten wie ein Weltmeister. Jetzt sieht der ganze Garten ziemlich kahl aus, aber Emily [John´s Frau] ist begeistert von unserer Arbeit.

Auch der Dienstag hielt nichts Aufregendes für uns bereit. Nico musste um alle Scheunen Unkrautgift sprühen, die mögen hier kein Grünzeug um ihre Sheds. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, im Wohnzimmer das Regal sauber zu machen und alles zu entstauben. Danach bekam noch die Abstellkammer eine gründliche Reinigung. Aber irgendwann war auch dieser Tag vorbei und wir waren froh wieder in der Unterkunft zu sein.

Am Mittwoch durfte ich dann im Büro helfen. Nein, nichts Großes. Unter im Büro helfen verstand Emily alle Schubladen auswischen und alles ordentlich wieder einräumen. Anschließend durfte ich die aktuellen Rechnungen alphabetisch sortieren. Immerhin hat mir das Verbrennen der alten Unterlagen aus Vorjahren ziemlich Spaß gemacht. Dann kam zum Abschluss noch eine absolute Hass-Aufgabe. Ich durfte die gesamte Bettwäsche, die irgendwie in den Schrank gestopft war ordentlich zusammenlegen. Ich hasse es, Spannbettlaken zusammen zu legen. Aber was tut man nicht alles für Geld.
John mag Unkraut anscheinend wirklich nicht, denn Nico musste heute am Grundstückseingang und an anderen Stellen auf der Farm Unkrautgift sprühen – mal wieder. John hat auch so nebenbei erwähnt, dass wir demnächst auf die Farm seines Bruders Nick wechseln und dort Bäume pflanzen dürfen. Am Abend entpuppte sich das „demnächst“ dann als morgen. Ok, also mal wieder Auto einräumen. Wir haben mit John ausgemacht, dass wir um 10 bei ihm sind und er uns dann den Weg zur anderen Farm erklärt.

Den Donnerstagmorgen haben wir mit Auto einräumen verbracht und auf den Weg zur John´s Farm haben wir John doch tatsächlich getroffen. Er hat uns dann gleich die Adresse der anderen Farm gegeben und uns den Weg beschrieben. Einen Einkauf, einen neuen Tankdeckel [der inkompetente Mechaniker aus Badgingarra hat übrigens auch unseren Tankdeckel kaputt gemacht] und 80km später waren wir endlich am Ziel.
Nick ist ganz anders als sein Bruder, er erzählt viel mehr und scheint uns auch so viel aufgeschlossener zu sein. Er hat uns unser neues Zuhause für die nächsten Tage (? – keine Ahnung wie lang wir hier bleiben) gezeigt – ein älterer Caravan. Unsere Freude hält sich in Grenzen. Aber immerhin ist es besser, als im Auto zu schlafen.


Nach dem Mittag kam dann der Schock. Es war keine Rede vom Bäume pflanzen, nein, es hieß schon wieder Garten- und Hausarbeit. Nico hatte Glück und durfte mit dem Mitarbeiter der Farm Zäune bauen gehen und so blieb es an mir, die Fenster des Hauses zu putzen. Die Arbeit an sich wäre gar nicht so schlimm gewesen, wäre da nicht noch Nick´s Sohn. Seraphim (ich schätze ihn auf 4 oder 5) war der Meinung, dass er mir beim Fenster putzen helfen muss. Ok, dachte ich, wird bestimmt ganz witzig und nebenbei lernst du vielleicht noch ein paar neue Vokabeln. Alle 5 Minuten durfte ich mir nun anhören, dass wir denselben Fensterputzer haben und als er entdeckt hat, dass in meinem Putzwasser Blubber-Blasen sind, wollte er meins mit benutzen. Alles kein Problem, ich bin da ja nicht so. Irgendwann fing er an mich zu fragen, ob ich seinen Fensterputzer benutze – nein ich hab das Ding seither ja nicht aus der Hand gelegt, also ist es das, womit ich begonnen habe. Seraphim war das aber herzlich egal, er hat festgelegt, dass ich seins habe und wir tauschen müssen. Dieses Spiel ging dann so einige Male. Zwischendurch kamen immer mal seine Mama und Papa und haben gemeint, dass er mich nicht nerven soll. Ab und zu haben sie auch vergebens versucht, ihn ins Haus zu locken. Nach 2 Stunden „mein/dein Fensterputzer-Diskussion“ dann die Erlösung, Nick konnte Seraphim mit einem Dinosaurierfilm ins Haus locken und ich konnte endlich in Ruhe Fenster putzen. Der Frieden hielt eine Filmlänge lang an. Dann kam der Kleinen wieder raus und wollte natürlich „helfen“. Also hat er einfach mal die geputzten Fenster wieder nass gemacht – „Die waren noch dreckig!“, war seine Begründung. Irgendwann hat er mir dann die Zeitung weggenommen und weggebracht. „Die gehört meinen Papa, die kannst du nicht nehmen.“ Da half kein erklären und diskutieren, die Zeitung war weg. Ich könnte euch jetzt noch so einiges mehr erzählen, aber das würde eindeutig den Rahmen sprengen. Eins weiß ich jetzt, mit einem Kind auf Englisch diskutieren ist definitiv nicht meine Stärke.  
Um 5 war dann endlich Feierabend, ich konnte mich verabschieden und bin zu unserem Caravan gegangen. Dort gibt es immerhin Strom, solange man nicht den Warmwasser-Boiler anmacht, der ist irgendwie defekt und sobald weitere Geräte Strom ziehen fliegt die Sicherung raus und wir sitzen im Dunkeln. Also hieß es an diesem Abend alle 15 Minuten Sicherung wieder rein machen, bis das Wasser endlich warm genug ist um zu duschen. Immerhin haben wir eine Dusche direkt im Caravan, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Wieder etwas schlauer. Um die Chemietoilette haben wir uns bisher gedrückt, aber irgendwann kommt der  Moment, wo wir uns auch dieser Herausforderung stellen müssen.

Freitag – das Wochenende ist in Sicht. Und noch etwas positives, Seraphim und sein kleiner Bruder Gabriel sind heute im Kindergarten und das heißt für mich/uns: Ruhe und (fast) keine Diskussionen. Während Nico  den Rasen gemäht hat, habe ich die Fenster fertig geputzt und dann haben wir gemeinsam Unkraut gejätet. Kurz nach um 4 kamen dann die Kinder zurück aus dem Kindergarten und die Diskussionen konnten beginnen:

„Was machst du?“
„Unkraut zupfen.“
„Warum?“
„Weil deine Mama mir das gesagt hat.“
„Du reist aber unsere Möhren raus!“
„Nein! Das Unkraut sieht nur sehr ähnlich aus.“
„Das sag ich meiner Mama, dass du die Möhren rausreist.“ 
Seraphim Abgang.

Nico steht daneben und hält sich gekonnt raus. Danke!

Und wieder war ich ziemlich froh, als es endlich um 5 war und wir uns in den Caravan zurückziehen konnten. Und dort ging dann unser abendliches „Sicherung raus – Sicherung rein-Spiel“ los. Nico hat sogar noch einen Kuchen gebacken. Ohne Rezept und nur nach Gefühl, aber er war trotzdem super lecker.

Am Samstag haben wir dann den Nachbarort New Norcia besucht. Schon von weiten sieht man im spanischen Stil gehaltene Bauten, die nicht so Recht in den australischen Busch passen. Der Ort wurde einst gegründet, um Aborigines zu missionieren. Heute ist es ein eingeschlafener Ort an einem Highway, der nicht wirklich viel zu bieten hat, außer Übergröße-Transporte und Road Trains, die alle 5 Minuten durch die Stadt brettern. Wir sind dann eine Runde durch den Ort geschlendert (ja, man kann alles erlaufen, so groß ist der Ort nicht) und haben uns alles Sehenswerte [?] angeschaut.

[man beachte die australische Interpretation der Geburt Jesu]

Wir haben im Anschluss noch in Moora eingekauft und getankt.
Zurück am Caravan haben wir uns auf ein leckeres Stück Kuchen gefreut, aber die Ameisen fanden das Gebäck anscheinend genau so lecker wie ich und haben sich darüber hergemacht. Also konnten wir ¾ des Kuchens wegwerfen (das restliche Viertel hatte ich schon am Abend genascht bzw. zum Frühstück verputzt). Nach dieser Aktion sind wir dann in unseren üblichen „Wochenend-Nichts-Tu-Modus“ übergegangen.


Am Sonntag haben wir ausgiebig ausgeschlafen und dann einfach den freien Tag genossen.
Ich hab mal wieder etwas rumgeknipst. 

Sonntag, 27. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche II

Neue Woche neues Glück

Am Montag haben wir das Feld mit den großen Steinnestern zu Ende gebracht. Dabei mussten wir schon mit dem Radlader ziemlich aufpassen, dass wir uns nicht auf dem Feld festfahren. Der Regen vom Wochenende hat die Felder teilweise in riesige Seenlandschaften verwandelt und es ist ein schmaler Grat zwischen: da wühlen wir uns durch und da wühlen wir uns ein. Um auf das nächste Feld zu kommen, mussten wir den Radlader und auch den Firefighter durch ein kleines Flüsschen fahren. Der Radlader hat es geschafft, das Auto nicht. Nico wollte eigentlich nicht in die Spuren des Laders fahren, aber das Auto ist einfach reingerutscht. Und so standen wir da und haben unser Werk betrachtet. Das Auto bis zur Hälfte der Räder im Schlamm versunken. Und auch wir sind mit unseren Gummistiefeln ziemlich weit eingesackt, wenn wir zum Auto gelaufen sind. Als hätte er es gerochen, kam in diesem Moment auch noch Jono angefahren. Wir haben es zum Schluss geschafft, das Auto mit Hilfe des Radladers aus dem Schlammloch zu ziehen. Natürlich haben wir zwischendurch auch noch den Radlader mit festgefahren, aber der kann sich dank des Armes ja selber wieder rausschieben. Im Nachhinein war’s ziemlich witzig und ich denke in nächster Zeit wird niemand mehr versuchen auf diesem Wege von Feld A zu Feld B zu fahren.
Der Rest des Tages verlief ziemlich beschissen (entschuldigt die Ausdrucksweise, aber das beschreibt es am besten). Es fing an zu regnen und da Dave keine Regensachen hat, hat er sich kurzerhand in den Radlader gesetzt und ist gefahren. Wir haben unsere Regensachen übergeworfen und sind trotzdem bis auf die Haut nass geworden. So macht das keinen Spaß und nach Steinen haben wir auch nicht wirklich mehr geschaut.
Aber immerhin haben wir den Mechaniker erreicht. Er holt das Auto (für umsonst) ab und vermutet, dass die Benzinpumpe defekt ist.

Am Dienstag wurden keine Steine aufgelesen. Wir durften um das Haus des Farmchefs John [ja, schon wieder ein John] Ordnung machen. Also hieß es Rasen mähen, Unkraut zupfen und und und…
Zwischendurch hat es immer wieder geregnet und wir haben uns ins Auto gerettet. Der Anruf vom Mechaniker hat uns dann hoffen lassen, Roose wird am Nachmittag fertig und wir können sie dann abholen. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben und so verflog unsere Euphorie nach einem weiteren Anruf des Mechanikers. Er hat die Benzinpumpe gewechselt, aber das Auto geht immer noch nicht.
Unsere Mitbewohner aus der Unterkunft verhalten sich inzwischen auch eher wie ein altes Ehepaar, als 2 junge zusammenlebende Männer. Jeden Abend wird lautstark über die Zubereitung des Abendessen diskutiert, dabei geht es vor allem um was und wer. Im Anschluss wird dann vorm Fernseher gegessen, wobei sich erneut um den Besitz der Fernbedienung gestritten wird. Ach ja und sie schlafen, wie es sich für ein altes Ehepaar gehört, in getrennten Zimmern.
(das ist natürlich alles nur ein Spaß und trifft nicht auf 100% der alten Ehepaare zu)

Am Mittwoch durften wir dann die Werkstatt aufräumen. Alles eher eine Beschäftigungstherapie anstatt Farmarbeit. Das ist uns aber egal, wir werden ja dafür bezahlt. So nebenbei haben wir auch erfahren, dass wir morgen auf eine andere Farm fahren sollen. Am Nachmittag haben wir noch einmal Steine eingesammelt und konnten dann um 5 endlich unser Auto von der Werkstatt abholen. Die Rechnung hat uns die Sprache verschlagen, nein, nicht weil sie gestalterisch so schön war, sondern weil uns der Mechaniker für 8.5 Stunden Arbeit knapp 730$ berechnet hat. Die Benzinpumpe für 115$ hat da nicht ins Gewicht geschlagen. Er hat das ganze dann so begründet, dass er die Tanks komplett ausbauen und wieder einbauen musste. Das dauert seine Zeit. Wenn man sich dann aber den Mechaniker mal genauer angeschaut hat, weiß man auch warum das so lange dauert. Als wir ankamen, lag er gerade unter dem hiesigen Schulbus und hat versucht eine Glühbirne zu wechseln. Wegen seinem etwas überhöhten Bauchumfang kam er aber nicht weit genug unter das Fahrzeug, um die Birne zu wechseln. Da kann ich mich schon vorstellen, wie er an unserem Auto gebastelt hat.
Außerdem hat er zuerst die Benzinpumpe gewechselt und alles wieder eingebaut, um dann festzustellen das es immer noch nicht geht, so dass er noch einmal alles ausgebaut hat um dann den eigentlichen Fehler an der Verkabelung der Pumpe zu finden. Die Drähte lagen irgendwo auf und haben sich aufgescheuert. Er hat also eine funktionierende Benzinpumpe gewechselt, na herzlichen Glückwunsch Herr Mechaniker. Ein kompetenter Fachmann hätte wahrscheinlich zuerst die Drähte gecheckt und dann die Pumpe.
Wir haben das dann so hingenommen und zähneknirschend bezahlt. Immerhin hatten wir heute noch einen straffen Zeitplan. Wir mussten das Auto noch einräumen, so dass wir morgen auf die andere Farm fahren können.

Am Donnerstagmorgen haben wir dann das letzte Feld von Steinen befreit. Nach dem Mittag haben wir mit John den Papierkram für die Bezahlung erledigt und sind zur neuen Farm aufgebrochen. Die andere Farm gehört John und seinem Bruder und dort dürfen wir auch Rock Picking machen. Yuhuu!
Die neue Unterkunft ist … speziell. Auf den ersten Blick wirkte alles wunderbar und schön. Aber wenn man dann mal genauer hinschaut wird es unschön. Das Haus hat ungefähr 8 Schlafräume, die aber mehr oder weniger als Abstellkammern genutzt werden. Wir haben uns dann 2 Matratzen zurechtgelegt und unsere eigene obendrauf gelegt. Licht musste man sich auch erst einmal beschaffen, denn in der Hälfte der Räume gab es keine Leuchtmittel. Also sind wir durch alle Räume gelaufen und haben Glühbirnen zusammengesammelt und dort verteilt, wo wir tatsächlich Licht benötigen. Im Wohnzimmer steht ein kleiner Holzofen, aber Holz gibt es nicht. Die Küche ist zwar riesengroß dafür aber auch super dreckig. Ich hab dann erst einmal rotiert und alle Oberflächen gereinigt, um sie nutzbar zu machen. Einen Kühlschrank haben wir im Moment auch nicht. Dafür einen Gasherd mit 6 Kochplatten, aber kein Gas. Aber da wird uns der Manager der Farm, Clint, hoffentlich helfen können. Die Dusche ist recht rustikal und verbreitet den Charm der öffentlichen Strandduschen, aber immerhin gibt es warmes Wasser. Das Klo ist für mich allerdings der wahr gewordene Alptraum. Hier kann man umgeben und beobachtet von einigen Spinnenarten sein Geschäft verrichten, oder auch nicht.


Wir haben den ganzen Nachmittag auf Clint gewartet, aber der ließ sich nicht blicken. Er kam dann, als wir gerade, unserem voll ausgestattetem Auto sei Dank, Abendessen gekocht haben.
Immerhin hat er einen kleinen Kühlschrank mitgebracht und morgen will er sich um Gas und einen anständigen Kühlschrank kümmern.

Da wir nicht wussten, wann wir anfangen sollten, waren wir am Freitagmorgen wie gewohnt um 8 fertig für die Arbeit. Clint meinte dann, dass hier für gewöhnlich halb 8 angefangen wird. Ok, das stört uns ja nicht. Wir müssen hier ja nicht noch eine halbe Stunde zur Arbeit fahren.
Uns wurde eine Karte in die Hand gedrückt und kurz gezeigt, auf welchen Feldern wir Steine einsammeln sollen. Es gab noch eine schnelle Einweisung in unser neues Arbeitsgerät, einen Traktor mit einer Schaufel vorne dran und schon ging es ab zum Feld. Hier sind die Steine noch viel größer und schwerer als auf der anderen Farm und wir müssen oft die Schaufel zum Aufheben nutzen. Inzwischen wissen wir auch, dass es bequeme und unbequeme Schaufeln gibt. Während man auf Johns Farm den ganzen Tag in der Schaufel sitzen konnte ohne Schmerzen im Pops zu haben, dauert es hier nur eine halbe Stunde bis es drückt und zwackt und man hin und her rutscht um eine bequemere Stelle zu finden. Das Wetter spielt wieder mit und die Sonne versüßt uns etwas den Tag.


Clint hat inzwischen auch Gas und einen großen Kühlschrank organisiert und so ist die Unterkunft langsam auch nutzbar. Holz haben wir auch geholt, das muss nur noch gehackt werden. Das können die Jungs machen, denn ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich nicht in der Lage bin eine Hacke zu benutzen ohne mich ernsthaft in Gefahr zu bringen. Versucht habe ich es natürlich trotzdem, ich bin aber schon kläglich am ersten Holzstück gescheitert.

Den Samstag haben wir frei gemacht. Dave wollte noch seine restlichen Sachen aus der alten Unterkunft holen und wir haben den Tag genutzt um einzukaufen. Im 20km entfernten Ort Jurien Bay wurden wir dann vom Regen herzlich empfangen. Eigentlich wollten wir uns auch den Strand dort anschauen, aber das haben wir dann kurzerhand auf „ein ander Mal“ verschoben.
Aber ein was Gutes hatte der Regen, wir konnten unseren Trinkwasservorrat wieder auffüllen. Dem Wasser aus der Leitung trauen wir nicht so wirklich. Also stand Nico mit einem Eimer unter der Dachrinne und hat das Wasser aufgefangen und anschließend in unsere Kanister umgefüllt.


Am Sonntag ging es zurück aufs Feld, immerhin ohne Regen. Da haben wir den freien Tag ja wieder perfekt abgepasst. Am Abend kam dann eine Nachricht von Jelena und Andi [das deutsche Pärchen, mit dem wir auf der Kartoffelfarm gearbeitet haben], sie sind gerade in der Gegend und wollen sich mit uns treffen. Da sagen wir doch nicht nein. Platz ist ja genug hier in der Unterkunft.

Unsere 2. Farmwoche ist vorbei und im Moment gefällt uns alles recht gut
(außer das KLO das ist und bleibt Horror, 
erst recht nachdem Nico eines morgens eine handteller-große Huntsman [Spinne] hinter der Tür entdeckt hat, die er mir zu liebe sogar extra weg gemacht hat;
ich trau dem Frieden trotzdem nicht)

Sonntag, 20. Juli 2014

Arbeiten auf einer Farm - Woche I

Unser erster Arbeitstag auf der neuen Farm lief ganz anders als geplant.

Von der Unterkunft bis zur Farm müssen wir 20km fahren.
Natürlich ist das Auto an der ersten Kreuzung [nach circa 7km] ausgegangen. Nico und ich haben uns verdutz angeschaut und geflucht. Das kann doch nicht wahr sein, dass es schon wieder losgeht. Da sich unsere „Motorhaube auf und warten“-Technik zuletzt recht gut bewährt hatte, haben wir diese direkt wieder versucht. Und siehe da, nach nur 1 Minute warten, sprang die gute Roose wieder an. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sind wir dann weitergefahren und haben es tatsächlich ohne weitere Zwischenstopps zum Farmgelände geschafft. Jetzt mussten wir nur noch die restlichen 7[?]km auf der Farm hinter uns bringen, aber das Auto hatte mal wieder andere Pläne.
Während der Fahrt geht der Motor einfach aus. Das gibt es doch gar nicht. Aber wir haben unseren fahrbaren Untersatz doch noch einmal (übrigens auch zum letzten Mal) zum Laufen gebracht. Keine 100 Meter später ging das Spektakel von vorne los. Motor aus und diesmal endgültig!
Da half kein gutes Zureden, fluchen, beten oder betteln, das Auto hatte beschlossen, nicht mehr anzugehen. Nach 5 Minuten versuchen haben wir es aufgegeben und erst einmal Jono [ihr erinnert euch, der Festangestellt der Farm] angerufen und alles erklärt. Er hat uns dann an unserem Auto abgeholt und zum eigentlichen Treffpunkt gefahren.
Yuhuu, so stellt man sich den Beginn des ersten Arbeitstages vor.

Wir haben eine schnelle Einweisung in die Bedienung des Radladers bekommen und dann ging es auch schon los das „Rock Picking“ (zu Deutsch: Steine aufsammeln oder wie es mein Opa so schön gesagt hat „Steene laasen“). 


Weil es ja immer sicherer ist, dass Mädchen zuerst mit einer neuen Maschine fahren zu lassen und sich selbst vorne in die Schaufel zu stellen, hatte ich die Ehre und durfte mich als erstes hinters Steuer setzten. Da saß ich nun, hatte 2 Leute vorne in der Schaufel, 1000 Knöpfe, Hebel und Schalter um mich herum. Und los ging der Spaß.
Wir müssen immer nur das Feld auf und ab fahren. Derjenige/Diejenigen vorne in der Schaufel muss/müssen nach Steinen oder Stöcken Ausschau halten, die bei der Ernte eventuell Schäden an den Maschinen anrichten können.
Derjenige am Steuer des Radladers muss aufpassen, dass er:
  1. Die Leute in der Schaufel nicht verliert
  2. Anhält, wenn die Leute vorne etwas entdeckt haben [und auch dabei wieder aufpassen, dass man die Personen nicht unfreiwillig absteigen lässt]
  3. Nicht allzu viele der Pflanzen auf dem Feld zerstört [die Felder sind schon besäht und die Pflanzen, Raps und Gerste, sind schon recht hoch]
Also sind wir bei sonnigem Wetter durch ein Gerstenfeld gefahren und haben nach nicht vorhandenen Steinen Ausschau gehalten. Zwischendurch haben wir uns mit dem Fahren immer abgewechselt. Im Moment ist die Arbeite nicht so schlimm und hat noch nicht allzu viel mit Steinen zu tun. Die einzigen Steine, die wir gefunden haben, waren ungefähr so groß wie ein Handball. Und wir waren tatsächlich etwas enttäuscht, dass kein wirklich Großer dabei war (das sollte sich in den nächsten Tagen aber auch noch ändern).


Um 5 hatten wir Schluss und wir konnten mit einem Auto von der Farm zu unserem Auto fahren. Wir haben erneut vergeblich versucht das Gefährt zu starten. Da wir ja selbst ernannte Mechaniker-Meister sind, haben wir kurzerhand geschlussfolgert, dass irgendwas mit der Benzinzufuhr nicht stimmen kann. Schlau wie wir sind, hatten wir schon in Perth einen neuen Benzinfilter gekauft. Den hat Nico jetzt eingebaut, aber auch mit neuem Benzinfilter hat sich an der Gesamtsituation nichts verändert. Jono hat heute auch schon bei einem Mechaniker im nächsten Ort angerufen und nachgefragt, ob er unser Auto abholen könnte. Ja könnte er, aber wahrscheinlich nur gegen Gebühr. Er hat uns dann die Nummer des Mechanikers in die Hand gedrückt und gemeint, dass wir bei ihm anrufen sollen.
Für die Fahrten zur und von der Unterkunft können wir erst einmal das Auto von der Farm nehmen. Der Firefighter (=Feuerkämpfer) ist ein etwas in die Jahre gekommener Toyota Landcruiser, bei dem alle unwichtigen Fahrzeugfunktionen nicht mehr funktionieren. Das heißt wir können fahren, wissen aber nicht wie schnell. Die vorderen Lichter funktionieren, nach hinten muss man ja eh nichts sehen. Aber immerhin springt das Auto an und fährt, das ist schon mal mehr als unsere Roose im Moment zu bieten hat.
Und weil die ganze Situation so noch nicht seltsam genug war, haben wir unterwegs auch noch einen fremden Mann mit einem riesigen Ford am Straßenrand aufgesammelt und angezogen.
Was wird er sich wohl gedacht haben, als wir auf seinen Satz „Ich bin mit meinem Auto liegengeblieben“ mit „Wir auch, dass hier ist nicht unser Auto“ geantwortet haben. Anscheinend war es ihm egal und er war einfach nur froh, als sein Auto endlich wieder angesprungen ist.
Er hat sich mit viel gehupe und lichthupen bedankt und ist davongebraust.
Spätestens jetzt wissen wir wieder, dass wir irgendwie doch in einer ziemlich verrückten Welt leben und sind zurück zur Unterkunft gefahren.

Nach unserem glorreichen Start am ersten Tag, hatten wir etwas Angst, was uns am 2. Tag wohl erwarten wird. Aber wieder erwarten sprang unser Ersatzwagen ohne Probleme an und hat uns einwandfrei zur Farm gebracht. Heute haben wir auch Unterstützung beim Rock Picking, Dave, ein Holländer, der schon seit 3 Monaten hier in der Region auf verschiedenen Farmen gearbeitet hat. Und die Unterstützung haben wir auch wirklich gebraucht. Auf dem neuen Feld liegen Steine, aber diesmal große und vor allem schwere Steine. Zu dritt ist das ganze aber auch machbar und die Arbeit macht trotzdem irgendwie Spaß. Den Großteil des Tages steht/sitz man vorne in der Schaufel und guckt. Und auch das Wetter macht wieder mit und so kommt es, dass über uns der strahlend blaue Himmel ist, unter uns das saftige Grün der neuen Pflanzen und wir zwischendrin, in Neon gelb [ein Hoch auf unsere Arbeitsjacken].
Um 5 ist der ganze Spaß dann zu Ende und wir kehren zum Ernst des Lebens zurück: unser Auto. Auch heute sind alle Versuche vergebens, so dass wir morgen den Mechaniker anrufen werden. Ob wir wollen oder nicht, das Auto muss noch einmal in die Werkstatt.

Voller Tatendrang haben wir beschlossen, auch am Samstag zu arbeiten. Dave hatte schon andere Pläne und so haben wir alleine gegen ein paar riesige Brocken gekämpft. Nico nennt die Stellen, an denen so viele Steine liegen immer „Nester“ in Wirklichkeit ist es nur ein Fels, der jedes Jahr in immer kleinere Brocken zerfällt. Wir kamen so einige male ins Schwitzen, als wir mal wieder auf eins der Stein-Nester gestoßen sind und recht gründlich alles vom Feld geschafft haben. Zwischendurch haben wir versucht den Mechaniker zu erreichen, aber anscheinend hat er keine neuen Aufträge nötig und muss samstags nicht ans Telefon gehen.
Kurz vor um 5 hieß es dann für uns Feierabend, denn eine riesige Wolkenwand schob sich unaufhaltsam immer näher auf uns zu und es war unübersehbar, dass sie einiges an Regen mit sich bringt. Also schnell zum Firefighter und zurück zur Unterkunft. Da morgen unser freier Tag ist, haben wir am Abend noch die Wäsche gewaschen, dass bis Montag alles schön trocknen kann.


Denn Sonntag haben wir dann ganz ausgiebig mit Nichts tun verbracht. Mehr war eh nicht möglich, da es den ganzen Tag geregnet hat. Wir haben versucht unser Problem  mit Roose mit Hilfe des Internets zu lösen. Nur irgendwie wird uns mit jeder Variante, was kaputt sein könnte noch viel mulmiger und wir beten, dass es nur eine kleine Lappalie ist.

Mal sehen, was die nächste Woche für uns bereithält.
[auf unserer Wunschliste steht natürlich an erster Stelle ein funktionierendes Auto, 
gefolgt von schönem Wetter und einfacher Arbeit]

Freitag, 11. Juli 2014

3 vitaminreiche Wochen

Am Sonntag morgen ging es dann zur Mandarinenfarm. Der Manager hatte uns die Adresse gegeben, aber leider keine Hausnummer. Wir hatten die Qual der Wahl zwischen 3 Mandarinenfarmen. Zum Schluss haben wir aber doch noch die Richtige erreicht.
Wir sind davon ausgegangen, dass wir uns erst einmal einrichten sollen und es am Montag mit der Arbeit losgeht. Weit gefehlt – kaum angekommen, wurden wir gefragt, ob es losgehen kann. Na klar! Also schnell in die Arbeitssachen geschlüpft und schon waren wir mittendrin in der Mandarinenernte.
Jeder hat eine Art Rucksack bekommen, den man unten öffnen kann, um die Mandarinen auszuladen. Man trägt den Sack vor dem Bauch und kann so relativ schnell ernten. Allerding ist das alles ziemlich schwer, wenn der Beutel langsam voller wird und geht ganz schön auf den Rücken [deshalb bevorzuge ich das Ernten mit einem Eimer]. Die Mandarinen müssen wir mit einer Schere vom Baum schneiden. Schwierigkeit dabei ist, dass man sich erst einmal zwischen all den Ästen und Blättern vorbeikämpfen muss.
Da es die Nacht zuvor geregnet hat, waren die Bäume dementsprechend nass, was die Arbeit nicht einfacher gemacht hat.


Wenn man dann seinen Beutel voll hat, lädt man alles in einen Bin (großer Korb, der ca. 400 kg Mandarinen fasst) aus. Wir haben an unserem ersten Tag 2 Bins geerntet und hoffen, dass wir noch schneller werden.
Das Auto können wir über Nacht in der Verarbeitungshalle (Shed) parken. Darin befindet sich auch die Unterkunft für die anderen Backpacker (4 Esten). Wir haben also ein Dach über dem Auto, Strom  und eine Dusche mit warmen, fließenden Wasser. Was braucht man mehr?
Das Wetter hat sich im Laufe der ersten Woche gut entwickelt und wir schwitzen inzwischen bei der Ernte, weil uns die Sonne auf den Rücken scheint. Unser „Pflück-Tempo“ können wir aber nicht wirklich wesentlich steigern und damit steht auch fest, dass wir hier nicht als reiche Leute vom Hof gehen werden. Aber Arbeit ist immer besser als keine Arbeit und unsere Gumtree-Anzeigen sind weiterhin aktiv, um uns unseren nächsten Job zu besorgen.
John (der Manager) hat uns inzwischen auch zugesagt, dass wir noch eine 2. Woche hier bleiben können. Das steigert unsere Laune deutlich. Mit den anderen Backpackern haben wir nicht wirklich viel zu tun. Da wir in unserem Auto schlafen trennen sich unsere Wege nach dem Pflücken. Und auch während der Arbeit hört jeder Musik oder unterhält sich in seiner eigenen Sprache.
Diese Woche hatten wir auch einmal die Chance, Orangen zu pflücken. Das wird zwar schlechter bezahlt, aber man kann einen Bin viel schneller füllen und so im Endeffekt sogar mehr verdienen, als bei der Mandarinenernte. Orangen müssen auch nicht geschnitten werden. Man kann sie einfach so vom Baum Pflücken. Die meisten sind eh schon so reif, dass sie bei der ersten Berührung runterfallen. Außerdem durfte ich auch bei der Sortierung und Verpackung der Orangen/Mandarinen mithelfen. Eine Maschine sortiert die Früchte automatisch nach Größe, man muss dann nur noch nach den unterschiedlichen Qualitäten sortieren.


Einige der Nächte waren ziemlich kalt und so wurden wir am Morgen von Reif und Kälte begrüßt. Da macht das Aufstehen noch viel weniger Spaß.
In der 2. Woche wurde das Wetter dann wieder etwas schlechter. Am Mittwoch hat es den ganzen Tag geregnet, so dass wir unfreiwillig einen Tag frei hatten. Viel machen konnten wir da aber auch nicht. Im Shed haben die Anderen weiter gearbeitet und so konnten wir nicht unter das schützende Dach fahren. Also waren wir im Auto gefangen und haben Filme und Serien geschaut.
Die nächsten Tage konnten wir morgens fast regenfrei pflücken und am Nachmittag hieß es dann für uns beide Arbeiten im Shed. Dabei werden wir im Übrigen per Stunde bezahlt und verdienen somit am meisten. Da wir in der 2. Woche so gut wie alle Mandarinen geerntet haben, ist unser Job hier eigentlich zu Ende. John hat aber auch noch eine private Plantage mit Orangenbäumen und so kommt es, dass wir auch noch eine 3. Woche hier verbringen werden.
Ab Woche 3 hieß es also Orangen.

Die Bäume von John´s Plantage tragen riesige Orangen und die Bins füllen sich sehr schnell. Allerdings sind wir nicht schnell genug, unser Stundenlohn liegt im Durchschnitt bei 15 $. Wenn man sich den ganzen Tag durch Orangenbäume wühlt, trifft man so einige seltsame Tiere.
Den 1. Platz im Ranking der „Am häufigsten im Baum gesichteten Tieren“ hat sich die Kakerlake in allen Größenvarianten erkämpft. Dicht gefolgt von Spinnen in jeglichen Formen, Farben und Größen auf Platz 2. Vereinzelt haben wir dann noch Vögel, Ameisen, eine Art Gottesanbeter [??] und andere undefinierbare Krabbeltierchen gesichtet.
Am Donnerstagabend haben wir dann eine E-Mail mit einem Jobangebot bekommen. Eine Farm ca. 100km weiter nördlich. Dort müssten wir – Achtung Trommelwirbel – Steine aufsammeln. Das kann sich ja zum Stöcke einsammeln nicht so unterscheiden – hoffentlich.
Am Freitag haben wir dann alles Dingfest gemacht - am Sonntag können wir zu unseren neuen Arbeitgeber fahren. Also hieß es auch: das letzte Mal Orangen pflücken.
Am Abend hatten wir dann einen Besucher im Shed. Ein Franzose, der vor einigen Jahren bei John gearbeitet hat. Er war von unserem Auto sehr begeistert und wir haben natürlich wahrheitsgemäß berichtet, dass wir noch nie Probleme mit unserer Roose hatten. Als wir dann das Auto ins Shed fahren wollten, ist es einfach ausgegangen und wollte auch partout nicht wieder angehen. Typischer Vorführeffekt. Da lobt man das Auto vor jemand Fremden und das Auto meint, dass es sich jetzt beweisen muss. Nach 5 Minuten Pause ging es dann auch wieder ohne Probleme an. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht.


 In unseren 3 Wochen Mandarinenfarm haben wir:
 definitiv jeden Tag genug Vitamine zu uns genommen.
Wir wissen, dass frisch vom Baum gepflückte Mandarinen viel besser als die aus dem Supermarkt schmecken.
Wir haben den verrücktesten Hund der Welt kennengelernt. Jackson hat keine Ruhe und ist nur am Rennen. Sobald er einen Vogel am Himmel sieht hält ihn nichts mehr und er saust einfach hinterher. Wir haben das erste Mal in Australien jemanden Scheiben kratzen sehen.
Wir wissen jetzt auch, dass nur weil der Traktor aussieht, als ob er keinen Zentimeter mehr fährt, das noch lange nicht so ist.


3 schöne Wochen gehen zu Ende und wir sind gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Samstag, 21. Juni 2014

Auf nach Bindoon

Da uns nichts weiter in Perth hält, haben wir beschlossen schon heute nach Bindoon zu fahren. Achso, Bindoon ist der Ort, wo die Mandarinenfarm ist.

Die Strecke war schnell gefahren und wir haben uns einen Überblick von dem kleinen Dorf gemacht. Viel gibt es hier nicht: eine vollkommen überteuerte Tankstelle, einen kleinen, ebenfalls vollkommen überteuerten Supermarkt, eine Hauptstraße, viele kleinen Häuschen und dann, naja nichts weiter.
Alle 5 Minuten kommen Oversize [Überlänge oder Überbreite] Trucks gefahren, die mit riesigen Maschinenteile, Container, Fahrzeuge und und und beladen sind. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, dass irgendwo ein neues Dorf errichtet wird; oder eine geheime Raketenbasis – kleiner Scherz.

Die Nacht werden wir auf einen kleinen kostenlosen Rastplatz in der Nähe verbringen, um dann morgen früh frisch und munter bei der Farm einzurücken.

Der Regen prasselt mal wieder auf das Dach und wir sind gespannt, was uns erwartet.
Eins ist sicher: Mandarinen.

Gute Nacht.

Freitag, 20. Juni 2014

Wir stehen wieder am Anfang.

Für unser Skype-Interview sind wir in die Bibliothek von Joondalup eingerückt. Ich glaube die Mitarbeiter halten uns spätestens jetzt für verrückt. Erst kommen wir 1 ½ Monate beinahe täglich, dann ist mal ein paar Wochen Ruhe und ZACK auf einmal sind DIE wieder da.

Pünktlich um 10 haben wir dann via Skype bei AussiJobs angerufen. Unser Gegenüber war aber gerade in ein Telefongespräch und meinte sie würde uns gleich zurückrufen. Also haben wir gewartet und gewartet und gewartet. Nach 15 Minuten haben wir es ein Zweites mal versucht, aber wieder war sie in einem Gespräch. Also hieß es weiter warten. Nico wollte gerade das Auto umparken [man darf nur eine Stunde parken] als AussiJobs zurückrief. Also hat er doch nicht umgeparkt, was wir später bitter bereuten. Das Interview begann direkt mit der ersten schlechten Nachricht. Die Agentur hat keinen Job für uns parat, sie wollen sich nur einen persönlichen Eindruck von uns machen. Als wir dann meinten, dass wir einen anderen Station-Job nörlich von Perth in Aussicht haben wurde die Dame hellhörig. Als sie dann noch den Name John hörte klingelten bei ihr alle Alarmglocken im Kopf. Oh oh!!! Sie hat dann jemanden angerufen, der dort schon einmal gearbeitet hat und er hat uns abgeraten, dort anzufangen. Auch die Dame von der Agentur meinte, dass sie den Manager nicht positiv in Erinnerung hat.

Na klasse, was sollen wir denn jetzt machen?
Unseren Pruning-Job in Margaret River, der am Montag beginnen sollte, haben wir gestern abgesagt.

Nico ist dann das Auto umparken gegangen um kam wütend und mit einem Strafzettel in der Hand wieder zu mir zurück. Wir haben mal wieder eine 60 $ Strafe bekommen, weil wir länger als eine Stunde standen.
Meine Güte läuft das mal wieder alles perfekt!

Also hieß es ab in die Stadtverwaltung Widerspruch einlegen. Immerhin haben wir ja einen berechtigten Grund für´s Parken über der Zeit und Absicht war es definitiv auch nicht. Mal sehen, wie das ausgeht. Den Job auf der Station haben wir auch abgesagt.


Demotiviert ging es dann in unseren Vogelpark.
Wir stehen wieder am Anfang.
Keinen Job, dafür ein Knöllchen.
 Wieder heißt es: Jobsuche.

Auf der Seite einer anderen Jobagentur haben wir uns dann für einen Job beworben und direkt einen Rückruf bekommen. Wir können ab Sonntag für eine Woche Mandarinen pflücken.
Wir haben keine Ahnung, worauf wir uns da einlassen, aber wir haben keine Wahl.
Nach einem kurzen Telefonat mit dem Manager [er heißt übrigens auch John – was ein Zufall] war alles geklärt. Wir werden per Bin [Korb] bezahlt, wer schnell ist, der verdient auch viel.

Na mal sehen, wie das wird.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Das Abenteuer ruft

Nach einer erfrischenden Dusche am Morgen haben wir beschlossen, unsere Zeit nicht in Margaret River abzusitzen. Wir haben uns Cape Naturaliste angeschaut. Dort gibt es einen kleinen Rundweg, der zu einem Punkt führt, wo man Wale beobachten kann. Leider konnten wir keinen erspähen. Der Wanderweg führte uns weiter zu einer Stelle, die „the other side oft he moon“ [die andere Seite vom Mond] genannt wird. Hier hat der raue Meereswind der Landschaft ganz schön zugesetzt und alles wirkt karg und unfreundlich. Das Wetter hat diesen Eindruck noch verstärkt [es sieht auf den Bildern zwar schön aus, aber es ging eine deftige Briese und meistens war es bewölkt], aber immerhin regnet es  nicht.


Die Nacht haben wir auf einem Rastplatz zwischen Busselton und Bunbury verbracht.
Am Donnerstagmorgen wurden wir dann von einer Email überrascht. Mal wieder ein Jobangebot, dieses mal von jemanden, der uns vor 2 Wochen schon einmal angeschrieben hatte, uns aber nie geantwortet hat. Wir sollen doch bitte anrufen, wenn wir noch suchen. Weil wir die alten Mails mit der Nummer schon gelöscht hatten, haben wir per Email geantwortet und um einen Rückruf gebeten.
Mit neuer Hoffnung sind wir weiter Richtung Bunbury gefahren. Dort gab es am Strand ein leckeres Mittagessen. Und dann kam der Anruf von John. Er hat einen Job für uns 700 km über Perth im Nirgendwo auf einer Station (=riesengroße Farm). Das klingt doch mal gut. Wir haben dann noch ein paar Details besprochen und ausgemacht, dass wir bald dort anfangen werden. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie die 700 km hinter uns bringen.

Aber was soll`s – das Abenteuer ruft und so sind wir weitergefahren in Richtung Perth.
[dort wurden wir herzlich mit einem schönen Stau und Regen empfangen]


Nach 3 Wochen Fast Food Abstinenz haben wir ausgiebig bei Bürger King und McDonald diniert. Und 3-mal dürft ihr raten, wo wir geschlafen haben, natürlich wieder auf einem noch unbebauten Grundstück im Wohngebiet.
Achja, wir hatten heute noch eine 2. Überraschung. Die Jobagentur „AussiJobs“, von der ich euch schon öfters berichtet habe, möchte morgen mit uns ein Skype-Interview führen.
Wir sind gespannt, was wir dort noch für ein Angebot bekommen und werden uns dann für das hoffentlich bessere entscheiden.