Unser Hoffen und Beten auf echte Farmarbeit war für umsonst.
Am Montag durften wir die Rosen und alle anderen Büsche in John´s Garten
beschneiden. Da wir das noch nie gemacht haben, bin ich mir ziemlich sicher,
dass hier so schnell keine Rosen mehr blühen werden. Ich hab radikal mit der
Schere angesetzt und geschnitten wie ein Weltmeister. Jetzt sieht der ganze
Garten ziemlich kahl aus, aber Emily [John´s Frau] ist begeistert von unserer
Arbeit.
Auch der Dienstag hielt nichts Aufregendes für uns bereit.
Nico musste um alle Scheunen Unkrautgift sprühen, die mögen hier kein Grünzeug
um ihre Sheds. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, im Wohnzimmer das Regal sauber
zu machen und alles zu entstauben. Danach bekam noch die Abstellkammer eine
gründliche Reinigung. Aber irgendwann war auch dieser Tag vorbei und wir waren
froh wieder in der Unterkunft zu sein.
Am Mittwoch durfte ich dann im Büro helfen. Nein, nichts Großes.
Unter im Büro helfen verstand Emily alle Schubladen auswischen und alles
ordentlich wieder einräumen. Anschließend durfte ich die aktuellen Rechnungen
alphabetisch sortieren. Immerhin hat mir das Verbrennen der alten Unterlagen
aus Vorjahren ziemlich Spaß gemacht. Dann kam zum Abschluss noch eine absolute
Hass-Aufgabe. Ich durfte die gesamte Bettwäsche, die irgendwie in den Schrank
gestopft war ordentlich zusammenlegen. Ich hasse es, Spannbettlaken zusammen zu
legen. Aber was tut man nicht alles für Geld.
John mag Unkraut anscheinend wirklich nicht, denn Nico
musste heute am Grundstückseingang und an anderen Stellen auf der Farm
Unkrautgift sprühen – mal wieder. John hat auch so nebenbei erwähnt, dass wir
demnächst auf die Farm seines Bruders Nick wechseln und dort Bäume pflanzen
dürfen. Am Abend entpuppte sich das „demnächst“ dann als morgen. Ok, also mal
wieder Auto einräumen. Wir haben mit John ausgemacht, dass wir um 10 bei ihm
sind und er uns dann den Weg zur anderen Farm erklärt.
Den Donnerstagmorgen haben wir mit Auto einräumen verbracht
und auf den Weg zur John´s Farm haben wir John doch tatsächlich getroffen. Er
hat uns dann gleich die Adresse der anderen Farm gegeben und uns den Weg
beschrieben. Einen Einkauf, einen neuen Tankdeckel [der inkompetente Mechaniker
aus Badgingarra hat übrigens auch unseren Tankdeckel kaputt gemacht] und 80km
später waren wir endlich am Ziel.
Nick ist ganz anders als sein Bruder, er erzählt viel mehr
und scheint uns auch so viel aufgeschlossener zu sein. Er hat uns unser neues
Zuhause für die nächsten Tage (? – keine Ahnung wie lang wir hier bleiben)
gezeigt – ein älterer Caravan. Unsere Freude hält sich in Grenzen. Aber
immerhin ist es besser, als im Auto zu schlafen.
Nach dem Mittag kam dann der Schock. Es war keine Rede vom
Bäume pflanzen, nein, es hieß schon wieder Garten- und Hausarbeit. Nico hatte
Glück und durfte mit dem Mitarbeiter der Farm Zäune bauen gehen und so blieb es
an mir, die Fenster des Hauses zu putzen. Die Arbeit an sich wäre gar nicht so
schlimm gewesen, wäre da nicht noch Nick´s Sohn. Seraphim (ich schätze ihn auf
4 oder 5) war der Meinung, dass er mir beim Fenster putzen helfen muss. Ok,
dachte ich, wird bestimmt ganz witzig und nebenbei lernst du vielleicht noch
ein paar neue Vokabeln. Alle 5 Minuten durfte ich mir nun anhören, dass wir denselben
Fensterputzer haben und als er entdeckt hat, dass in meinem Putzwasser
Blubber-Blasen sind, wollte er meins mit benutzen. Alles kein Problem, ich bin
da ja nicht so. Irgendwann fing er an mich zu fragen, ob ich seinen
Fensterputzer benutze – nein ich hab das Ding seither ja nicht aus der Hand
gelegt, also ist es das, womit ich begonnen habe. Seraphim war das aber
herzlich egal, er hat festgelegt, dass ich seins habe und wir tauschen müssen.
Dieses Spiel ging dann so einige Male. Zwischendurch kamen immer mal seine Mama
und Papa und haben gemeint, dass er mich nicht nerven soll. Ab und zu haben sie
auch vergebens versucht, ihn ins Haus zu locken. Nach 2 Stunden „mein/dein
Fensterputzer-Diskussion“ dann die Erlösung, Nick konnte Seraphim mit einem
Dinosaurierfilm ins Haus locken und ich konnte endlich in Ruhe Fenster putzen.
Der Frieden hielt eine Filmlänge lang an. Dann kam der Kleinen wieder raus und
wollte natürlich „helfen“. Also hat er einfach mal die geputzten Fenster wieder
nass gemacht – „Die waren noch dreckig!“, war seine Begründung. Irgendwann hat
er mir dann die Zeitung weggenommen und weggebracht. „Die gehört meinen Papa,
die kannst du nicht nehmen.“ Da half kein erklären und diskutieren, die Zeitung
war weg. Ich könnte euch jetzt noch so einiges mehr erzählen, aber das würde
eindeutig den Rahmen sprengen. Eins weiß ich jetzt, mit einem Kind auf Englisch
diskutieren ist definitiv nicht meine Stärke.
Um 5 war dann endlich Feierabend, ich konnte mich
verabschieden und bin zu unserem Caravan gegangen. Dort gibt es immerhin Strom,
solange man nicht den Warmwasser-Boiler anmacht, der ist irgendwie defekt und
sobald weitere Geräte Strom ziehen fliegt die Sicherung raus und wir sitzen im
Dunkeln. Also hieß es an diesem Abend alle 15 Minuten Sicherung wieder rein
machen, bis das Wasser endlich warm genug ist um zu duschen. Immerhin haben wir
eine Dusche direkt im Caravan, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.
Wieder etwas schlauer. Um die Chemietoilette haben wir uns bisher gedrückt,
aber irgendwann kommt der Moment, wo wir
uns auch dieser Herausforderung stellen müssen.
Freitag – das Wochenende ist in Sicht. Und noch etwas
positives, Seraphim und sein kleiner Bruder Gabriel sind heute im Kindergarten
und das heißt für mich/uns: Ruhe und (fast) keine Diskussionen. Während Nico den Rasen gemäht hat, habe ich die Fenster
fertig geputzt und dann haben wir gemeinsam Unkraut gejätet. Kurz nach um 4
kamen dann die Kinder zurück aus dem Kindergarten und die Diskussionen konnten
beginnen:
„Was machst du?“
„Unkraut zupfen.“
„Warum?“
„Weil deine Mama mir das gesagt hat.“
„Du reist aber unsere Möhren raus!“
„Nein! Das Unkraut sieht nur sehr ähnlich aus.“
„Das sag ich meiner Mama, dass du die Möhren rausreist.“
Seraphim Abgang.
Nico steht daneben und hält sich gekonnt raus. Danke!
Und wieder war ich ziemlich froh, als es endlich um 5 war
und wir uns in den Caravan zurückziehen konnten. Und dort ging dann unser
abendliches „Sicherung raus – Sicherung rein-Spiel“ los. Nico hat sogar noch
einen Kuchen gebacken. Ohne Rezept und nur nach Gefühl, aber er war trotzdem
super lecker.
Am Samstag haben wir dann den Nachbarort New Norcia besucht.
Schon von weiten sieht man im spanischen Stil gehaltene Bauten, die nicht so Recht
in den australischen Busch passen. Der Ort wurde einst gegründet, um Aborigines
zu missionieren. Heute ist es ein eingeschlafener Ort an einem Highway, der nicht
wirklich viel zu bieten hat, außer Übergröße-Transporte und Road Trains, die
alle 5 Minuten durch die Stadt brettern. Wir sind dann eine Runde durch den Ort
geschlendert (ja, man kann alles erlaufen, so groß ist der Ort nicht) und haben
uns alles Sehenswerte [?] angeschaut.
[man beachte die australische Interpretation der Geburt Jesu]
Wir haben im Anschluss noch in Moora eingekauft und getankt.
Zurück am Caravan haben wir uns auf ein leckeres Stück
Kuchen gefreut, aber die Ameisen fanden das Gebäck anscheinend genau so lecker
wie ich und haben sich darüber hergemacht. Also konnten wir ¾ des Kuchens wegwerfen
(das restliche Viertel hatte ich schon am Abend genascht bzw. zum Frühstück
verputzt). Nach dieser Aktion sind wir dann in unseren üblichen „Wochenend-Nichts-Tu-Modus“
übergegangen.
Am Sonntag haben wir ausgiebig ausgeschlafen und dann einfach
den freien Tag genossen.
Ich hab mal wieder etwas rumgeknipst.